ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2019Fortbildungen: Keine Punkte bei Sponsoring

THEMEN DER ZEIT

Fortbildungen: Keine Punkte bei Sponsoring

Dtsch Arztebl 2019; 116(13): A-620 / B-508 / C-500

Lempert, Thomas; Schott, Gisela; Köbberling, Johannes; Klemperer, David; Lieb, Klaus

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Die Vergabe von CME-Punkten für gesponserte Fortbildungen soll geringer ausfallen als die freier berufsbegleitender Fortbildung, fordern die Autoren dieses Beitrags.

Eine Voraussetzung für die Vergabe von Fortbildungspunkten: Inhalte ärztlicher Fortbildungen sollten frei von wirtschaftlichen Interessen sein. Foto: kasto/stock.adobe.com
Eine Voraussetzung für die Vergabe von Fortbildungspunkten: Inhalte ärztlicher Fortbildungen sollten frei von wirtschaftlichen Interessen sein. Foto: kasto/stock.adobe.com

Die kontinuierliche, berufsbegleitende Fortbildung (Continuing Medical Education, CME) gehört zum ärztlichen Selbstverständnis und zu den ärztlichen Berufspflichten (1, 2). Ziel der Fortbildung ist laut den Empfehlungen der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) zur ärztlichen Fortbildung eine „Verbesserung der Behandlungsqualität und somit die Gewährleistung einer hohen Versorgungssicherheit für die Patienten“ (2). Ärztinnen und Ärzte weisen die Erfüllung der Fortbildungspflicht durch ein Zertifikat nach, das von der zuständigen Lan­des­ärz­te­kam­mer (LÄK) bei Nachweis der erforderlichen Punktezahl ausgestellt wird. Fortbildungsangebote werden von den LÄK zertifiziert und mit Punkten bewertet. Eine der Voraussetzungen für die Vergabe von Fortbildungspunkten ist, dass die Inhalte der Fortbildung frei von wirtschaftlichen Interessen sind. Dies verlangt sowohl das Sozialgesetzbuch als auch die Musterfortbildungsordnung der Bundes­ärzte­kammer (3, 4).

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Im Jahr 2017 zahlten allein die 55 Mitgliedsunternehmen des Vereins „Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e. V.“ (FSA), die nach eigenen Angaben 75 Prozent des deutschen Arzneimittelmarktes abdecken, circa 105 Millionen Euro für Fortbildungen und Vortragshonorare (5). Eine Auswertung aus Österreich zeigt, dass sich der Anteil gesponserter Fortbildungen bei den Fachdisziplinen sehr stark unterscheidet: Besonders hoch ist er in der Rheumatologie, der Endokrinologie, der Hämatologie und internistischen Onkologie. In diesen Fächern werden zahlreiche hochpreisige oder besonders viele Arzneimittel verordnet (6).

Produktvermarktung vermeiden

Ziel von Sponsoring ist es, Bekanntheitsgrad und Marktanteile von Produkten zu steigern (7). Gesponserte Fortbildungsveranstaltungen stellen für pharmazeutische Unternehmer nach eigener Aussage eine wichtige Maßnahme zur Umsatzsteigerung dar (8). Im Gegensatz zum Mäzenatentum oder zum Spendenwesen, bei denen Leistungen ohne Gegenleistung fließen, gehören beim Sponsoring Leistung und Gegenleistung zum Prinzip. Nach den Empfehlungen der BÄK bestehen Gegenleistungen im Rahmen von Sponsoring darin, dass bei Präsenzveranstaltungen die Möglichkeit für eine Industrieausstellung oder zur Aufstellung eines Informationsstandes eingeräumt und Informationsmaterial verteilt wird (2).

Um zu gewährleisten, dass die Fortbildungsinhalte frei von wirtschaftlichen Interessen sind, werden von der BÄK verschiedene Maßnahmen empfohlen: Beispielsweise darf ein Sponsor weder direkt noch indirekt die fachliche Programmgestaltung, die Referentenauswahl oder die Fortbildungsinhalte beeinflussen. Mitarbeiter des Sponsors dürfen grundsätzlich nicht als Referenten, Kursleiter oder Autoren bei einer Fortbildungsmaßnahme mitwirken. Produktbezogene Informationsveranstaltungen von Unternehmern der pharmazeutischen Industrie oder von Medizinprodukteherstellern sind nicht frei von wirtschaftlichen Interessen und daher nicht anerkennungsfähig.

Die Überwachung dieser Anforderungen liegt bei den LÄK im Rahmen der Zertifizierung von Fortbildungsangeboten. Sie fordern üblicherweise eine Selbstauskunft von denjenigen, die eine Fortbildungsveranstaltung beantragen (9). Angesichts der hohen Anzahl von Fortbildungsveranstaltungen ist eine flächendeckende Prüfung der Veranstaltungen durch die LÄK organisatorisch nicht möglich.

Autonomie fördern

Trotz der genannten Vorkehrungen der Ärztekammern besteht bei jedem Sponsoring durch Unternehmer der pharmazeutischen Industrie oder von Medizinprodukteherstellern das erhöhte Risiko der verzerrten Informationsvermittlung aus folgenden Gründen:

  • Sponsoren lenken die Fortbildungsagenda, da es ohne einen inhaltlichen Bezug der Veranstaltung zum Produkt wenig Grund zum Sponsoring gebe. Damit werden die Fortbildungsthemen von kommerziellen Erwägungen beeinflusst und nicht vom Versorgungsbedarf. Beispielsweise gab es in den letzten Jahren zahlreiche Fortbildungen zu den von der Industrie beworbenen direkten Antikoagulanzien, aber nur wenige zum verbesserten Gerinnungsmanagement mit Vitamin-K-Antagonisten. Auch werden bestimmte Krankheitsbilder bevorzugt behandelt, zu deren Therapie es neue Arzneimittel gibt – unabhängig von ihrer aktuellen und oft noch ungesicherten Bedeutung für die Versorgung. Es fehlen Fortbildungen zu Themen, die sich an einem objektiven Bedarf orientieren und häufig nichtmedikamentöser Natur sind, ebenso wie Fortbildungen, die Fehl- und Überversorgung thematisieren.
  • Anders als von den Ärztekammern intendiert, erhalten die Firmen nicht nur eine Stellfläche im Foyer als Gegenleistung für ihr Sponsoring. Vielmehr bekommen sie Möglichkeiten der inhaltlichen Einflussnahme. So werden als Redner oft ärztliche Meinungsführer eingesetzt, die langjährige Beziehungen zum Sponsor unterhalten und von dessen Produkt überzeugt sind. Auch ein zunächst unabhängiger Redner hat kaum die wissenschaftlich gebotene Freiheit, Produkte des Sponsors skeptisch zu bewerten, ohne das Sponsoring zukünftiger Veranstaltungen aufs Spiel zu setzen.
  • Industriegesponserte Fortbildungen beeinflussen das ärztliche Verordnungsverhalten oft in unangemessener Weise, wie sowohl für Präsenzveranstaltungen als auch für Online-Kurse nachgewiesen wurde (10, 11, 12). Gleichzeitig neigen Ärzte dazu, die eigene Beeinflussbarkeit durch die Marketingaktivitäten der Industrie zu unterschätzen (13, 14).

Durch die systematische, einseitige Verzerrung von Informationen über Therapieoptionen zugunsten der Produkte und Indikationsbereiche eines Unternehmens ist der fachliche Fortbildungswert einer gesponserten Veranstaltung nach den Kriterien evidenzbasierter Fortbildung (15) als geringer einzuschätzen als der einer nicht-gesponserten, ärztlich und wissenschaftlich unabhängigen Veranstaltung, die unter Berücksichtigung des gesamten Spektrums der therapeutischen Möglichkeiten die Behandlung von Erkrankungen diskutiert.

Darüber hinaus behindert das Sponsoring die Entwicklung von unabhängigen Fortbildungsangeboten. Gesponserte Veranstaltungen bieten im Gegensatz zu den nicht-gesponserten Fortbildungen oft freien Eintritt, Reisekosten, Unterkunft und Verpflegung. Durch diesen „Freibiereffekt“ werden sie bevorzugt besucht. Die Entlastung von organisatorischen Aufgaben ist ein weiteres Argument, das viele Veranstalter für das Sponsoring einnimmt. Das führt dazu, dass der Startvorteil für gesponserte Veranstaltungen gegenüber der unabhängigen ärztlichen Fortbildung gefestigt wird und sich kein Angebot von interessefreien Fortbildungen entwickelt. Es ist jedoch Aufgabe der Ärztekammern, die professionelle Autonomie und die Freiheit der Fortbildung von wirtschaftlichen Interessen aktiv zu fördern.

