ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2019Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: Offenheit für humanistische Verfahren in Grenzen

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Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: Offenheit für humanistische Verfahren in Grenzen

PP 18, Ausgabe März 2019, Seite 135

Fangauf, Ulrike

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Das Standardwerk der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie verbindet die theoretischen Grundlagen einer modernen analytischen Behandlung mit der Beschreibung praktischer Vorgehensweisen. Beschrieben werden zum Teil sehr hilfreiche, spannende Interventionssequenzen, daher ist es für Lernende der Analyse/Tiefenpsychologie und für schon erfahrene Praktizierende eine gute Anleitung. Ein Wermutstropfen ist, dass auch die 5. Auflage eher konservativ und analyselastig bleibt, auch wenn die Autoren immer wieder glaubwürdig betonen, wie offen sie für die Integration therapeutischer Methoden und Techniken seien, die ihren Ursprung in anderen Therapieverfahren haben, etwa systemische Ansätze, Körperpsychotherapie, Verhaltenstherapie und EMDR. Sie erwähnen beispielsweise, dass bei psychosomatischen Beschwerden unbedingt Interventionen aus der Körpertherapie verwendet werden sollen, aber diese werden dann doch nicht beschrieben. Die Katathym Imaginative Psychotherapie von Hanscarl Leuner wird gewürdigt, aber dann doch nur gestreift und die Wichtigkeit des kreativen Spiels und des Perspektivwechsels wird betont, ohne das Psychodrama zu benennen.

Dabei weckt der Titel schon die Hoffnung, dass langjährig bewährte Interventionen aus dem Bereich der Humanistischen Therapiemethoden zum Tragen kommen könnten. Gerade weil die Herausgeber sich auf Klaus Grawe und das Dodo-Prinzip beziehen und konform gehen mit der Aussage, dass „keine Therapieschule der anderen überlegen“ ist und „die therapeutische Beziehung bei Weitem wichtiger ist als die Wahl der Methode“. 2011 haben Wöller und Kruse für dieses Buch den Heigl-Preis erhalten. Gerade Annelise Heigl-Evers war den Humanistischen und Systemischen Therapieformen sehr zugewandt. Es wäre an der Zeit, dass die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie mit den humanistischen Psychotherapieverfahren eine üppige, fruchtbare, wertschätzende Kooperation eingeht. Ulrike Fangauf

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Wolfgang Wöller, Johannes Kruse: Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Basisbuch und Praxisleitfaden. Schattauer Verlag, Stuttgart 2018, 5. überarb. Aufl., 600 Seiten, gebunden, 59,99 Euro

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