ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2019Komplizierte Harnwegsinfektionen: Neues Aminoglykosid-Antibiotikum gut wirksam, auch in der Rezidiv-Prophylaxe

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Komplizierte Harnwegsinfektionen: Neues Aminoglykosid-Antibiotikum gut wirksam, auch in der Rezidiv-Prophylaxe

Dtsch Arztebl 2019; 116(10): A-480 / B-390 / C-386

Meyer, Rüdiger

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Foto: yodiyim/stock.adobe.com
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Enterobacteriaceen sind die häufigsten Verursacher von komplizierten Harnwegsinfektionen, Multiresistenzen unter ihnen nehmen zu. Daher werden neue antibiotische Substanzen erprobt. Eines ist das Aminoglykosid Plazomicin. In der EPIC-Studie, einer prospektiv randomisierten Phase-3-Untersuchung, sind Plazomicin und Meropenem verglichen worden mit dem Ziel, die Nichtunterlegenheit von Plazomicin zu belegen. Der Nachweis galt als erbracht, wenn die Wirksamkeitsdifferenz über die Breite des 95-%-Konfidenzintervalls nicht größer als 15 % war. Die primären Endpunkte setzten sich zusammen aus klinischer Heilung und mikrobiologischer Eradikation an den Tagen 5 und 15–19 nach Therapiebeginn (Test-of-cure-Visite).

609 Patienten mit komplizierten Harnwegsinfektionen einschließlich akuter Pyelonephritis nahmen teil. 388 wurden in die Analyse zur Wirksamkeit eingeschlossen. In der Plazomicingruppe wurde eine Heilung am Tag 5 bei 168 von 191 Patienten erreicht (88,0 %) und in der Meropenemgruppe bei 180 von 197 Patienten (91,4 %). Die Differenz von 3,4 Prozentpunkten blieb bei einem 95-%-Konfidenzintervall von –3,1 bis +10,0 % innerhalb der Marge für die Noninferiorität.

In der Plazomicingruppe wurde bei 81,7 % eine Heilung festgestellt gegenüber 70,1 % in der Meropenemgruppe. In diesem primären Endpunkt war damit die Wirkung des Aminoglykosids signifikant besser als die des Penems. Auch erzielte die Plazomicintherapie häufiger eine mikrobiologische Eradikation, einschließlich der von Enterobakterien, die nicht empfindlich auf Aminoglykoside waren (78,8 % vs. 68,6 %), und von Enterobakterien, die Betalaktamasen mit erweitertem Spektrum produzierten (ESBL; 82,4 % vs. 75,0 %).

Die Rate mikrobiologischer Rezidive betrug 3,7 % vs. 8,1 % im Zeitraum von 24–32 Tagen nach Therapiebeginn und die Rate klinischer Rückfälle 1,6 % vs. 7,1 %. Einziger Nachteil war ein häufigerer Anstieg des Serumkreatinins.

Fazit: Das neu entwickelte Aminoglykosid Plazomicin ist einer Meropenembehandlung von Patienten mit komplizierten Harnwegsinfektionen und akuter Pyelonephritis nicht unterlegen. Rüdiger Meyer

Wagenlehner FME, Cloutier DJ, Komirenko AS, et al.: Once-daily plazomicin for complicated urinary tract infections. N Engl J Med 2019; 380: 729–40.

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