ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2019Deutscher Pflegetag: Pflegekräfte wollen neue Aufgaben

POLITIK

Deutscher Pflegetag: Pflegekräfte wollen neue Aufgaben

Dtsch Arztebl 2019; 116(12): A-564 / B-464 / C-456

Osterloh, Falk

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Während immer mehr Landespflegekammern gegründet werden, werde es in Kürze auch Neuigkeiten zu einer Bundes­pflege­kammer geben, hieß es auf dem Pflegetag. Zudem wurde die Forderung erneuert, dass Pflegekräfte andere Aufgaben übernehmen sollten: in bestimmten Fällen auch die Verordnung von Medikamenten.

DPR-Präsident Franz Wagner appellierte an die Politik, die Potenziale der Pflegekräfte zu erkennen und dafür zu sorgen, dass sie ihre Kompetenzen sinnvoll einbringen können. Foto: Deutscher Pflegetag/Dirk Enters allefarben-foto
DPR-Präsident Franz Wagner appellierte an die Politik, die Potenziale der Pflegekräfte zu erkennen und dafür zu sorgen, dass sie ihre Kompetenzen sinnvoll einbringen können. Foto: Deutscher Pflegetag/Dirk Enters allefarben-foto

Die berufspolitische Emanzipation der Pflege schreitet weiter voran. Zum 6. Deutschen Pflegetag Mitte März in Berlin kamen nach Angaben der Veranstalter 10 000 Teilnehmer – und damit 2 000 mehr als im Vorjahr. Der Präsident des Deutschen Pflegerates (DPR), Franz Wagner, kündigte auf dem Pflegetag an, dass der DPR und die drei bislang bestehenden Landespflegerkammern an der Konstitution einer Bundes­pflege­kammer arbeiteten. „Sie können zeitnah erwarten, dass hier auf Bundesebene etwas passieren wird“, sagte er. Zudem verwies er darauf, dass in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen noch in diesem Jahr Gesetze zur Errichtung von Landespflegerkammern erwartet werden.

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Aufgaben neu verteilen

Zudem forderte Wagner in seiner Grundsatzrede eine neue Verteilung der Aufgaben im Gesundheitswesen. „Man muss die Potenziale der Pflegekräfte erkennen und dafür sorgen, dass sie ihre Kompetenzen sinnvoll einbringen können“, sagte er. Dazu gehöre in bestimmten Fällen auch die Verordnung von Medikamenten. „Wir möchten, dass eine Pflegekraft nicht nur deshalb einen Arzt hinzuziehen muss, weil dessen Unterschrift für die Abrechnung der Leistung mit der Krankenkasse gebraucht wird – obwohl der Arzt den Patienten möglicherweise gar nicht gesehen hat“, sagte Wagner.

Der Bundespolitik attestierte er, dass sie in den vergangenen Jahren vieles in der Pflege auf den Weg gebracht habe. „Wir müssen allerdings erst sehen, ob alle politischen Ideen auch in der Versorgung ankommen“, meinte er. Bislang sei davon noch wenig zu sehen.

Denn trotz der vielen Reformen sei der Reformdruck in der Pflege nach wie vor hoch. Die Folgen des Pflegemangels seien lange Wartelisten in Pflegeheimen und bei ambulanten Pflegediensten. Und in den Krankenhäusern würden ganze Stationen gesperrt und planbare Operationen verschoben. „Das hat Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland und auf den sozialen Frieden“, betonte Wagner.

Verhandlungsposition nutzen

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) rief die Pflegenden auf, selbst noch stärker als bislang für ihre Forderungen einzutreten. „Ihre Interessen vor Ort in den Einrichtungen können nur Sie selbst vertreten, das kann nicht die Politik machen“, meinte er und forderte die Anwesenden auf, ihre derzeit gute Verhandlungsposition besser zu nutzen. „Manchmal meldet sich eine Pflegekraft in einer Veranstaltung zu Wort und erzählt von ihren schlechten Arbeitsbedingungen“, sagte Spahn. „Dabei ist die Stellung von Pflegekräften in Deutschland heute so stark wie vielleicht noch niemals zuvor. Jedes Pflegeheim und jedes Krankenhaus in Deutschland suchen Pflegekräfte. Das umzumünzen, kann Ihnen die Politik aber nicht abnehmen.“

Auch Wagner sagte: „Wir müssen schon selbst in den Spiegel schauen. Wieso ist es zum Beispiel nicht möglich, eine Software zu bekommen, die einen vernünftigen Dienstplan ermöglicht?“

Spahn erklärte, dass er mit einer Bundes­pflege­kammer gut umgehen könne, weil die Politik dann einen Ansprechpartner auf Bundesebene hätte. „Wir sehen aber gerade in Niedersachsen, dass offensichtlich nicht alle Pflegenden eine Landespflegekammer wollen“, so der Minister. Am Ende werde eine Pflegekammer nur dann möglich sein, wenn die Pflegenden sie selbst auch befürworteten. Falk Osterloh

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Avatar #765496
maurerm
am Sonntag, 14. April 2019, 15:52

Pflege sucht neue Aufgaben, Medikamentenverordnung ist nicht die Richtige

Da ich nicht nur Arzt sondern auch Krankenpfleger bin, kann ich gut einschätzen was Pflegende machen sollten und was lieber nicht.
Zu den ehemaligen Aufgaben gehört das selbstständige verordnen von Medikamenten nicht und darf es auch nicht werden. In der Ausbildung, auch heutzutage wie mir Pflegende jüngst berichteten, ist die Arzneimittellehre nicht so elementar, dass hier eine wesentliche Verschreibungskompetenz abgeleitet werden kann. Auch ist dies wohl eher keine Forderung die von der Basis kommen würde.
Es gibt genügend Aufgaben der Krankenpflege die momentan brach liegen, da es an Kollegen mangelt. Wenn hier Abhilfe geschaffen würde kann man sich sicher über ein zu erweiterndes Aufgabengebiet der Pflege unterhalten.
Zunächst sollte jede Berufsgruppe, die der Ärzte und die der Pflege gemeinsam dafür sorgen, dass ausreichend qualifiziertes Personal für die Versorgung der Patienten vorhanden ist. Aus dieser Zusammenarbeit muss eine dauerhafte Verbindung und starker Gegenpart zu Elementen werden, die das Gesundheitssystem noch mehr komplizieren wollen. Nur wenn die Berufsgruppen die sich jeden Tag für Patienten einsetzen zusammenhalten und sich auf ihre ureigensten Aufgaben besinnen, kann an ihnen nicht vorbei entschieden werden.
Tun wir das im Grossen was jeden Tag im Kleinen in Praxen und Kliniken passiert, helfen wir den Patienten und uns für die Zukunft!
Gehen wir Gemeinsam den weiteren Weg des Gesundheitssystems Deutschland!