ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2019Medizintourismus: Weniger Patienten aus dem Ausland

ÄRZTESTELLEN: Kurz notiert

Medizintourismus: Weniger Patienten aus dem Ausland

Dtsch Arztebl 2019; 116(12): [4]

Glöser, Sabine

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Foto: robu_s/stock.adobe.com
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Im Jahr 2017 haben sich 247 500 Patienten aus 177 Ländern stationär oder ambulant in Deutschland behandeln lassen. Sie bescherten dem deutschen Gesundheitssystem Einnahmen von 1,2 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr gingen die Patientenzahlen jedoch um zwei Prozent zurück. Zu diesen Ergebnissen ist die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) unlängst gekommen.

Hauptgrund für den leichten Rückgang sei erneut ein Einbruch der medizinischen Behandlungsreisen aus einigen Golfstaaten, insbesondere aus Kuwait (–62 %), Saudi-Arabien (–36 %) und Oman (–28 %). So finde in den einst spendablen arabischen Ländern derzeit ein Umdenken statt. „Es wird nicht mehr alles ungeprüft bezahlt“, sagte Diplom-Kaufmann Jens Juszczak, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der H-BRS. „Die Kostenträger kontrollieren Rechnungen deutscher Ärzte und Kliniken jetzt viel genauer und sanktionieren Verstöße, indem sie weniger Patienten schicken.“ Den betreffenden medizinischen Einrichtungen drohten zudem lange Wartezeiten auf ausstehende Beträge oder gar Rückforderungen zuviel gezahlter Gelder.

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Berlin und Baden-Württemberg haben mit einem Minus von 14 beziehungsweise 9 Prozent die meisten Auslandspatienten verloren. In diesen Bundesländern halbierte sich die Nachfrage aus der Golfregion. Besonders aus Kuwait kamen deutlich weniger Patienten. „Das internationale Geschäft ist eben kein Selbstläufer, wie mancher Klinikchef behauptet“, sagte Juszczak weiter. Speziell ausgebildetes Personal, gute Kontakte in die Zielländer und die regelmäßige Kontrolle aller Aktivitäten im internationalen Geschäft sind aus seiner Sicht wichtige Voraussetzungen, um im Medizintourismus Erfolg zu haben.

Ein Lichtblick zeichnet sich der Hochschule zufolge im russischsprachigen Markt ab. Die meisten Staaten der ehemaligen Sowjetunion entwickeln sich wieder positiv, vor allem Russland, die Ukraine und Kasachstan. Aus der Russischen Föderation kommen demnach inzwischen mehr Patienten als aus allen Golfstaaten zusammen. sg

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