ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2019Therapie von Netzhauterkrankungen: Bei intravitrealen Injektionen kann der Blutdruck erheblich ansteigen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Therapie von Netzhauterkrankungen: Bei intravitrealen Injektionen kann der Blutdruck erheblich ansteigen

Dtsch Arztebl 2019; 116(11): A-528 / B-434 / C-428

Gerste, Ronald D.

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Foto: picture alliance
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Die intravitreale Injektion von VEGF-Inhibitoren ist in den letzten Jahren zu einer der am häufigsten vorgenommenen Interventionen in der Augenheilkunde geworden. Die Wirkstoffe werden vor allem bei exsudativer altersabhängiger Makuladegeneration (AMD) und einer Reihe weiterer Netzhauterkrankungen in den Glaskörper des Auges injiziert.

Das systemische Sicherheitsprofil dieser Applikation wird nach wie vor und vor allem bei Patienten mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko kontrovers diskutiert. Metaanalysen der bisherigen Studien deuten auf eine höhere Inzidenz solcher Komplikationen nach monatlichen Injektionen im Vergleich zu den selteneren Eingriffen im Rahmen eines pro-re-nata-Behandlungsschemas.

Eine Schweizer Arbeitsgruppe hat nun den Einfluss dieser kurzen, üblicherweise in lokaler Tropfanästhesie vorgenommenen Injektionen auf den systemischen Blutdruck der in aller Regel älteren Patienten untersucht. Auch wenn die Applikation sensorisch kaum wahrnehmbar sein sollte, könnte eine Spritze ins Auge bei den Patienten Angst auslösen, so die Annahme.

Bei 201 Patienten (92 Frauen, 109 Männer) mit einem Durchschnittsalter von 68 Jahren wurde der Blutdruck nach Ankunft in der Universitätsaugenklinik Bern während der Vorbereitung, direkt bei der Injektion und anschließend im Ruheraum gemessen. Die durchschnittlichen Blutdruckwerte stiegen von 150/78 mmHg bei Baseline auf 162/83 mmHg bei der Vorbereitung und auf 168/83 während der Injektion.

Nach der Injektion im Ruheraum wurden im Durchschnitt Werte von 157/82 mmHg gemessen. Bei immerhin 11 % der Patienten stiegen während der kurzen Intervention die Werte des systolischen Blutdrucks auf > 200 mmHg. Bei dieser Subgruppe von Patienten nahm der systolische Blutdruck während der Injektion beträchtlich zu, nämlich um durchschnittlich 32 mmHg. Bei Patienten, die am gleichen Tag circa 15 Minuten später auch eine Injektion in das zweite Auge bekamen, stieg der systolische Blutdruck erneut um durchschnittlich 14 mmHg an. Die Ophthalmologen fanden keinen Zusammenhang zwischen dem Blutdruckanstieg und der Zahl der vorausgegangenen Behandlungen.

Fazit: „Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen die Beobachtungen der Kliniker: Für einen Teil der Patienten stellt die intravitreale Injektion eine emotionale Belastung dar, obwohl sie im Grunde harmlos ist“, kommentiert Prof. Dr. med. Alireza Mirshahi, Direktor der Augenklinik Dardenne in Bonn-Bad Godesberg. „Die in dieser Studie festgestellte Blutdruckerhöhung spiegelt die vegetative Antwort auf eine solche akute Stresssituation wider.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Berger V, Munck MR, Lersch F, et al.: Associa-tion of intravitreal injections with blood pressure increase. JAMA Ophthalmol 2019; 137: 87–90.

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