ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2019Krankenkassen: Katalog für Hilfsmittel aktualisiert

POLITIK

Krankenkassen: Katalog für Hilfsmittel aktualisiert

Dtsch Arztebl 2019; 116(10): A-460 / B-377 / C-373

Beerheide, Rebecca

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

In einer Datenbank sind mehr als 32 000 Produkte für die Versorgung der Patienten mit Heil- und Hilfsmitteln gelistet. Das Verzeichnis haben die Krankenkassen überarbeitet und auf den technisch wie medizinisch neuesten Stand gebracht. Ein Bericht über die Höhe der Zuzahlungen fehlt noch.

Rollatoren sind Teil des Verzeichnisses, auch für sie geltenneue Regeln für Qualität und Funktionalität. Foto: lantapix/stock.adobe
Rollatoren sind Teil des Verzeichnisses, auch für sie geltenneue Regeln für Qualität und Funktionalität. Foto: lantapix/stock.adobe

Die Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln soll sich für Patientinnen und Patienten verbessern. Der GKV-Spitzenverband hat dazu das neue Hilfsmittel- und Pflegemittelverzeichnis erarbeitet und Ende Februar einen entsprechenden Bericht dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium sowie der Öffentlichkeit vorgelegt. Damit wird ein gesetzlicher Auftrag aus dem Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) aus dem Jahr 2015 umgesetzt. Mit dem Gesetz sollte erreicht werden, dass mangelhafte Produkte beispielsweise bei Inkontinenzhilfen nicht mehr als kostengünstigste Alternative von den Krankenkassen finanziert wird. Dieses Verzeichnis mit etwa 32 500 Produkten – von Inkontinenzhilfen über Rollatoren, Hörgeräte, Gehhilfen, Schuheinlagen oder Blindenhunde – hat der Spitzenverband der Krankenkassen in den vergangenen Monaten grundlegend überarbeitet. Dabei seien etwa 1 000 Produkte aus der Datenbank gelöscht worden. In einem Rhythmus von fünf Jahren soll das Verzeichnis nun fortgeschrieben werden.

Anzeige

Nach Inkrafttreten des Gesetzes im Jahr 2017 stiegen die Ausgaben der Krankenkassen für Hilfsmittel deutlich an. Rund 8,07 Milliarden Euro wurden ausgegeben. Das sind etwa 3,7 Prozent der Gesamtausgaben der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung. „Das ist ein natürliches Ergebnis bei einer älter werdenden Bevölkerung, der wir ein Angebot machen wollen, wenn sich Innovationen in der Industrie verbessern“, erklärte Gernot Kiefer, im Vorstand des GKV-Spitzenverbandes zuständig für die Umsetzung des HHVG. Auch sei diese Summe „nicht zum jammern“, es sei gut, dass nun die „historische Veralterung“ des Hilfsmittelverzeichnisses aufgearbeitet wurde. Teilweise seien noch Produkte gelistet gewesen, die gar nicht mehr hergestellt werden. Nun entspreche der Stand der Liste den „versorgungsrelevanten medizinisch und technischen Erkenntnissen und Entwicklungen“, heißt es beim GKV-Spitzenverband.

Mehr Beratung für Patienten

Bei der Erarbeitung des Verzeichnisses wurde die Rahmensetzung des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) berücksichtigt sowie die Expertise der Krankenkassen, des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen, der Patientenverbände sowie mit medizinischen Fachgesellschaften oder Verbänden der Industrie zusammengearbeitet, hieß es bei der Vorstellung des Berichts. Neben der Qualität der Industrieprodukte will der Gesetzgeber auch bei den Dienstleistungen rund um ein Produkt – also Beratungsgespräche, Erklärung zur Funktionalität – Verbesserungen erreichen. Entsprechende Dienstleistungsanforderungen wurden ebenso von den Krankenkassen überarbeitet. Laut dem Gesetz müssen Krankenkassen Patienten zunächst über Hilfsmittel informieren, die von der Zuzahlung befreit sind. Es muss auch dokumentiert werden, dass es diese Information gab.

In diesem Bericht fehlt allerdings der Überblick über die Zu- und Aufzahlungen, die Versicherte bei vielen Produkten zu leisten haben. Viele Produktgruppen haben weiterhin Aufzahlungen, die der Patient tragen muss, und diese oftmals nicht nur für Luxusausstattungen. Die Krankenkassen räumen ein, dass es bislang keinen statistischen Überblick gebe. „Der Markt ist zu sehr differenziert. Außerdem muss im Einzelfall geprüft werden, ob der Patient eigene Ausstattungswünsche hatte, die über die Erstattung der Kassen hinausging. Natürlich darf jeder die Wünsche weiterhin äußern“, so Kiefer. Er rechnet in den kommenden Monaten mit ersten Zahlen der Krankenkassen dazu.

Diesen Bericht fordert auch die SPD-Patientenbeauftragte Martina Stamm-Fibich ein. Nach ihrer Aussage hätte ein Zahlenwerk bereits im Juni 2018 vorliegen sollen. „Mich erreichen immer wieder Meldungen, dass die Versorgung mit Hilfsmitteln schwierig ist. Insbesondere bereiten Aufzahlungen bei Hilfsmitteln nach wie vor vielen Versicherten Probleme“, so die SPD-Bundestagsabgeordnete in einer Mitteilung. Mit den Daten aus dem Bericht will Stamm-Fibich als Gesetzgeber die Möglichkeit schaffen, „bei Aufzahlungen gegebenenfalls gegensteuern zu können“. Rebecca Beerheide

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.