ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2019Prävention: Gestationsdiabetes: Therapie senkt das spätere Diabetesrisiko der Frauen nicht

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Prävention: Gestationsdiabetes: Therapie senkt das spätere Diabetesrisiko der Frauen nicht

Dtsch Arztebl 2019; 116(13): A-642 / B-525 / C-517

Lenzen-Schulte, Martina

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: picture alliance
Foto: picture alliance

Die Therapie eines milden Gestationsdiabetes verhindert nicht, dass die Schwangeren Jahre später einen Typ-2-Diabetes, ein metabolisches Syndrom oder eine Adipositas entwickeln. Dies geht aus einer multizentrischen Follow-up-Kohortenanalyse unter Federführung von Brian M. Casey von der Universitätsfrauenklinik in Dallas/Texas hervor (1).

Der Gestationsdiabetes mellitus (GDM) ist eine in der Schwangerschaft diagnostizierte Glukosetoleranzstörung unterhalb der Schwelle eines manifesten Typ-2-Diabetes. In Deutschland ist im Jahr 2012 im Rahmen der Mutterschafts-Richtlinien ein Screeningangebot für alle Schwangeren eingeführt worden.

Internationale Studien schätzen, dass die GDM-Prävalenz in Europa bei 13 % liegt (13,2 % für Deutschland). Diese Schwangeren haben im Vergleich zu stoffwechselgesunden Kontrollen ein 7-fach höheres Risiko, später einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Unklar ist, ob sich dies mittels Therapie und Überwachung verhindern ließe.

In der aktuellen Studie sind 457 Frauen, bei denen während einer Schwangerschaft ein milder Gestationsdiabetes festgestellt worden war, im Median 7 Jahre danach erneut untersucht worden. Als mild galt ein Nüchternblutzucker von weniger als 95 mg/dL und OGTT-Werte von je 180, 155 sowie 140 mg/dL in der ersten, zweiten oder dritten Stunde nach definierter Gabe im oralen Glukosetoleranztest. 243 der Frauen erhielten eine Ernährungsberatung mit Insulintherapie, falls nötig, die anderen die übliche Schwangerenvorsorge.

Nach 5–10 Jahren hat man die Mütter aus beiden Gruppen erneut untersucht: 10 % hatten einen Typ-2-Diabetes entwickelt. Die Therapie während der Schwangerschaft hat die Wahrscheinlichkeit dafür nicht reduzieren können. Die Rate ist allerdings eher gering. Die Autoren geben an, dass die Wahrscheinlichkeit für Schwangere mit Gestationsdiabetes, 5–16 Jahre später an Typ-2-Diabetes zu erkranken, laut anderer Studien 17–63 % beträgt.

Fazit: Die Forscher betonen, dass die Therapie eines Gestationsdiabetes trotzdem wichtig ist, um ein exzessives Wachstum des Ungeborenen und die mit einem großen Kind verbundenen Geburtskomplikationen zu verhindern. Das kann das Risiko für Schulterdystokien um 60 % und für Präeklampsien um 36 % verringern. Die Hoffnung, dass man so langfristig den Glukosemetabolismus der Mutter stabilisieren könnte, habe sich jedoch nicht erfüllt. Das lag vermutlich auch an der mangelnden Nachsorge. Bei der Mehrzahl der Frauen (76 %) ist der Typ-2-Diabetes erst durch die erneuten Tests im Rahmen des Studien-Follow-ups entdeckt worden und nicht vorher. Dr. med. Martina Lenzen-Schulte

Casey BM, et al.: Effect of Treatment of Mild Gestational Diabetes on Long-Term Maternal Outcomes. Am J Perinatol 13. März 2019 doi: 10.1055/s-0039–1681058.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.