ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2019Reizdarmsyndrom: Leicht zu durchschauen
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... Der Vorstandsvorsitzende der Barmer, der „Kollege“ Prof. Dr. med. Christoph Straub, vorverurteilt uns niedergelassene Kolleginnen und Kollegen, indem er ebenso vorschnell wie unzutreffend konfabuliert: „Die Diskrepanz ist somit enorm und ein deutliches Zeichen dafür, dass die Erkrankung nach wie vor ein Tabuthema ist“, erklärte er bei der Vorstellung des diesjährigen Barmer-Arztreportes 2019. Diese Patienten werden oftmals nicht richtig versorgt, beklagt die Kasse. Zum einen dauert es oftmals bis zu acht Jahre, bis ein Patient mit den Symptomen zum Arzt geht. Danach dauere es oft weitere Jahre, bis es zu einer Diagnose kommt, da auch die Anamnese gründlich durchgeführt werden muss.

Die Barmer-Vorwurfshaltung ist leicht zu durchschauen: Das Reizdarmsyndrom (RDS) wird ohne empirischen Beleg zum „Tabuthema“ gemacht. Ein fiktiver, millionenfacher Versorgungsbedarf wird behauptet und daraus eine Unterdiagnostik konstruiert. Die Prokrastination seitens der Patienten wird den Ärzten zur Last gelegt. Werden Patienten mit RDS untersucht, ist dies der Barmer wiederum zu aufwendig. Werden sie gar therapiert, ist das der Barmer wiederum zu teuer und intransparent.

Das Reizdarmsyndrom, kurz RDS, ist ein häufiges, aber relativ unscharf definiertes, gastroenterologisches Krankheitsbild, das durch diffuse abdominelle Beschwerden gekennzeichnet ist. Es wird oft den psychosomatischen Erkrankungen zugeordnet. Die Diagnose „Reizdarmsyndrom“ ist im strengen Sinn eine Ausschlussdiagnose. Sie wird dann gestellt, wenn trotz sorgfältiger Untersuchung des Patienten keine organischen Ursachen für bestehende abdominelle Beschwerden gefunden werden können.

Dr. med. Thomas G. Schätzler, 44135 Dortmund

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