Es wäre daher sinnvoll, so bald wie möglich keine Fortbildungspunkte mehr für gesponserte Veranstaltungen zu vergeben. In einem ersten Schritt sollten gesponserte Fortbildungen 50 Prozent weniger Punkte erhalten. Als Sponsoring wird dabei eine finanzielle Förderung durch kommerziell interessierte Parteien definiert, sodass eine Finanzierung beispielsweise durch Fachgesellschaften, gemeinnützige Organisationen oder öffentliche Geldgeber weiter möglich bleibt. Kommerzielle Fortbildungsagenturen, deren Geschäftsmodell auf dem Sponsoring durch pharmazeutische Unternehmer oder Hersteller von Medizinprodukten basiert, sollten schon jetzt keine CME-Punkte mehr erhalten, ebenso wie Online-Fortbildungen von Unternehmen, die regelhaft auf ein produktorientiertes Marketing hinauslaufen.

Qualität verbessern

Neben dem Sponsoring können auch persönliche Interessenkonflikte der Referenten die Fortbildungsinhalte verzerren, beispielsweise Beraterverträge mit pharmazeutischen Unternehmern oder bezahlte Vortragstätigkeiten. Ein weiteres Risiko sind unausgewogene Darstellungen durch Datenselektion oder unzureichende Methodenkompetenz des Referenten. In einem zweiten Schritt wäre daher eine weitere Differenzierung der CME-Zertifizierung möglich: So könnten Veranstaltungen, die nach den Regeln der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) für ärztliche Fortbildungen nur Industrieunabhängige Referenten einsetzen und inhaltliche Kriterien der evidenzbasierten Fortbildung erfüllen, einen zusätzlichen Fortbildungspunkt bekommen (15, 16).

Eine in dieser Art gestaltete differenzierte Vergabe von CME-Punkten könnte zu einer verbesserten Qualität von Fortbildungen führen und gleichzeitig Initiativen aus der Ärzteschaft wirkungsvoll bei ihrem Ziel unterstützen, unabhängige Fortbildungen zu Arzneimitteln und Medizinprodukten als Alternative zu gesponserten Veranstaltungen anzubieten.

Prof. Dr. med. Thomas Lempert,
Dr. med. Gisela Schott, Prof. Dr. med. Johannes Köbberling, Prof. Dr. med. David Klemperer, Prof. Dr. med. Klaus Lieb

Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit1319
oder über QR-Code.

aerzteblatt.de

Interessenkonflikte

Eine Stellungnahme der AkdÄ zu Vor- und Nachteilen verpflichtender Transparenz von Interessenkonflikten

