ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2019GOÄ-Ratgeber: Abrechnung einer Blutdruckmessung im stationären Bereich

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GOÄ-Ratgeber: Abrechnung einer Blutdruckmessung im stationären Bereich

Dtsch Arztebl 2019; 116(14): A-704 / B-576 / C-564

Hoppe, Sandra

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Im Rahmen eines stationären Aufenthaltes von Patienten im Krankenhaus wird im täglichen Verlauf regelhaft der Blutdruck gemessen. Zunehmend führt die zusätzliche privatärztliche Abrechnung dieser stationären Leistung auf Grundlage der Amtlichen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) zu Auseinandersetzungen zwischen Ärzten und Kostenträgern. Hierzu folgende Anmerkungen:

In Abschnitt B I. GOÄ (Allgemeine Beratungen und Untersuchungen) ist u. a. für die Messung von Körperzuständen die Gebührenposition Nr. 2 GOÄ vorgesehen. Die Nr. 2 GOÄ vergütet die „Ausstellung von Wiederholungsrezepten und/oder Überweisungen und/oder Übermittlung von Befunden oder ärztlicher Anordnungen – auch mittels Fernsprecher – durch die Arzthelferin und/oder Messung von Körperzuständen (z. B. Blutdruck, Temperatur) ohne Beratung, bei einer Inanspruchnahme des Arztes.“

Die Leistung nach Nr. 2 GOÄ ist, wie der Leistungslegende (z. B. Überweisung, Arzthelferin, Wiederholungsrezept etc.) zu entnehmen, auf das Leistungsgeschehen in der ambulanten Versorgung zugeschnitten. Im stationären Bereich ist die Abrechnung einer Messung von Körperzuständen mit dem Ansatz der Nr. 2 GOÄ als delegierte ärztliche Leistung gemäß § 4 Abs. 2 GOÄ gebührenrechtlich-formal nicht ausgeschlossen.

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Allerdings wird eine Berechnung dieser Gebührenposition im Regelfall bei stationärer Behandlung nicht in Betracht kommen, da zum einen die Nr. 2 GOÄ anlässlich einer Inanspruchnahme des Arztes nicht zusammen mit anderen Gebühren berechnet werden darf und zum anderen die Nr. 2 GOÄ gemäß § 4 Abs. 2 GOÄ am Aufnahme- und Entlassungstag nur als wahlärztliche Leistung berechnet werden kann, wenn diese vom Wahlarzt oder dessen ständigem ärztlichen Vertreter persönlich erbracht wird.

Dementsprechend hat auch der Ausschuss „Gebührenordnung“ der Bundes­ärzte­kammer bereits am 4. November 1997 beschlossen (publiziert im Deutschen Ärzteblatt vom 10. September 1999), dass die Nr. 2 GOÄ im Rahmen der wahlärztlichen Behandlung im stationären Bereich in aller Regel nicht berechenbar ist.

Davon abgesehen ist eine Blutdruckmessung während eines stationären Kranken­haus­auf­enthaltes als pflegerische, nicht-ärztliche Leistung bereits im Pflegesatz enthalten und nicht als ärztliche Leistung berechnungsfähig.

Gebührenrechtlich ist es auch nicht möglich, anstelle der Nr. 2 GOÄ die Nr. 638 GOÄ zu berechnen. Die Nr. 638 GOÄ stammt aus dem Abschnitt F (Innere Medizin, Kinderheilkunde, Dermatologie) und beschreibt die punktuelle Arterien- und/oder Venenpulsschreibung.

Die Leistung nach der Nr. 638 GOÄ erfordert eine grafische Darstellung der Pulskurve. Eine solche Darstellung erfolgt jedoch bei der unblutigen Blutdruckmessung nach Riva-Rocci unter Ausnutzung des Korotkow-Geräusches nicht. Sandra Hoppe

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