ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2019Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung: Start im Wintersemester 2020

POLITIK

Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung: Start im Wintersemester 2020

PP 18, Ausgabe März 2019, Seite 103

Bühring, Petra

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Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn stellte den Kabinettsentwurf zur Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung vor. Der umstrittene Modellstudiengang zur Psychopharmakotherapie wurde gestrichen.

Das Bundeskabinett hat am 27. Februar dem Entwurf eines Gesetzes zur Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung zugestimmt. „Wir schaffen eine eigenständige und fundierte Ausbildung für künftige Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten“, sagte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn bei der Vorstellung des Kabinettsentwurfs. „Damit wird ihre Qualifikation noch besser und ihr Beruf noch attraktiver. Das ist gut für Therapeuten und Patienten gleichermaßen.“

Künftig soll die Approbation nach einem fünfjährigen Universitätsstudium der Psychotherapie erteilt werden, wenn eine staatliche psychotherapeutische Prüfung bestanden wurde. Daran schließt sich eine nach Landesrecht zu organisierende Weiterbildung in stationären und ambulanten Einrichtungen an. Nach der Approbation können Psychotherapeuten in Weiterbildung (PiW) in der vertragsärztlichen Versorgung im Angestelltenverhältnis beschäftigt und vergütet werden. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass die Behandlungsleistungen, die PiW in der ambulanten Weiterbildung erbringen, von den Krankenkassen vergütet werden. Mit Abschluss der Weiterbildung sind die Psychotherapeuten berechtigt, sich ins Arztregister eintragen zu lassen und sich um eine Zulassung in der vertragsärztlichen Versorgung zu bewerben.

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Der Kabinettsentwurf sieht im Gegensatz zum Referentenwurf keine Modellstudiengänge zum Erwerb von Kompetenzen in Psychopharmakotherapie vor. „Nach vielfältigen Protesten vonseiten der Ärzte, aber auch der Psychotherapeuten selbst, haben wir die Modellstudiengänge gestrichen“, erläuterte Spahn. Auch die – wie bisher – verpflichtende somatische Abklärung durch einen Arzt vor einer Psychotherapie sei deutlicher als im Referentenentwurf im Kabinettsentwurf formuliert. Die neue Berufsbezeichnung laute: Psychotherapeutin/Psychotherapeut. Ärzte könnten dabei den Zusatz „ärztlicher“ Psychotherapeut führen.

Im Ausbildungsziel des Gesetzentwurfes werden die Kompetenzen beschrieben, die insbesondere zur Teilnahme an der psychotherapeutischen Versorgung befähigen sollen. Gestärkt werden soll auch die wissenschaftliche Kompetenz, die zur Mitwirkung an einer Überprüfung und Weiterentwicklung psychotherapeutischer Verfahren befähigen soll.

Im Einzelnen ziele die Ausbildung darauf ab, die psychotherapeutischen Kompetenzen zu erwerben, die grundlegend zur Behandlung von Patienten aller Altersstufen befähigen, erläutert das BMG. Die Ausbildung solle die Breite der wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren umfassen. Nur so könnten künftige Psychotherapeuten eine sichere Entscheidung für ein späteres Vertiefungsverfahren in der Weiterbildung treffen.

„Der Kabinettsentwurf ist der Beginn der parlamentarischen Beratungen – unser Ziel ist die Beschlussfassung bis zur Sommerpause“, sagte Spahn. Das Gesetz ist im Bundesrat zustimmungspflichtig. Ergänzend zu dem Gesetz werde eine Approbationsordnung entwickelt, die die Inhalte des Studiums und der psychotherapeutischen Prüfung näher regelt. Läuft alles nach Plan, sollen die neuen Psychotherapie-Studiengänge erstmals zum Wintersemester 2020 angeboten werden. „Darauf müssen sich die Universitäten vorbereiten“, betonte Spahn.

Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) lehnte im Vorfeld den Referentenentwurf zur Ausbildungsreform strikt ab. Der Kabinettsentwurf werde derzeit „intensiv geprüft“, heißt es aus der BÄK. Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der BÄK, befürchtet grundsätzlich „eine weitgehende Ausgliederung der Behandlung von psychisch Kranken aus dem medizinischen Versorgungssystem“. Die Reform bedrohe eine somatische wie psychische Aspekte integrierende Versorgung und gehe damit zulasten der Patienten.

Die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) begrüßt den Kabinettsentwurf. Dr. rer. nat. Dietrich Munz, Präsident der BPtK, sieht jedoch Nachbesserungsbedarf, insbesondere in Bezug auf eine zusätzliche finanzielle Förderung der ambulanten Weiterbildung. Die notwendige breitere und differenziertere Aus- und Weiterbildung von Psychotherapeuten sei „nicht zum Nulltarif möglich“. Dieser Bedarf entstehe durch spezifische Weiterbildungsleistungen, wie die Supervision, Selbsterfahrung und Theorievermittlung, sowie durch die Ausgaben für eine sozial­ver­sicherungs­pflichtige Beschäftigung der Psychotherapeuten. Petra Bühring

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