ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2019Infraschall: Ängste schüren
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Wir wissen, dass auf dem Strommarkt ein starker Verteilungs- und Verdrängungskampf stattfindet. ...Von den Gegnern der Windkraftanlagen (Kohleindustrie, Atomlobby u. a.) wurde nach Alleinstellungsmerkmalen der Windkraftanlagen gesucht und es wurden einige gefunden, die in der Lage sind, Bedenken hervorzurufen. Diese Ängste werden auch in dem Artikel des Ärzteblattes bedient. Damit wird die Möglichkeit einer differenzierten Aufklärung zugunsten einer undifferenzierten Darstellung verschenkt.

Im Hauptartikel wird der Infraschall als etwas Besonderes und Anderes, vom normalen Schall abzugrenzendes aufgeführt. Er wird abgetrennt und es wird gesagt, dass er eine gänzlich andere Qualität als andere Schallemissionen hätte. Zwar wird erwähnt, dass die Wirkung auf das Herz abhängig sei von der Schalldruckamplitude, nicht aber erwähnt wird, ob der gewählte Schalldruck in der Natur oder bei den Emissionen von Windkraftanlagen vorkommt und wenn, bis zu welchen Abständen. Auch wird in dem Artikel erwähnt, dass Infraschall an vielen Orten vorkomme; es wird dann aber so getan, als wenn Windkraftanlagen die einzigen relevanten Quellen sind. ...

Es liegen natürlich, anders als im Artikel erwähnt, umfangreiche Untersuchungen zu Schallemissionen und -imissionen vor
(z. B. von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg Ergebnisse des Messprojekts 2013–2015, „Tieffrequente Geräusche inkl. Infraschall von Windkraftanlagen und anderen Quellen“), die die Schallwirkung von Windkraftanlagen im Verhältnis zu natürlichen und anthropogenen Quellen bewerten. So werden auch Lärmquellen wie Autobahnen und Straßenverkehr in
Innenstädten herangezogen. Dort ergeben sich ähnliche Schallpegel bei vergleichbaren Frequenzen. Am höchsten ist die Infraschallbelastung in einem mit 130 km/h fahrenden Pkw.

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... So, wie wir uns für die Reduzierung von Verkehrslärm durch den Auto- und Bahnverkehr einsetzen, müssen wir auch den Lärm durch Windkraftanlagen berücksichtigen. Eine Katastrophisierung ist aber bei diesen Anlagen nicht sinnvoll und sie sollten nicht anders behandelt werden als andere Lärmquellen. Gerade dies aber tut der Artikel im Ärzteblatt. Infraschall ist Teil des Lärmspektrums und als solcher zu behandeln und nicht als etwas Geheimnisvolles, was zur unbekannten Bedrohung wird, die wir nicht überschauen und mit der wir nicht umgehen können.

Christoph Hartmann, 49477 Ibbenbüren

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