ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2019Adipositas bei Typ-2-Diabetikern: Bariatrische Chirurgie vermindert Infarktrate und Sterblichkeit rasch und anhaltend

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Adipositas bei Typ-2-Diabetikern: Bariatrische Chirurgie vermindert Infarktrate und Sterblichkeit rasch und anhaltend

Dtsch Arztebl 2019; 116(13): A-641 / B-524 / C-516

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Science Photo Library/Pixologicstudio
Foto: Science Photo Library/Pixologicstudio

Adipositas wird in westlichen und sogenannten Schwellenländern immer häufiger. Für Deutschland wird der Anteil der adipösen Bevölkerung (Body-Mass-Index [BMI] ≥ 30 kg/m2) auf 23,3 % bei Männern und auf 23,9 % bei Frauen geschätzt und für Adipositas Grad 3 (BMI ≥ 40 kg/m2) auf 2,8 % bei Frauen und 1,2 % bei Männern (zit. n. [1]). Adipositas Grad 3 ist mit einen hohem Risiko für kardiovaskuläre und metabolische Erkrankungen assoziiert.

In einer großen, retrospektiven gematchten Kohortenstudie aus den USA ist untersucht worden, ob die bariatrische Behandlung von Typ-2-Diabetikern mit Adipositas (BMI ≥ 35 kg/m2; durchschnittlich: 44,7 kg/m2) die Inzidenz makrovaskulärer Ereignisse und die Gesamtmortalität beeinflusst (2). Die Ereignisse waren kardiovaskuläre Manifestationen wie Herzinfarkt, instabile Angina pectoris, Indikation für Koronarstents oder koronar-arterielle Bypässe und zerebrovaskuläre Ereignisse wie ischämischer oder hämorrhagischer Schlaganfall. Von 20 235, durchschnittlich 50 Jahre alten Teilnehmern lagen komplette Daten vor: von 5 301 Patienten, die bariatrisch operiert worden waren mit einem Roux-en-Y-Bypass, dem Anlegen eines Schlauchmagens oder eines Magenbands, und von 14 934 nicht operierten gematchten Vergleichspersonen (Matching im Verhältnis 1:3).

Die Risiken für ein makrovaskuläres Ereignis und für die Gesamtsterblichkeit waren bei bariatrisch Operierten ab dem 1. Jahr der Nachbeobachtung im Vergleich zur nicht operierten Kohorte geringer. Die Hazard Ratios (HRs) der Operierten für makrovaskuläre Ereignisse lagen bei 0,47 nach 1 Jahr, bei 0,52 nach 3 Jahren, bei 0,60 nach 5 und bei 0,58 nach 7 Jahren. Für die Gesamtsterblichkeit betrugen die HRs 0,38 nach 1 Jahr, 0,23 nach 3 Jahren, 0,33 nach 5 und 0,34 nach 7 Jahren (operierte vs. nicht operierte Teilnehmer; p jeweils < 0,001).

Fazit: In einer großen, gematchten Kohortenstudie mit stark adipösen Typ-2-Diabetikern war die bariatrische Therapie nach 12 bis 84 Monaten (median: 56,4 Monate) mit einem deutlich reduzierten Risiko für makrovaskuläre Ereignisse und die Gesamtsterblichkeit assoziiert.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. S3-Leitlinie Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen. Stand: Februar 2018.
  2. Fisher DP, Johnson E, Haneuse S, et al.: Association between bariatric surgery and macrovascular disease outcomes in patients with type 2 diabetes and severe obesity. JAMA 2018; 320: 1570–82.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.