ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2019Chronische Niereninsuffizienz: Schon moderat erhöhtes Oxalat im Urin könnte Progress der Erkrankung anzeigen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chronische Niereninsuffizienz: Schon moderat erhöhtes Oxalat im Urin könnte Progress der Erkrankung anzeigen

Dtsch Arztebl 2019; 116(14): A-694 / B-569 / C-557

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: yodiyim/stock.adobe.com
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Seit Längerem ist bekannt, dass Oxalsäure nephrotoxisch sein kann. Oxalat wird über die Nahrung aufgenommen (5–50 % der im Harn ausgeschiedenen Menge), ist aber auch Produkt von Stoffwechselprozessen wie dem Amino- oder Ascorbinsäure-Abbau. Eine Hyperoxalurie liegt vor, wenn innerhalb von 24 Stunden > 45 mg (0,5 mmol) Oxalat über die Nieren ausgeschieden werden. Die Hyperoxalurie gilt als Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Nierensteinen (Kalziumoxalat). Und die Oxalat-Nephropathie ist als schwere Komplikation von Störungen des Oxalat-Metabolismus oder der Oxalat-Absorption bekannt. Die mögliche Bedeutung von hochnormalen oder moderat erhöhten Oxalat-Konzentrationen im Urin für das Fortschreiten einer chronischen Nieren-insuffizienz (CKD) war bislang aber nicht prospektiv untersucht.

Dies war Fragestellung einer Auswertung aus der US-amerikanischen Chronic Renal Insufficiency Cohort. Die prospektive Einschlussperiode umfasste die Jahre 2003–2008, die Auswertung erfolgte von 2017–2018. Da waren die Teilnehmer durchschnittlich 59,1 Jahre alt.

Zu Studienbeginn lag die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) zwischen 20–70 ml/min/1,73m2. Für die Analyse wurde die Kohorte in Abhängigkeit von der Oxalat-Ausscheidung im 24-Stunden-Urin in Quintilen eingeteilt: 1,4–11,4 mg; 11,5–16,1 mg; 16,2–21,0 mg; 21,1–27,7 mg und 27,8–102,1 mg.

Von 3 123 Teilnehmern standen komplette Datensätze zur Verfügung. Bei Oxalatausscheidungen von der 3.–5. Quintile war eine Krankheitsprogression oder das Eintreten der Dialysepflichtigkeit häufiger als in der Gruppe mit einer geringeren Oxalatexkretion im Urin. Nach Berücksichtigung vieler möglicher anderer Ursachen ergab sich eine Hazard Ratio von 1,33 für den Progress bei Teilnehmern aus der 5. Quintile im Vergleich zu denen der 1. Quintile (95-%-Konfidenz-Intervall [95-%-KI] [1,04; 1,70]) und für ein terminales Nierenversagen von 1,45 (1,09; 1,93). Das Risiko für eine Progression oder ein terminales Nierenversagen mit Dialysepflichtigkeit erhöhte sich ab Oxalat-Werten von > 16,2 mg/24 h, und zwar unabhängig von anderen Risikofaktoren. Wenn es auch keine lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Oxalsäure-Ausscheidung im Urin und Progress einer CKD gab, so korrelierten doch höhere Urin-Oxalat-Werte mit einem größeren Risiko für das Fortschreiten einer Nierenfunktionsstörung.

Fazit: „Die Studie zeigt zunächst nur eine Assoziation zwischen Oxalat-Werten im Urin und dem Risiko für einen progredienten Nierenfunktionsverlust auf“, erläutert Prof. Dr. med. Bernhard Banas, Direktor der Abteilung für Nephrologie am Universitätsklinikum Regensburg. „Die Daten ermöglichen für den einzelnen Patienten noch keine klinisch relevante Bewertung seines Urinoxalatspiegels in Bezug auf den Krankheitsprogress. Dafür, dass Oxalat ein valider Biomarker werden kann, sind weitere Untersuchungen erforderlich. Dabei wäre auch zu berücksichtigen, dass die Oxalat-Exkretion im Urin sich diätetisch verändern lässt. Der Einfluss über die Ernährung kann natürlich auch eine Chance sein für die Patienten.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Waikar SS, Srivastava A, Palsson R, et al.: Association of urinary oxalate excretion with the risk of chronic kidney disease progression; JAMA Intern Med 2019; doi:10.1001/jamainternmed.2018.7980.

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