ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2019Chronische Hepatitis-C-Virusinfektion: Direkt wirkende antivirale Substanzen senken Karzinomrisiko und Sterblichkeit

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chronische Hepatitis-C-Virusinfektion: Direkt wirkende antivirale Substanzen senken Karzinomrisiko und Sterblichkeit

Dtsch Arztebl 2019; 116(11): A-528 / B-434 / C-428

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: picture alliance
Foto: picture alliance

Weltweit sind Schätzungen zufolge circa 71 100 Millionen Menschen chronisch mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) infiziert. In Deutschland wird die Prävalenz der chronischen HCV-Infektion auf 0,3–0,5 % geschätzt. Aus früheren Metaanalysen war bekannt, dass ein dauerhaftes virologisches Ansprechen von Patienten auf eine interferonbasierte Behandlung mit einer Reduktion der Letalität, des Risikos für hepatozelluläre Karzinome (HCC) und für ein terminales Leberversagen assoziiert ist. Ob auch direkt antiviral wirkende Substanzen (DAAS) diese Effekte auf die Sterblichkeit und das HCC-Risiko haben, galt bislang als nicht klar nachgewiesen.

Dies war Fragestellung einer prospektiven Kohortenstudie an 32 französischen Zentren für Lebererkrankungen. Eingeschlossen wurden 10 166 chronisch HCV-Infizierte aus der französischen Kohorte ANRS CO22. Die Rekrutierung erfolgte zwischen August 2012 und Dezember 2015.

Von den 9 895 Teilnehmern mit kompletten Datensätzen hatten 2 551 keine antivirale Therapie erhalten und 7 344 eine Kombinationsbehandlung mit DAAS. Patienten, die Interferon plus Ribavirin mit oder ohne DAAS eingenommen hatten, waren von der Analyse ausgeschlossen. Das durchschnittliche Alter in der DAAS-Kohorte lag bei 57 Jahren und in der Kohorte ohne DAAS bei 54 Jahren.

Im Follow-up von 24–40 Monaten (median: 33,4 Monate) starben 218 Patienten, nämlich 129 behandelte und 89 unbehandelte. Das Risiko zu sterben war in der DAAS-Gruppe nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Fibrose-Score-Wert, Komorbidität und anderen krankheitsrelevanten Variablen um 50 % im Vergleich zur DAAS-nicht-exponierten Gruppe reduziert (Hazard Ratio [HR] für Tod: 0,48 [95-%-Konfidenzintervall] [95-%-KI] [0,33; 0,70]). Der Unterschied war mit einem p-Wert von 0,0001 statistisch signifikant.

258 Studienteilnehmer entwickelten im Beobachtungszeitraum ein HCC. Davon waren 187 Teilnehmer DAAS-behandelt und 71 nicht. Das Risiko für ein HCC war in der DAAS-Kohorte damit um 34 % im Vergleich zur Gruppe ohne Therapie vermindert (HR für HCC bei DAAS-Therapie: 0,66 [0,46; 0,93]; p = 0,018). Bei der Subgruppe von Patienten, die durch die DAAS-Behandlung kein anhaltendes virologisches Ansprechen erreicht hatten, bestand dagegen ein erhöhtes Risiko für ein HCC (HR: 2,23 [1,37; 3,64]; p = 0,0012).

Fazit: Die Behandlung chronisch HCV-Infizierter mit direkt antiviral wirkenden Substanzen reduziert das Risiko für die Entwicklung eines hepatozellulären Karzinoms und die allgemeine Sterblichkeit. Es sei die erste große prospektive Studie, die eine verminderte Gesamtsterblichkeit nachweise, heißt es im Editorial (2). Die interferonfreie antivirale Therapie führe bei der großen Mehrheit der Behandelten (> 95 %) zur dauerhaften Virus-eradikation und habe im Allgemeinen weniger Nebenwirkungen als interferonbasierte Regime. Der klare Beleg einer verminderten Karzinomentwicklung und Sterblichkeit durch DAAS stärke das Konzept, HCV bei chronisch Infizierten generell mit DAAS zu eradizieren.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Carrat F, Fontaine H, Dorival C, et al.: Clinical outcomes in patients with chronic hepatitis C after direct-acting antiviral treatment: a prospective cohort study. Lancet 2019; http://dx.doi.org/10.1016/S0140–6736(18)32111–1
  2. Holmes JA, Rutledge SM, Chung RT: Direct antiviral treatment for hepatatis C.Lancet 2019; http://dx.doi.org/10.1016/S0140–6736(18)32326–2

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen:

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema