ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/1999„Diese Fahrt widmet Ihnen Shell„

VARIA: Schlusspunkt

„Diese Fahrt widmet Ihnen Shell„

Dtsch Arztebl 1999; 96(51-52): [56]

BE

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LNSLNS "Wir möchten den Versuch unternehmen, durch die Anbringung der Firmenzeichen und Logos namhafter Geschäftspartner auf der Radabdeckung unserer Rollstühle diese Stühle zu finanzieren" - zitiert aus einem Werbeschreiben eines Krankenhauses. Endlich jemand, der neue Wege geht. Endlich einer, der mit frischen Marketing- und Finanzierungsideen in den verstaubten Gesundheitsbetrieb eindringt.
Da muß man sich doch fragen: Warum eigentlich nur Rollstühle sponsern? Warum nicht gleich auch das SaniAuto? So wie bei der Formel 1. Natürlich nicht gerade mit Marlboro oder Hasseröder. Aber die Logos von Schering, Novartis, Braun, Dresdner Bank oder Vereinte Kran­ken­ver­siche­rung - die würden doch passen. Und vielleicht noch mit dem Aufkleber: "Diese Fahrt widmet Ihnen Shell."
Was sollen auch die nüchternen Weiß- und Grünkittel der Mediziner? Auch hier zeigt Michael Schumacher, wie man sich mit "Werbung am Mann" verkauft. Die langweiligen Kittel bieten doch ideal Platz für Stickers von Roche über Novartis bis Medtronic. Dazu die passenden Slogans - etwa den Toyota-Spruch "Nichts ist unmöglich" (für Chirurgen), den Slogan für die Süddeutsche Zeitung "Wer sie liest, sieht mehr" (für Augenärzte), die TUI-Werbung "Schöne Ferien" (für Tropenärzte) oder "hoffentlich Allianz versichert" (für Anästhesisten). Und dann erst die Schwestern im Krankenhaus - auf den Blusen die Logos von Prada, Jill Sander, Boss, Armani. Nationale und internationale Modefirmen könnten sich hier austoben.
Im Gesundheitswesen jedenfalls gibt es ein weites Betätigungsfeld für Industrie und Dienstleister. Die neuen PR- und Sponsorideen werden auch die Funktionäre der Ärztekammern davon überzeugen, daß das überholte Werbeverbot für Ärzte endlich weg muß. Denn weg wäre dann auch das leidige Finanzproblem: keine Diskussionen mehr über Globalbudget, Positivliste und Etatüberschreitung. Und Ge­sund­heits­mi­nis­terin Andrea Fischer könnte ihr TV-Dauerlächeln weiter pflegen.
Aber es ist ja mal wieder nur in den Wind gesprochen. BE
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