ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2019Ambulant erworbene Pneumonien: Neues Tetrazyklin ist gut wirksam gegen typische und atypische Erreger

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Ambulant erworbene Pneumonien: Neues Tetrazyklin ist gut wirksam gegen typische und atypische Erreger

Dtsch Arztebl 2019; 116(12): A-583 / B-478 / C-470

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: stockdevil/iStock
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Die ambulant erworbene Pneumonie (CAP) ist die häufigste infektiöse Ursache für stationäre Behandlungen und mit einer erhöhten Mortalität assoziiert, vor allem bei älteren Menschen. International treten bei Infektionen mit Streptococcus pneumoniae, aber auch mit Staphylokokken oder Hämophilus influenzae zunehmend Resistenzen auf gegen Betalaktame, Makrolide und Tetrazykline früherer Generationen. In einer prospektiv randomisierten, doppelblinden Phase-3-Studie sind Effektivität und Sicherheit des neuen Tetrazyklins Omadacyclin mit dem Fluorchinolon Moxifloxacin verglichen worden.

774 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Pneumonie (Pneumonia Severity Index II–IV) wurden in der Intention-to-treat-Analyse berücksichtigt. Es war in 2 Gruppen randomisiert worden: 100 mg Omadacyclin i.v. alle 12 Stunden 2 Mal und danach alle 24 Stunden (n = 386) oder Moxifloxacin 400 mg i.v. alle 24 Stunden (n = 388).

Nach frühestens 3 Tagen konnten die Patienten von einer intravenösen auf eine orale Applikation wechseln. Die Therapiedauer betrug minimal 7 und maximal 14 Tage. Primärer Endpunkt war eine Stabilisierung oder Verbesserung der Symptome Husten, Sputumproduktion, Pleuraschmerz und Dyspnoe in 72–120 Stunden (frühe klinische Response). Die Studie war auf Nichtunterlegenheit von Omadacyclin vs. Moxifloxacin angelegt.

Eine frühe klinische Response erreichten 81,1 % in der Omadacyclin-Gruppe und 82,7 % in der Moxifloxacin-Gruppe. Die Ansprechraten nach Beendigung der Behandlung lagen bei 87,6 % (Tetrazyklin) und 85,1 % (Fluorchinolon). Die Nichtunterlegenheit von Omadacyclin, definiert als maximale Abweichung im Ansprechen um 10 %-
Punkte, galt so als belegt.

Omadacyclin habe eine starke wachstumshemmende Wirkung auf häufige bakterielle Verursacher von Pneumonien, so die Autoren, inklusive makrolid- und tetrazyklinresistenten Stämmen. Bei 41,1 % der Patienten mit Omadacyclin-Therapie traten unerwünschte Effekte auf, zu 6,5 % waren sie schwer (meist gastrointestinal). In der Fluorchinolon-Gruppe waren die Raten 48,5 % (alle unerwünschten Effekte) und 6,7 % für schwere Nebenwirkungen. Omadacyclin kann ebenso wie Moxifloxacin intravenös und oral gegeben werden.

Fazit: „Omadacyclin gehört zur neuen Subgruppe der Aminomethylzykline mit verbessertem Schutz gegen bakterielle Resistenzmechanismen“, erläutert Prof. Dr. med. Klaus Dalhoff, stellvertetender Direktor der Medizinischen Klinik III – Pulmologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein Campus Lübeck. „Die Substanz hat sich in dieser Studie als gleichwertig zu einem Fluorchinolon erwiesen und ist in den USA bereits zugelassen“, so Dalhoff. „In Deutschland sind die Pneumokokken als wichtigste Erreger der CAP allerdings meist empfindlich gegen Betalaktamantibiotika.“

Die Studie sei wegen schwierig zu bewertender Mikrobiologie mit „atypischen“ Erregern wie Mykoplasmen, Legionellen und Chlamydien an erster Stelle, meist serologisch diagnostiziert, und einem geringen Anteil schwerer Pneumonien in ihrer Übertragbarkeit limitiert. Auch bleibe der Befund einer numerisch höheren Letalität im Omadacyclinarm (8 vs. 4 Todesfälle im Chinolonarm) zu kontrollieren. Dalhoff: „Der Stellenwert der Substanz in der Therapie der CAP kann insgesamt noch nicht abschließend beurteilt werden.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Stets R, Popescu M, Gonong JR, et al.: Omadacycline for community-acquired bacterial pneumonia. N Engl J Med 2019; 380: 517–27.

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