ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2019Verzehr bestimmter Pilzarten
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Ich bedanke mich für den übersichtlichen Artikel zur Mikro- und Makrohämaturie (1). Eine Ergänzung im Vorfeld der diagnostischen Abklärung sei mir erlaubt: Vom Patienten bemerkter roter – vermeintlich – blutiger Urin beunruhigt sehr und lässt den Verunsicherten ärztlichen Rat suchen.

Wenn dann in Praxis oder Ambulanz der Urinteststreifen auf Blut negativ ausfällt und sich im Gesichtsfeld des Mikroskopes keine Erythrozyten zeigen, wird der Arzt eine Myoglobinurie, eine Porphyrie oder insbesondere eine Hämoglobinurie nach exzessiver sportlicher Betätigung (zum Beispiel eine „Marsch-Hämoglubinurie“) in Erwägung ziehen. Allgemein bekannt ist auch, dass der Genuss von Roten Beeten, aufgrund ihres Betain-Gehaltes, zur Ausscheidung von rotem Harn führen kann.

Nur wenig bekannt ist dagegen, dass auch der vortägliche Verzehr bestimmter Pilzarten eine Rotverfärbung des Urins verursachen kann. Hier ist an erster Stelle der von Pilzsammlern sehr geschätzte Edelreizker (Lactarius deliciosus), ein im Spätsommer und Herbst wachsender Kiefernbegleiter, zu nennen.

Er gehört zur Familie der Täublingsverwandten (Russulaceae). Aber auch alle weiteren rotmilchenden Arten, die alle essbar sind, wie der an Tannen gebundene Lachsreizker (Lactarius salmonicolor) und der sehr häufige Fichtenreizker (Lactarius deterrimus) und andere können zu einer roten bis braunroten Verfärbung des Urins führen.

Die Ursache hierfür ist der Gehalt an Azulenen (Sesquiterpene) in den Fruchtkörpern dieser Reizker. Während meiner langjährigen Tätigkeit als Assistent und Oberarzt konnte ich mit der Frage nach einem vorabendlichen Genuss von Roten Beeten oder „Blutreizkern“ mehrere Male besorgte Patienten beruhigen und von weiterer Diagnostik verschonen.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0191c

Prof. Dr. med Siegmar Berndt

Toxikologe der Deutschen Gesellschaft für Mykologie e. V., Paderborn

drs.berndt@t-online.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Bolenz C, Schröppel B, Eisenhardt A, Schmitz-Dräger BJ, Grimm MO: The investigation of hematuria. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 801–7 VOLLTEXT
1.Bolenz C, Schröppel B, Eisenhardt A, Schmitz-Dräger BJ, Grimm MO: The investigation of hematuria. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 801–7 VOLLTEXT

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