ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2019Sicherheit von inkretinbasierten Therapien bei Typ-2-Diabetes: DPP4-Inhibition könnte mit erhöhtem Cholangiokarzinom-Risiko assoziiert sein

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Sicherheit von inkretinbasierten Therapien bei Typ-2-Diabetes: DPP4-Inhibition könnte mit erhöhtem Cholangiokarzinom-Risiko assoziiert sein

Dtsch Arztebl 2019; 116(13): A-641 / B-524 / C-516

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com
Foto: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com

Inkretinbasierte Medikamente (DPP-4-Inhibitoren, GLP-1-Rezeptor-Agonisten) können bei Typ-2-Diabetes als Zweit- oder Drittliniensubstanzen angewendet werden, zum Teil auch bei Unverträglichkeiten von Erstlinienmedikamenten oder Kontraindikationen. Da die Substanzen über GLP-1-Rezeptoren auf Cholangiozyten oder eine Hemmung des endogenen Abbaus von GLP-1 (DPP-4-Inhibitoren) wirken, ist die Frage untersucht worden, ob sie mit einem erhöhten Risiko für Cholangiokarzinome (CCA) assoziiert sein könnten (1).

CCA sind Neoplasien der Gallengänge, in Deutschland wird für 2018 mit circa 3400 Neuerkrankungen gerechnet. Die Prognose ist mit durchschnittlichen 5-JahresÜberlebensraten von 18–21 % im Allgemeinen eher ungünstig (2).

Die untersuchte Kohorte bestand aus 154 162 erwachsenen Typ-2-Diabetikern, denen zwischen Januar 1988 und März 2017 in britischen Praxen neu Antidiabetika verordnet wurden. Eine Subkohorte davon hatte ab 2007 oder später eine inkretinbasierte Therapie erhalten: 12 416 Patienten bekamen DPP-4-Hemmer und 2865 GLP-1-Agonisten. Das mediane Follow-up der Gesamtkohorte betrug 4,6 Jahre und maximal 11,2 Jahre, für die Gruppe mit inkretinbasierter Therapie war das Follow-up median 1,9 und maximal 10,1 Jahre.

Während der insgesamt 614 274 Personenjahre traten 105 CCA auf (Inzidenzrate: 17,1/100000 Personenjahre). Das Risiko für diese Karzinome war bei Anwendung von DPP-4-Hemmern um 77 % erhöht (adjustierte Hazard Ratio [aHR]: 1,77; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [1,04; 3,11]). Bei GLP-1-Rezeptor-Agonisten betrug die aHR für ein Cholangiokarzinom 1,97, das 95-%-KI war allerdings deutlich weiter ([0,83; 4,66]).

Fazit: Verglichen mit anderen Zweit- oder Drittlinien-Antidiabetika könnte die Therapie mit DPP-4-Inhibitoren und möglicherweise auch die mit GLP-1-Rezeptor-Agonisten mit einem erhöhten Risiko für Cholangiokarzinome assoziiert sein, so die Autoren. Das absolute Risiko sei aber gering.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Abrahami D, Douros A, et al.: Incretin based drugs and risk of cholangiocarcinoma among patients with type 2 diabetes: population based cohort study. BMJ 2018; 363: k4880.
  2. Krebs in Deutschland, 11. Ausgabe. Robert Koch-Institut Berlin 2017.

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