ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2019Herpes-zoster-Impfung: Komplikationen sind vermeidbar

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Herpes-zoster-Impfung: Komplikationen sind vermeidbar

Dtsch Arztebl 2019; 116(14): A-695

Reisdorf, Simone

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Mit der Anwendung des adjuvantierten Herpes-zoster-subunit-(HZ/su-)Totimpfstoffes sollen Herpes-zoster-Erkrankungen sowie deren Komplikationen und Spätfolgen – insbesondere die gefürchtete Post-zoster-Neuralgie (PZN) – verhindert werden.

Varizella-zoster-Viren sind bei mehr als 99,5 % der Erwachsenen über 50 Jahren nachweisbar: Sie verbleiben nach einer Windpockenerkrankung im Körper. Lässt das Immunsystem im Alter nach, können sie reaktiviert werden und lösen dann nicht mehr Varizellen aus, sondern – unter Umständen wiederholt – Herpes zoster.

Etwa 400 000 Menschen pro Jahr erkranken in Deutschland an Herpes zoster. „Mit steigendem Alter nimmt die Inzidenz weiter zu“, betonte Dr. med. Jörg Schelling, Internist und Allgemeinmediziner in Planegg/Martinsried, bei einem Pressegespräch in München. Sie beträgt bei über 60-Jährigen 6/1 000 Personenjahre (PJ) und bei über 80-Jährigen mehr als 10/1 000 PJ (1).

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Unterschiedlicher Verlauf

In der Anfangsphase verläuft Herpes zoster unspezifisch mit Kopfschmerz, photophobie, teils Fieber sowie mit Brennen und Jucken der Haut noch vor Auftreten des Exanthems. Das optimale Zeitfenster von 72 Stunden für den Start einer antiviralen Therapie wird daher oftmals verpasst.

Bei einfachem Krankheitsverlauf folgt eine Phase mit einigen wenigen Bläschen auf der Haut. Der klassische Verlauf dagegen ist durch das typische – in der Regel einseitige – ausgedehnte gürtelförmige Exanthem am Rumpf gekennzeichnet. Die Schmerzen können sehr belastend sein, betonte Schelling, und die Optionen für eine symptomatische Schmerztherapie seien häufig durch Komorbidität oder Komedikation der betagten Patienten limitiert.

Als schwierigen Verlauf beschrieb der niedergelassene Internist und Allgemeinmediziner die Ausprägung starker chronischer Schmerzen über mehrere Wochen oder Monate: „Patienten mit einer solchen Post-zoster-Neuralgie haben eine verminderte Lebensqualität und einen gestörten Schlaf“, berichtete er: „Ihre Behandlung erfordert in der Regel etliche Arztkonsultationen über längere Zeit.“

Ein anderes Beispiel für einen schweren Verlauf ist das Auftreten von Symptomen im Gesicht, etwa als zoster ophthalmicus, welcher wegen der Erblindungsgefahr als akuter Notfall eingestuft werden muss.

Herpes zoster ist jedoch impfpräventabel, und seit dem 13. Dezember 2018 wird die Impfung mit dem adjuvantierten Herpes zoster-subunit-(HZ/su-)Totimpfstoff von der STIKO für alle Menschen ab 60 Jahren sowie für Immunsupprimierte und Menschen mit schweren Grunderkrankungen ab 50 Jahren empfohlen (2, 3).

Schelling zeigte sich beeindruckt von der Wirksamkeit des Totimpfstoffes, der unter dem Namen Shingrix® (GSK) verfügbar ist: 97,1 % der Gesamtgruppe aller Patienten (ab 50 Jahre) sowie 91,3 % der Patienten ab 70 Jahre waren in den Zulassungsstudien nach der Immunisierung vor HZV-Erkrankungen geschützt (4, 5). Ein Grund für die hohe Erfolgsrate ist vermutlich das neue Adjuvanssystem AS01B, das eigens für die Anwendung bei älteren Patienten entwickelt wurde.

