ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2019Gesundheitskompetenz: Mehr Zeit für Kommunikation

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Gesundheitskompetenz: Mehr Zeit für Kommunikation

Dtsch Arztebl 2019; 116(13): A-618 / B-507 / C-499

Krüger-Brand, Heike E.

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Wie lässt sich die Gesundheitskompetenz der Menschen verbessern und welche Rolle können dabei die Gesundheitsberufe spielen?

Gesundheitskompetenz ist mehr als das theoretische Wissen darüber, wie eine gesunde Lebensführung aussieht. Sie versetzt Menschen in die Lage, Gesundheitsinformationen zu sammeln, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden“, betonte Dr. med. Max Kaplan, Vizepräsident der Bundes­ärzte­kammer und Vorsitzender der Fachberufekonferenz, bei der Jahrestagung der Fachberufe im Gesundheitswesen am 13. März in Berlin.

In der Praxis gibt es hier erhebliche Defizite. Andreas Westerfellhaus, Staatssekretär und Beauftragter der Bundesregierung für Pflege, verwies auf Untersuchungen, wonach mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland (54 Prozent) über eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz verfügt. „Insbesondere ältere Menschen, Menschen mit chronischen Erkrankungen, mit geringem Bildungsstatus oder mit Migrationshintergrund haben Schwierigkeiten, gesundheitsbezogene Informationen zu finden, zu bewerten und die richtigen Entscheidungen etwa für eine gesunde Lebensweise oder Krankheitsbewältigung zu treffen“, sagte er.

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Gesundheitswissen verbessern

Vor diesem Hintergrund habe das Bundesministerium für Gesundheit zusammen mit den Spitzenorganisationen des Gesundheitswesens im Jahr 2017 die Allianz für Gesundheitskompetenz gegründet. Alle Partner hätten sich dazu verpflichtet, in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich „Maßnahmen zur Verbesserung des Gesundheitswissens“ zu entwickeln und umzusetzen. Die drei wichtigsten Handlungsfelder sind demnach die Verbesserung der Gesundheitsbildung, gute Gesundheitsinformation und Entscheidungshilfen, vor allem im Internet, sowie mehr Verständlichkeit in der Kommunikation mit Patienten. Letzteres müsse in der Aus- und in der Weiterbildung von Ärzten und Pflegenden sowie der Gesundheitsfachberufe insgesamt eine viel stärkere Rolle spielen, forderte Westerfellhaus.

Prof. Dr. phil. Doris Schaeffer, Gesundheitswissenschaftlerin an der Universität Bielefeld, ging auf den vor rund einem Jahr gestarteten Nationalen Aktionsplan Gesundheitskompetenz ein. Er enthält 15 konkrete Empfehlungen in vier Handlungsfeldern, um die Gesundheitskompetenz gezielt zu fördern. Im Handlungsfeld „nutzerfreundliche Gestaltung des Gesundheitssystems“ laute eine der Empfehlungen beispielsweise, die Kommunikation zwischen den Gesundheitsprofessionen und Nutzern verständlich und wirksam zu gestalten. Der Prozess der Aneignung von Gesundheitsinformationen müsse begleitet werden, erläuterte Schaeffer. Das sei eine wichtige und unterschätzte Aufgabe für alle Gesundheitsberufe. Für die Umsetzung des Aktionsplans sei zudem die Kooperation aller Gesundheitsberufe erforderlich.

Gertrud Stöcker vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe verwies auf das neue Pflegeberufegesetz und die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung von 2018. Zu den enthaltenen Kompetenzbereichen der Verordnung zählen unter anderem die Kommunikation als „Kern pflegerischen Handelns“ und die Zusammenarbeit („Interprofessionalität“). Die Kompetenzen, die ab dem 1. Januar 2020 gelten sollen, „sind aus der Pflege für die Pflege entwickelt worden“, betonte Stöcker. Auch gebe es inzwischen das „Nationale Mustercurriculum Kommunikative Kompetenz in der Pflege“. Ihr Fazit: „Kommunikation und Zusammenarbeit sind die beste Grundlage, um im Sinne der Gesundheitskompetenz von zu pflegenden Menschen die Ausbildung zu absolvieren.“

Verständnis für die anderen

Auch bei der Ausbildung der Medizinischen Fachangestellten spielt die Gesundheitskompetenz inzwischen eine wichtige Rolle, so etwa laut Ausbildungsrahmenplan bei der Patientenbetreuung und -beratung und bei den Grundlagen der Prävention und Rehabilitation, um etwa Patienten zu einer gesunden Lebensweise zu motivieren. „Die interprofessionelle Zusammenarbeit und das Verständnis für die Rolle anderer Gesundheitsberufe könnten noch ausgebaut werden“, betonten Susanne Haiber und Hannelore König vom Verband medizinischer Fachberufe. Denn die Gesundheitskompetenz zu stärken, sei eine Herausforderung, der sich die Gesundheitsberufe gemeinsam stellen müssten.

Die Stärkung der Gesundheitskompetenz setzt Kommunikation voraus, stellten die Konferenzteilnehmer fest. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen, gekennzeichnet etwa durch Fachkräftemangel und schlechte Vergütung, sei das kaum möglich. Entscheidend sei, dass die Kommunikation mit den Patienten auf allen Ebenen des Gesundheitswesens einen höheren Stellenwert erhalte. Vor diesem Hintergrund forderte die Fachberufekonferenz eine Gesamtstrategie zur Kompetenzverbesserung, die auch die großen gesellschaftlichen Herausforderungen vom demografischen Wandel bis zur wachsenden Ungleichheit berücksichtigen müsse. Heike E. Krüger-Brand

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