ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2019Glaukome: Lasertrabekuloplastik kann Arzneimitteltherapie in der Erstlinie ersetzen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Glaukome: Lasertrabekuloplastik kann Arzneimitteltherapie in der Erstlinie ersetzen

Dtsch Arztebl 2019; 116(14): A-693 / B-568 / C-556

Meyer, Rüdiger

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Foto: Science Photo Library/Bavosi, John
Foto: Science Photo Library/Bavosi, John

Mithilfe der Laserkoagulation ist es möglich, das Maschenwerk im Augenkammerwinkel zu weiten und dadurch den Abfluss des Kammerwassers zu verbessern. Die Behandlung wird heute meist als selektive Lasertrabekuloplastik durchgeführt. Sie gilt als schonend, und bereits nach einer Behandlung nimmt der Augeninnendruck häufig schon ab, was Schäden an der Netzhaut verhindern kann. Trotz dieser Vorteile wird in der Regel erst dann gelasert, wenn sich der Augeninnendruck mit Medikamenten nicht ausreichend senken lässt. Viele Patienten empfinden jedoch eine längere medikamentöse Behandlung als Belastung. Außerdem ist sie mit ständigen Kosten für die Medikamente verbunden.

Fragestellung der britischen LiGHT-Studie war, ob die selektive Lasertrabekuloplastik als Ersttherapie bei Patienten durchgeführt werden kann, denen die Augenärzte bisher wegen eines erhöhten Augeninnendrucks oder Glaukoms zunächst zu einer medikamentösen Therapie raten würden (1).

In der aktuell größten randomisierten Studie zu dieser Fragestellung wurden an 6 britischen Kliniken 718 erwachsene Patienten in eine Gruppe mit selektiver Lasertrabekuloplastik randomisiert (n = 356) und in eine zweite mit medikamentöser Behandlung (n = 362). Die Teilnehmer hatten einen Visus von mindestens 6/36 in den zu behandelnden Augen und keine frühere intraokulare Operation. Primärer Endpunkt der Studie war die Lebensqualität der Patienten nach 3 Jahren in den beiden Therapiegruppen. Sie steht im frühen Stadium der Erkrankung im Vordergrund.

Die allgemeine Lebensqualität wurde mit dem Fragebogen EQ-5D erhoben. Nach 36 Monaten gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen (EQ5D-Score: 0,89 bei Lasertherapie vs. 0,90 bei medikamentöser Behandlung). Auch bei den glaukomspezifischen Lebensqualitätsparametern, ermittelt über den Glaukom Utility Index, die Glaucoma Symptom Scale und den Fragebogen Glaucoma Quality of Life 15, gab es in 36 Monaten keine signifikanten Differenzen.

Die frühzeitige Lasertherapie erwies sich als äußerst effektiv. Insgesamt 74,2 % der Patienten benötigten 36 Monate nach der Lasertherapie keine Augentropfen mehr. Bei 93,0 % der gelaserten Augen wurde nach den regelmäßigen Kontrollen bis zu 3 Jahren ein normaler Augeninnendruck gemessen gegenüber 91,3 % der primär medikamentös behandelten Augen.

Die hohe Erfolgsrate wirkte sich im britischen Gesundheitssystem günstig auf die Kosten aus: Die Wahrscheinlichkeit, mit der Laserbehandlung als First-line-Therapie Kosten einzusparen, betrug 97 %.

Fazit: Eine selektive Trabekuloplastik hat in einer prospektiv randomisierten Studie in der Ersttherapie 3 Viertel der Patienten die Anwendung von Augentropfen erspart.

Im Editorial (2) wird die methodische Qualität der Studie als hoch bewertet, sie wurde mit öffentlichen Mitteln finanziert. Auf Basis dieser Daten sei es gerechtfertigt, Glaukompatienten frühzeitig eine Lasertherapie anzubieten. Rüdiger Meyer

  1. Gazzard G, Konstantakopoulou E, Garway-Heath D, et al.: Selective laser trabeculoplasty versus eye drops for first-line treatment of ocular hypertension and glaucoma (LiGHT): a multicentre randomised controlled trial. Lancet 2019; http://dx.doi.org/10.1016/S0140–6736(18)32213-X.
  2. Young JW, Caprioly J: Laser trabeculoplasty as first-line glaucoma treatment. Lancet 2019; http://dx.doi.org/10.1016/S0140–6736(18)32553–4.

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