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Dtsch Arztebl 2019; 116(10): A-481

Mosler, Nana; Meyer, Rüdiger

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Primärprävention: Einfluss von Vitamin A, C, E, Selen, EPA auf die kardiovaskuläre Mortalität – Einige Vitamin- und Mineralstoffpräparate versprechen, Herzkrankheiten vorzubeugen oder die Therapie zu unterstützen. Der Beweis dafür ist jedoch noch nicht gelungen – mit einer Ausnahme: Folsäure kann das Schlaganfallrisiko verringern.

Prof. Dr. med. Eberhard Windler, Hamburg, stellte auf einem Fortbildungskongress in Berlin fest, dass sich die Gesamtmortalität unter Vitamin A, C, E und Selen in 47 randomisierten Studien mit über 180 000 Probanden ohne Mangel um 5 % erhöhte (JAMA 2007; 297 (8): 842–57). Dieses Ergebnis bestätigte eine Metaanalyse weiterer 21 Studien mit 105 780 Patienten (JACC 2018; doi: 10.1016/ j.jacc.2018 04.020).

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Folsäure ist ebenfalls nicht geeignet, um kardiovaskuläre Ereignisse zu verhindern, senkt aber die Rate von Schlaganfällen um 20 % (NNT = 167). Auf genetischer Ebene belege eine chinesische Studie mit 20 525 Patienten, so Windler, dass Menschen mit einem bestimmten Genotyp für die Methylentetrahydrofolatreduktase, die den Folsäurespiegel diktiert, das höchste Schlaganfallrisiko haben (JAMA 2015; 313 (13): 1325–1335). Trotzdem sei eine Folsäuresubstitution ohne Mangel nicht sinnvoll, weil die Krebsinzidenz bei längerfristiger Einnahme innerhalb von 3–5 Jahren steigt.

Der Vitamin-D-Spiegel soll zwischen 20 und 30 ng/ml betragen. Die Muskelkraft nimmt unter der Zufuhr von 2 000 IE Vitamin D3 ab. Zudem hat D3 keinen Effekt auf kardiovaskuläre Ereignisse oder die Krebsinzidenz (NEJM 2019; 380: 33–44).

Man sei auch mit der Gabe von Kalzium 500 mg oder 1 g täglich vorsichtig geworden, meinte Windler, weil eine nicht signifikante Studie aus einer Meta-Analyse eine höhere kardiovaskuläre Ereignisrate nahelegt (JACC 2018; doi: 10.1016/ j.jacc.2018 04.020).

Die (isolierte) Gabe von Eicosapentaensäure (EPA) 1,8 g funktioniert über 4,6 Jahre: In der Primärprävention senkt es koronare Ereignisse um 18 % und in der Sekundärprävention um 19 % (Lancet 2007; 369 (9567): 1090–8). Das bestätigt auch die REDUCE-IT-Studie mit 4 g EPA (NEJM 2019; 380: 11–22). Sie belegt für 8 179 Patienten eine signifikante Senkung um mindestens 25 % von kardiovaskulärem Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall, akutem Koronarsyndrom und Revaskularisierung. Ob dazu auch 2 g ausreichen, wisse man derzeit nicht, sagte Windler. „ASS ist out in der Primärprävention, aber EPA könnte es ablösen“, schlussfolgerte er. Nana Mosler

Quelle: Interdisziplinärer Fortbildungskongress „Praxisnah“ in Berlin, Dezember 2018, Veranstalter: Hexal

Neues Antibiotikum bei komplizierten Harnwegsinfektionen wirksam – Das Aminoglykosid-Antibiotikum Plazomicin, dessen Zulassung in Europa in diesem Jahr erwartet wird, hat in einer Vergleichsstudie (NEJM 2019; 380: 729–740) an Patienten mit komplizierten Harnwegsinfektionen den Nachweis einer Noninferiorität gegenüber Meropenem erbracht. Eine Studie zur Wirksamkeit bei Pneumonien oder Bakteriämien durch carbapenemresistente Enterobakterien musste dagegen wegen geringer Teilnehmerzahl abgebrochen werden (NEJM 2019; 380: 791–793). Plazomicin wurde deshalb in den USA nur zur Behandlung von komplizierten Harnwegsinfektionen, aber nicht für den Einsatz bei Bakteriämien zugelassen. Die FDA rechtfertigt die Entscheidung mit früheren Erfahrungen: Es gebe viele Antibiotika, die bei einer Infektionsart eine gute Wirksamkeit erzielten, bei anderen jedoch unerwarteterweise versagten. rme

Quelle: Pressemitteilung des US-Herstellers Achaogen vom 21. Februar 2019.

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