ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2019Viele haben Vorurteile gegen weibliche Führungskräfte

ÄRZTESTELLEN: Kurz notiert

Viele haben Vorurteile gegen weibliche Führungskräfte

Dtsch Arztebl 2019; 116(10): [4]

Glöser, Sabine

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Foto: contrastwerkstatt/stock.adobe.com
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Vorurteile gegen Frauen in Führungspositionen sind weit verbreitet. Menschen, die zu diesem Thema befragt werden, antworten oft unehrlich, wenn ihnen die Vertraulichkeit ihrer Antworten nicht garantiert wird. Das zumindest ist das Ergebnis einer Studie von Dr. Adrian Hoffmann und Prof. Dr. Jochen Musch vom Institut für Experimentelle Psychologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie analysierten die Antworten von 1 529 Studierenden auf konventionelle direkte sowie indirekte Fragen im sogenannten Crosswise-Format, um die tatsächliche Einstellung zu weiblichen Führungskräften zu erfassen.

Den Ergebnissen zufolge äußerten im Crosswise-Format deutlich mehr Befragte Vorbehalte gegenüber weiblichen Führungskräften als direkte Fragen dies nahelegten. Bei voller Vertraulichkeit gaben 28 Prozent der Frauen und 45 Prozent der Männer an, Frauen im Vergleich zu Männern weniger Führungsqualitäten zuzuschreiben. Unter Männern waren die Zweifel gegenüber weiblichen Führungskräften in beiden Befragungsformaten stärker verbreitet. Allerdings stieg unter den Frauen der Anteil derjenigen deutlich stärker an, die einen Vorbehalt äußerten, sobald die Forscher von einer direkten zu einer indirekten Frage wechselten.

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„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Frauen mehr Schwierigkeiten als Männer damit haben, Vorbehalte gegenüber weiblichen Führungskräften offen zu äußern“, sagte Hoffmann. Möglicherweise fühlten sie sich dazu verpflichtet, sich mit anderen Frauen zu solidarisieren, vermutet Musch. Solange dies so sei, würden Frauen seltener in Führungspositionen zu finden sein, als es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspreche.

Manche Theorien, ergänzten die Studienautoren, gehen davon aus, dass Vorurteile gegen weibliche Führungskräfte aus einer Diskrepanz entstehen zwischen der stereotypen weiblichen Geschlechterrolle und der oft mit eher männlichen Attributen assoziierten sozialen Rolle einer Führungskraft. Die Studie ist erschienen in der Fachzeitschrift Sex Roles (doi: 10.1007/s11199–018–0969–6). sg

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