►http://www.aerzteblatt.de/19390

1.
Bundes­ärzte­kammer (Hrsg.): (Muster-)Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte – MBO-Ä 1997 – in der Fassung der Beschlüsse des 121. Deutschen Ärztetages 2018 in Erfurt. www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/MBO/MBO-AE.pdf (last accessed on 9 August 2018).
2.
Bundes­ärzte­kammer [Hrsg.): Empfehlungen zur ärztlichen Fortbildung. Texte und Materialien der Bundes­ärzte­kammer zur Fortbildung und Weiterbildung. 4. Auflage 2015. www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/Fortbildung/EmpfFortb_20150424.pdf (last accessed on 9 August 2018).
3.
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) – Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung – (Artikel 1 des Gesetzes v. 20. Dezember 1988, BGBl. I S. 2477) § 95 d Pflicht zur fachlichen Fortbildung. www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__95d.html (last accessed on 9 August 2018).
4.
Bundes­ärzte­kammer (Hrsg.): (Muster-)Fortbildungsordnung 2013 in der Fassung vom 29. Mai 2013. www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/_Muster-_Fortbildungsordnung_29052013.pdf (last accessed on 9 August 2018).
5.
Verband Forschender Arzneimittelhersteller e. V. (VFA): Transparenzkodex setzt Standard. Gemeinsame Pressemitteilung vom 21. Juni 2018.
6.
Wild C, Küllinger R, Hintringer K: Sponsoring österreichischer Ärztefortbildung. Systematische Analyse der DFP-Fortbildungsdatenbank. Rapid Assessment 07a; 2015. Wien: Ludwig Boltzmann Institut.
7.
Gabler Wirtschaftslexikon: Ziele des Sponsoring: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/sponsoring-42864#head4 (last accessed on 9 August 2018).
8.
Schwetzel J: Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte: Marketinginstrument für Pharmaunternehmen. Hamburg: Diplomica Verlag 2010.
9.
Schneider N, Egidi G, Jonitz G: Pharmaindustrieunabhängige Aus-, Weiter- und Fortbildung. In: Lieb K, Klemperer D, Kölbel R, Ludwig W-D (Hrsg.): Interessenkonflikte, Korruption und Compliance im Gesundheitswesen. Lieb K, Klemperer D, Kölbel R, Ludwig W-D (Hrsg.). Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2018; 229–236.
10.
Brax H, Fadlallah R, Al-Khaled L et al.: Association between physicians’ interaction with pharmaceutical companies and their clinical practices: A systematic review and meta-analysis. PLoS One 2017; 12: e0175496 CrossRef MEDLINE PubMed Central
11.
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12.
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1.Bundes­ärzte­kammer (Hrsg.): (Muster-)Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte – MBO-Ä 1997 – in der Fassung der Beschlüsse des 121. Deutschen Ärztetages 2018 in Erfurt. www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/MBO/MBO-AE.pdf (last accessed on 9 August 2018).
2.Bundes­ärzte­kammer [Hrsg.): Empfehlungen zur ärztlichen Fortbildung. Texte und Materialien der Bundes­ärzte­kammer zur Fortbildung und Weiterbildung. 4. Auflage 2015. www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/Fortbildung/EmpfFortb_20150424.pdf (last accessed on 9 August 2018).
3.Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) – Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung – (Artikel 1 des Gesetzes v. 20. Dezember 1988, BGBl. I S. 2477) § 95 d Pflicht zur fachlichen Fortbildung. www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__95d.html (last accessed on 9 August 2018).
4.Bundes­ärzte­kammer (Hrsg.): (Muster-)Fortbildungsordnung 2013 in der Fassung vom 29. Mai 2013. www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/_Muster-_Fortbildungsordnung_29052013.pdf (last accessed on 9 August 2018).
5.Verband Forschender Arzneimittelhersteller e. V. (VFA): Transparenzkodex setzt Standard. Gemeinsame Pressemitteilung vom 21. Juni 2018.
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7.Gabler Wirtschaftslexikon: Ziele des Sponsoring: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/sponsoring-42864#head4 (last accessed on 9 August 2018).
8.Schwetzel J: Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte: Marketinginstrument für Pharmaunternehmen. Hamburg: Diplomica Verlag 2010.
9.Schneider N, Egidi G, Jonitz G: Pharmaindustrieunabhängige Aus-, Weiter- und Fortbildung. In: Lieb K, Klemperer D, Kölbel R, Ludwig W-D (Hrsg.): Interessenkonflikte, Korruption und Compliance im Gesundheitswesen. Lieb K, Klemperer D, Kölbel R, Ludwig W-D (Hrsg.). Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2018; 229–236.
10.Brax H, Fadlallah R, Al-Khaled L et al.: Association between physicians’ interaction with pharmaceutical companies and their clinical practices: A systematic review and meta-analysis. PLoS One 2017; 12: e0175496 CrossRef MEDLINE PubMed Central
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12.Lieb K, Brandtönies S: Eine Befragung niedergelassener Fachärzte zum Umgang mit Pharmavertretern. Dtsch Ärztbl 2010; 107: 392–8.
13.Lieb K, Scheurich A: Contact between doctors and the pharmaceutical industry, their perceptions, and the effects on prescribing habits. PLoS One 2014; 9: e110130 CrossRef MEDLINE PubMed Central
14.Rutledge P, Crookes D, McKinstry B, Maxwell SR: Do doctors rely on pharmaceutical industry funding to attend conferences and do they perceive that this creates a bias in their drug selection? Results from a questionnaire survey. Pharmacoepidemiol Drug Saf 2003; 12: 663–7 CrossRef MEDLINE
15.Lo B und Ott C: What is the enemy in CME, conflicts of interest or bias? JAMA 2013, 310: 1019–20 CrossRef MEDLINE
16.Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, Fachausschuss für Transparenz und Unabhängigkeit: Regeln für unabhängige ärztliche AkdÄ-Fortbildungsveranstaltungen. Stand: Oktober 2015. www.akdae.de/Fortbildung/Regeln.pdf (last accessed on 9 August 2018).