Die Verträglichkeit der Impfung ist allgemein gut. Lokalreaktionen wie Rötung, Schwellung und Schmerzen an der Einstichstelle klingen meist nach 2 bis 3 Tagen ab. Die Applikation des Totimpfstoffs kann gemeinsam mit der Influenzaimpfung erfolgen. Auch Patienten mit Immundefizienz können sie erhalten (3).

Wichtig: Die Immunisierung wird auch und gerade für Patienten empfohlen, die bereits ein- oder mehrmals an HZV erkrankt waren. Derzeit geht man davon aus, dass die Impfung spätestens ein Jahr nach Abklingen der Symptome sicher erfolgen kann.

Die Impfung mit dem Totimpfstoff gegen Herpes zoster muss nach 2 (bis maximal 6) Monaten, wiederholt werden; damit ist die Grundimmunisierung abgeschlossen (3). Ob eine Auffrischimpfung notwendig sein wird, ist noch nicht bekannt. Bislang liegen Daten über eine effektive Immunantwort bis zu 9 Jahre vor, was auf einen lang andauernden Impfschutz schließen lässt.

Derzeit noch auf Privatrezept

Die Kosten für die Immunisierung mit dem Totimpfstoff werden bereits von den privaten Kran­ken­ver­siche­rungen übernommen. Auch viele gesetzliche Versicherer erstatten sie; hier lohnt eine individuelle Anfrage. Spätestens im Sommer 2019 wird die Aufnahme der Impfung in den Katalog der GKV-Pflichtleistungen erwartet; im Herbst 2019 werden voraussichtlich die regionalen Impfvereinbarungen abgeschlossen sein und die Impfung sollte dann als Einzelverordnung oder via Sprechstundenbedarf verfügbar sein. Simone Reisdorf

Quelle: Pressegespräch „STIKO empfiehlt Impfung gegen Herpes zoster – Eine konsequente Entscheidung“ am 28. Januar 2019 in München. Veranstalter: GlaxoSmithKline

Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit1419
oder über QR-Code.

1.
Harpaz R,Ortega-Sanchez IR, Seward JF: Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP) Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Prevention of herpes zoster: recommendations of the Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP). MMWR Recomm Rep 2008, 57, 1–30; quiz CE32–34.
2.
Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin 50/2018. https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2018/Ausgaben/50_18.pdf?__blob=publicationFile (last accessed on 21. March 2019).
3.
Fachinformation Shingrix®, Stand: März 2018.
4.
Kimberlin DW, Whitley RJ: Varicella-zoster vaccine for the prevention of herpes zoster. NEJM 2007; 356 (13): 1338–43 CrossRef MEDLINE
5.
Lal H, Cunningham AL, Godeaux O, et al.: Efficacy of an adjuvanted herpes zoster subunit vaccine in older adults. N Engl J Med 2015; 372 (22): 2087–96 CrossRef MEDLINE
6.
Cunningham AL1, Lal H1, Kovac M, et al.: Efficacy of the Herpes Zoster Subunit Vaccine in Adults 70 Years of Age or Older. NEJM 2016; 375 (11): 1019–32 CrossRef MEDLINE
1.Harpaz R,Ortega-Sanchez IR, Seward JF: Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP) Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Prevention of herpes zoster: recommendations of the Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP). MMWR Recomm Rep 2008, 57, 1–30; quiz CE32–34.
2.Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin 50/2018. https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2018/Ausgaben/50_18.pdf?__blob=publicationFile (last accessed on 21. March 2019).
3.Fachinformation Shingrix®, Stand: März 2018.
4.Kimberlin DW, Whitley RJ: Varicella-zoster vaccine for the prevention of herpes zoster. NEJM 2007; 356 (13): 1338–43 CrossRef MEDLINE
5.Lal H, Cunningham AL, Godeaux O, et al.: Efficacy of an adjuvanted herpes zoster subunit vaccine in older adults. N Engl J Med 2015; 372 (22): 2087–96 CrossRef MEDLINE
6.Cunningham AL1, Lal H1, Kovac M, et al.: Efficacy of the Herpes Zoster Subunit Vaccine in Adults 70 Years of Age or Older. NEJM 2016; 375 (11): 1019–32 CrossRef MEDLINE

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