ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2019Kommunikation: Gesundheitskompetenz von Patienten wird überschätzt

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Kommunikation: Gesundheitskompetenz von Patienten wird überschätzt

Dtsch Arztebl 2019; 116(11): A-542 / B-446 / C-438

Hillienhof, Arne; Kahl, Kristin

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Häufiger nachfragen lautet die Empfehlung an Ärztinnen und Ärzte – das könne sich auch positiv auf die Compliance auswirken. Foto: Alexander Raths/stock.adobe.com
Häufiger nachfragen lautet die Empfehlung an Ärztinnen und Ärzte – das könne sich auch positiv auf die Compliance auswirken. Foto: Alexander Raths/stock.adobe.com

Viele Patientinnen und Patienten können mit medizinischen Begriffen weniger anfangen, als Ärzte erwarten. Das hat eine Arbeitsgruppe um Dr. med. Felix Gundling vom Klinikum Bogenhausen in München in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift (2019; doi: 10.1055/a-0758–0647) berichtet.

Für die Studie befragten die Ärztinnen und Ärzte rund 200 Patienten nach 43 häufigen medizinischen Fachbegriffen. Hinzu kamen Fragen zum Aufbau des menschlichen Körpers. Bei der Frage „Leiden Sie unter Angina pectoris?“ wusste beispielsweise ein Drittel der Befragten nicht, wovon die Rede ist. Ein weiteres Drittel meinte zu wissen, was eine Angina pectoris ist, konnte auf Nachfrage jedoch nicht erklären, worum es sich genau handelt.

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Ähnlich steht es offenbar auch bei anderen Begriffen: Etwa die Hälfte der Befragten glaubte zu wissen, was ein Body-Mass-Index, ein Teerstuhl, ein Ödem oder Refluxbeschwerden sind. Auf Nachfrage konnten viele diese Begriffe jedoch nicht erklären. Auch bei deutschsprachigen Begriffen wie Verstopfung, Darmspiegelung oder Sodbrennen waren den Patienten die Zusammenhänge oft unklar.

Das Team um Gundling errechnete aus den korrekten Antworten für jeden Patienten eine prozentuale Gesamtpunktzahl und bewertete dieses Ergebnis anhand biografischer und soziografischer Einflussfaktoren: Patienten mit längerer Schulbildung konnten die Fragen häufiger richtig beantworten. Frauen verfügten über mehr medizinisches Wissen als Männer. Privatversicherte waren besser informiert als Kassenpatienten. Keinen Einfluss auf den medizinischen Kenntnisstand hatte der Fernsehkonsum. „Die Medienpräsenz vieler Fachbegriffe wie Arteriosklerose oder arterielle Hypertonie garantiert kein Wissen aufseiten der Patienten“, folgert Gundling. Er rät Ärzten, häufiger bei Patienten nachzufragen, ob diese ihn wirklich verstanden haben. „Je besser ein Patient über seine Erkrankung informiert ist, desto größer ist seine Kooperation bei entsprechender Behandlung“, erinnert er. hil/kk

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