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Avatar #26589
nordman
am Dienstag, 9. April 2019, 21:26

Interessenskonflikte gibt es überall

In Ihrer Stellungnahme zur Vergabe von CME Punkten für gesponorte Fortbildungen fordern die Autoren zukünftig keine Fortbildungspunkte mehr für gesponsorte Fortbildungsveranstaltungen zu vergeben. Sie argumentieren dabei mit der Einflussnahme auf den Inhalt der Fortbildung durch die Sponsoren und das damit verbundene Risiko der Verzerrung von Informationen und einseitigen Informationsvermittlung.
Sicherlich sind viele der vorgetragenen Bedenken und Argumente berechtigt, meines Erachtens liegen diese Probleme aber grundsätzlich in der „Natur der Sache“ und treffen letzlich für viele andere Konstellation in gleicher Weise zu. Wie verhält es sich mit der Unabhängigkeit der Referenten z.B. aus einem überregionalen Herzzentrum wenn sie (unabhängig von Industriesponsoring) über neue Therapieverfahren an ihrer Klinik referieren? Ist ein niedergelassener Facharzt für Kardiologie unabhängig von Interessen, wenn er die Vorteile der Spiroergometrie in der kardiologischen Leisungsbeurteilung erläutert und er selbst vielleicht der einzige Facharzt in der Region mit diesem Angebot ist? Internationale Leitlinien werden zunehmend kritisiert, weil die beteiligten Autoren mit der Industrie in Verbindung gebracht werden und ihnen damit fast schon automatisch unterstellt wird die vorhandenen Daten einseitig zugunsten des Sponsors "umzuinterpretieren". Demgegenüber stehen oftmals konträre Empfehlungen von vermeintlich industrieunabhängigen Vertretern, die über viele Jahre noch vermeintlich kostengünstigere Therapien mit „bewährten“ Präparaten verteidigen, deren Zulassung vor Jahrzehnten ohne jegliche randomisierte Studie erfolgt ist, welche den heutigen Anforderungen in keiner Weise mehr genügen würden. Auch hier werden Interessen verteidigt (manchmal die Interessen der Kostenträger) und auch hier sind nicht alle Meinungen "objektiv".
Ja, es gibt immer einen „Bias“ - überall im Leben und in allen Bereichen. Persönlich habe ich jedoch auch sehr positive Erfahrungen mit der Industrie gemacht, die letztlich zu einem erheblichen Vorteil für die Patienten geführt hat. Seit meinem zweiten Assistenzarztjahr hatte ich das Glück die Entwicklung der kardialen Resynchronisationstherapie für ausgewählte Patienten mit Herzinsuffizienz von Beginn an aktiv mitverfolgen zu können. Von Beginn an, war dies ein Projekt der Schrittmacherfirmen und wäre ohne eine Gewinnerwartung dieser Firmen nie etabliert worden. Auch hier gab es in den ersten Jahren eine erhebliche Skepsis gegenüber der beteiligten Industrie und gegenüber den beteiligten Wissenschaftlern, interessanterweise insbesondere auch aus dem Lager der „pharmazeutisch“ geprägten Kollegen. Wir haben an industriegesponsorten Studien teilgenommen, sind auf Kosten der Industrie zu Kongressen gefahren um unsere Ergebnisse zu präsentieren und ich habe auch zahlreiche honorierte Vorträge zu dem Thema „CRT“ gehalten. Viele davon bei Trainingsworkshops direkt bei den Medizintechnikfirmen. Ja, auch hier gab es eine Zeit, in welcher versucht wurde die Indikation unangemessen auszuweiten, sicherlich auch um die Umsätze zu steigern. Die wissenschaftliche Seite hat diesen Bestrebungen jedoch erfolgreich widerstanden und die Indikationsstellung wieder auf ein vernünftiges und wissenschaftlich gut belegtes Maß reduziert.
Ohne die starke finanzielle Unterstützung der Industrie wären wir sicher nicht so weit und unseren Patienten wäre eine (im geeigneten Idealfall) extrem effektive Therapie vorenthalten worden. Ich persönlich durfte mit zahlreichen Vorträgen zur kardiologischen Bildgebung dazu beitragen, dass zahlreiche Kardiologen darin geschult wurden die geeigneten Patienten überhaupt erst zu identifizieren und nach der Implantation die Therapie zu steuern und zu kontrollieren. Es wäre sehr schade und nach meinem persönlichen Empfinden unangemessen gewesen, wenn es für meine Vorträge keine Fortbildungspunkte gegeben hätte - wer hätte diese Information sonst weitergegeben? Vermutlich niemand!