ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2019An urogenitale Bilharziose und Tuberkulose denken
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Zu dem interessanten Artikel über die Abklärung einer Hämaturie möchten wir die aus Platzgründen nur in der Tabelle erwähnten infektiösen Ursachen scheinbar „steriler“ Hämaturien insbesondere bei Flüchtlingen und Migranten hervorheben (1). Dabei sind zwei Infektionen von Bedeutung, deren Diagnose nicht immer einfach ist: die urogenitale Bilharziose und die urogenitale Tuberkulose. Eine Studie bei scheinbar gesunden minderjährigen Flüchtlingen aus Afrika südlich der Sahara belegt eine Bilharzioseprävalenz von annähernd 25 % (2). Hinzukommt, dass seit 2014 bekannt ist, dass die Blasenbilharziose sogar wieder in Europa, nämlich in Südkorsika, erworben werden kann (3). Ein Verdacht wird durch eine serologische Untersuchung in einem entsprechend spezialisierten Labor erhärtet, bestätigt wird er durch den Nachweis von Wurmeiern im mikrofiltrierten Sammelurin (gesammelt von 11.00–14.00 Uhr oder 24-Stundenurin). Immer wieder werden wir mit Flüchtlingen mit urogenitaler Tuberkulose konfrontiert, die durch das Tuberkulose-Aufnahme-Screening nicht erfasst wurden.

Der Grund dafür ist, dass eine Tuberkulose, die außerhalb Europas erworben wird, häufig extrapulmonal verläuft und durch ein Röntgenbild der Lunge nicht erfasst wird (4). Neben einem spezifischen Interferon-Gamma-Release-Assay (IGRA), der bei Immigranten häufig auch ohne klinische Manifestationen positiv ausfällt, erhärtet ein hochpositiv reagierender intrakutaner Mendel-Mantoux-Hauttest den Verdacht auf eine produktive Tuberkulose. Ein fehlender Nachweis von säurefesten Stäbchen im Urin oder in Gewebeproben und falsch-negative spezifische Polymerasekettenreaktion können den Kliniker verunsichern. Die Kultur, die aus konzentriertem Morgenurin erfolgen muss, kann einige Wochen in Anspruch nehmen.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0191b

Prof. Dott. Joachim Richter, Gabriela Equihua-Martinez,

Dr. med. Kirsten Müller, Dr. med. Andreas K. Lindner

Institut für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit,

Charité-Universitätsmedizin Berlin

Joachim.Richter@charite.de

Interessenkonflikt

Prof. Richter erhielt Erstattung von Reise- und Übernachtungskosten von der Firma Fiocruz, Brasilien. Die übrigen Unterzeichner erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Bolenz C, Schröppel B, Eisenhardt A, Schmitz-Dräger BJ, Grimm MO: The investigation of hematuria. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 801–7 VOLLTEXT
2.
Theuring S, Friedrich-Jänicke B, Pörtner K, et al.: Screening for infectious diseases among unaccompanied minor refugees in Berlin, 2014–2015. Eur J Epidemiol 2016; 31: 707–10 CrossRef MEDLINE
3.
Holtfreter MC, Moné H, Müller-Stöver I, Mouahid G, Richter J: Schistosoma haematobium infections acquired in Corsica, France, August 2013. Euro Surveill 2014; 19: pii: 20821 CrossRef MEDLINE
4.
Singh DD, Vogel M, Müller-Stöver I, et al.: TB or nor TB? Difficulties in the diagnosis of tuberculosis in HIV-negative immigrants to Germany. Eur J Med Res 2011; 16: 381–4 CrossRef MEDLINE PubMed Central
1.Bolenz C, Schröppel B, Eisenhardt A, Schmitz-Dräger BJ, Grimm MO: The investigation of hematuria. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 801–7 VOLLTEXT
2.Theuring S, Friedrich-Jänicke B, Pörtner K, et al.: Screening for infectious diseases among unaccompanied minor refugees in Berlin, 2014–2015. Eur J Epidemiol 2016; 31: 707–10 CrossRef MEDLINE
3.Holtfreter MC, Moné H, Müller-Stöver I, Mouahid G, Richter J: Schistosoma haematobium infections acquired in Corsica, France, August 2013. Euro Surveill 2014; 19: pii: 20821 CrossRef MEDLINE
4.Singh DD, Vogel M, Müller-Stöver I, et al.: TB or nor TB? Difficulties in the diagnosis of tuberculosis in HIV-negative immigrants to Germany. Eur J Med Res 2011; 16: 381–4 CrossRef MEDLINE PubMed Central

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