ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2019Rechtsreport: Abbruch einer Psychotherapie

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Rechtsreport: Abbruch einer Psychotherapie

Dtsch Arztebl 2019; 116(12): A-596 / B-488 / C-480

Berner, Barbara

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Beendet ein Psychotherapeut eine Therapie per E-Mail, hat der Patient mangels eines für die Beendigung des Behandlungsvertrages heranzuziehenden Standards keinen Anspruch auf Schadensersatz. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Sachsen-Anhalt entschieden. Im vorliegenden Fall führte eine Psychotherapeutin bei einer Patientin, die an einer Persönlichkeits- und einer Somatisierungsstörung litt, eine analytische Psychotherapie durch. Eine Patientenvereinbarung regelte unter anderem Fragen der stationären Einweisung und der Beendigung der Therapie. Nach einem Zusammenbruch in der Praxis wies die Psychotherapeutin die Patientin in eine Klinik ein und informierte mit deren Einwilligung den Ehemann. Nachfolgend teilte sie der Patientin per E-Mail mit, dass eine ambulante Therapie aufgrund der Schwere der Erkrankung nicht weitergeführt werden könne. Nach Meinung der Patientin reaktivierte der überraschende Abbruch der Therapie durch eine wichtige Bezugsperson ein Kindheitstrauma und verschlechterte ihren Gesundheitszustand gravierend. Mit der Information ihrer Familie habe die Psychotherapeutin zudem gegen die Schweigepflicht verstoßen. Außerdem sei der methodische Ansatz einer analytischen Psychotherapie unzutreffend gewesen. Die Patientin klagte auf ein Schmerzensgeld in Höhe von 6 000 Euro.

Der Behandlungsvertrag zwischen Psychotherapeutin und Patientin ist dem OLG zufolge ein Dienstvertrag höherer Art. Dieser könne grundsätzlich von beiden Seiten jederzeit auch ohne wichtigen Grund gekündigt werden. Schadensersatzpflichtig sei die Psychotherapeutin nur dann, wenn es sich um eine Kündigung zur Unzeit oder im Notfall handele. Beides sei hier nicht gegeben. Die Patientenvereinbarung regele nur die Beendigung der Therapie durch die Patientin.

Zwar wertete das Gericht die Beendigung der Therapie per E-Mail als „unglücklich“. Ein Behandlungsfehler liege aber nicht vor. Auch nach Ansicht eines Sachverständigen könne die Art des Therapieabbruchs nicht für eine Verschlechterung der Grunderkrankung verantwortlich gemacht werden. Die Klägerin habe auch keinen Anspruch auf eine Geldentschädigung wegen einer Schweigepflichtsverletzung. Selbst wenn keine Entbindung von der Schweigepflicht vorgelegen hätte, wäre die Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts nicht so schwerwiegend, dass sie eine Geldentschädigung erfordern würde.

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OLG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 18. Dezember 2017, Az.: 1 U 87/17

RAin Barbara Berner

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