ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2019Gesundheitspolitik: Eigene Verantwortlichkeit
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In lobenswerter Weise nimmt sich Herr Schmedt der Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen an. Als Hauptverantwortlichen sieht Herr Schmedt „die Politik“ an und fordert ein Arbeitsbedingungsverbesserungsgesetz im Gesundheitswesen.

Hier sei kritisch angemerkt, dass nicht nur die Politik „da oben“ für die Arbeitsbedingungen von Ärzten verantwortlich sind. In der Vergangenheit haben Ärzte in Berufsverbänden und Körperschaften immer wieder an einer Gesetzgebung und Regelungen mitgewirkt, die zu einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen in der Ärzteschaft führten. Als Beispiel sei die Einführung des Arztes im Praktikum 1988 genannt, die über Jahre Ärzte in prekäre Arbeitssituationen brachte. Häufig wurde der Arzt im Praktikum sogar unentgeltlich abgeleistet. Der Arzt im Praktikum wurde von den Standesvertretern initiiert, auch im Deutschen Ärzteblatt auf Seite 1 wurde der Arzt im Praktikum unter dem Titel „AiP-Bonn muss endlich handeln“ vehement eingefordert.

Damals ging es tatsächlich auch um Politik, nämlich um Standespolitik. Medizinstudenten sollten abgeschreckt werden, um der „Ärzteschwemme“ Herr zu werden, wie es freimütig hieß. Hier wollte die ältere Generation eine jüngere Generation eben nicht am Berufsleben teilhaben lassen. Dass dieses Ansinnen gründlich geglückt ist, ist bekannt, mit allen sichtbaren Folgen heute. Es sind immer auch Ärzte, die Arbeitsbedingungen maßgeblich mitgestalten. Ein Fingerzeig auf die „da oben“ mag populär sein, verschleiert aber die eigene Verantwortlichkeit, aber auch die Möglichkeiten, Arbeitsbedingungen zum Besseren zu gestalten. Unsere Klinik war eine der ersten Kliniken in Hessen, die den Arzt im Praktikum abgeschafft hat zugunsten einer vollen Bezahlung. Ebenso haben wir dieses mit dem Psychologen in Ausbildung gehalten.

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Dr. med. Hartmut Imgart, 34537 Bad Wildungen

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