ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2019Genetik: Weltweiter Verzicht auf Schaffung von Designerbabys gefordert

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Genetik: Weltweiter Verzicht auf Schaffung von Designerbabys gefordert

Dtsch Arztebl 2019; 116(12): A-554 / B-456 / C-448

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Eingriffe in die menschliche Keimbahn sind mit CRISPR/Cas grundsätzlich möglich. Foto: vchalup/stock.adobe.com
Eingriffe in die menschliche Keimbahn sind mit CRISPR/Cas grundsätzlich möglich. Foto: vchalup/stock.adobe.com

Ein Moratorium für Eingriffe in die menschliche Keimbahn mithilfe von Genscheren hat eine Gruppe von 18 Wissenschaftlern aus sieben Ländern gefordert. In einem in Nature erschienenen Beitrag (doi: 10.1038/ d41586–019–00726–5) schlagen sie eine freiwillige Verpflichtung aller Nationen vor, zunächst auf den klinischen Einsatz von Keimbahninterventionen zu verzichten. Die Anwendung sei erst denkbar, wenn auch die langfristigen Auswirkungen verstanden seien. Zu den Unterzeichnern gehört eine der Erfinderinnen der Genschere CRISPR/Cas, die in Berlin arbeitende Mikrobiologin Emanuelle Charpentier. Auch der frühere Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Münchner Biochemiker Ernst-Ludwig Winnacker, die Münsteraner Medizinerin und Philosophin Professor Bettina Schöne-Seifert und die Greifswalder Mikrobiologin Bärbel Friedrich tragen den Aufruf mit. Nach einem festgelegten Zeitraum – die Rede ist von fünf Jahren – solle jedoch Spielraum für spezifische Anwendungen in einigen Ländern eröffnet werden, heißt es. Voraussetzung seien aber ausreichend Zeit für öffentliche Debatten, eine gerechtfertigte Anwendung und ein gesellschaftlicher Konsens. Das Moratorium soll nach Ansicht der Unterzeichner ausdrücklich nur für die klinische Anwendung der Keimbahntherapie gelten; Forschung und somatische Gentherapien, die nur Individuen betreffen, sollen weiter stattfinden dürfen. Besonders kritisch setzen sich die Wissenschaftler mit Bemühungen um eine genetische Verbesserung der Menschheit durch Eingriffe in die Keimbahn auseinander. Hier gebe es noch weit größere Risiken als bei der Korrektur einzelner Krankheitsgene. Deutsche Wissenschaftler begrüßten den Vorstoß, sehen aber Umsetzungsprobleme. kna

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