PHARMA

Kurz informiert

Dtsch Arztebl 2019; 116(12): A-585

BF; Grunert, Dustin

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Tecfidera® überzeugt auch im Praxisalltag – Medikamente gegen multiple Sklerose (MS) müssen sich nach klinischen Phase-III-Studien immer erst noch in der ärztlichen Versorgungspraxis bewähren. „In unseren Wartezimmern sitzt kein homogenes Patientenkollektiv“, erläuterte Prof. Dr. med. Ralf Gold, Bochum.

Zunehmend häufiger werden deshalb Real-World-Daten erhoben. So auch für Dimethylfumarat (DMF; Tecfidera®, Biogen), das für die Behandlung erwachsener Patienten mit schubförmig remittierender MS angewendet wird: Im Rahmen der klinischen Studie ENDORSE, einer Verlängerung der Zulassungsstudien, war die jährliche Schubrate unter DMF anhaltend niedrig. 97 % der Patienten, die zu Studienbeginn gehfähig waren, blieben es auch weiterhin (EDSS < 4). Ähnlich die Daten der globalen Beobachtungsstudie ESTEEM: Auch unter Praxisbedingungen über 24 Monate wurde die jährliche Schubrate signifikant reduziert. Mittlerweile liegen zu DMF allein in Deutschland mehr als 5 Jahre Praxiserfahrung vor. bf

Anzeige

Quelle: „MS-Therapie: von der Theorie in die Praxis – Was können wir aus Real-World-Daten lernen?“, München, 26.02. 2019; Veranstalter: Biogen

Potenziell tödliche Interaktion zwischen Brivudin und 5-Fluoropyrimidinen – Anlässlich aktueller Fallberichte mit teils tödlichem Ausgang wird an die Wechselwirkung zwischen Brivudin und 5-Fluoropyrimidinen erinnert.

Das Virustatikum Brivudin wird zur Herpes-zoster-Behandlung bei immunkompetenten Erwachsenen eingesetzt. 5-Fluoropyrimidine sind antineoplastisch (z. B. 5-Fluorouracil und dessen Prodrugs Capecitabin und Tegafur) beziehungsweise antimykotisch (Flucytosin) wirksam. Brivudin hemmt das 5-FU-abbauende Enzym Dihydropyrimidindehydrogenase (DPD). Die gleichzeitige Gabe von Brivudin und 5-Fluoropyrimidinen kann zur Akkumulation und verstärkten 5-FU-Toxizität führen.

  • Brivudin darf nicht in Kombination mit 5-FU (einschließlich seiner topischen Zubereitungen), dessen Prodrugs wie Capecitabin oder Tegafur sowie anderen 5-Fluoropyrimidinen wie Flucytosin verabreicht werden.
  • Zwischen der Anwendung von Brivudin und Behandlung mit 5-Fluoropyrimidinen muss ein Abstand von mindestens 4 Wochen eingehalten werden.
  • Bei Patienten, die kürzlich Brivudin erhalten haben, sollte vor Behandlung mit 5-Fluoropyrimidinen die Aktivität der DPD bestimmt werden.

Bei Symptomen einer 5-FU-Toxizität (z. B. verstärkte Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, schwere Schleimhautentzündungen, Ulzerationen und Blutungen im Magen-Darm-Trakt, Knochenmarkdepression) sollte die Behandlung sofort abgebrochen und Maßnahmen zur Verringerung der 5-FU-Toxizität ergriffen werden. Bei versehentlicher gleichzeitiger Gabe von 5-Fluoropyrimidinen und Brivudin müssen beide Arzneimittel sofort abgesetzt und eine Behandlung eingeleitet werden. Eine stationäre Einweisung wird empfohlen.

Das Pyrimidinanalogon Uridintriacetat kann im Notfall als Antidot bei einer 5-FU- oder Capecitabin-Überdosierung beziehungsweise -Toxizität eingesetzt werden. Da es in Europa nicht zugelassen ist, besteht die Möglichkeit des Imports. Alternativ kann Uridin als Rezeptursubstanz vorrätig gehalten und bei Bedarf eine Individualrezeptur hergestellt werden. gru

Quelle: Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) Drug Safety Mail 11–2019

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema