ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2019TSVG: Was wir brauchen ...
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

... Wir sind ein Ärzteehepaar und führen seit 16 Jahren eine große hausärztliche Gemeinschaftspraxis am südlichen Bremer Stadtrand, die einzige Praxis im Stadtteil. Wir arbeiten ganztags und versuchen unsere vielen Patienten pro Quartal sicher, auf fachlich hohem Niveau, mit hoher Verantwortungsbereitschaft menschlich und authentisch ganzheitlich zu behandeln.

Dies tun wir im Angesicht des täglichen bürokratischen Dschungels aus Krankenkassen-Richtlinien, Telematik-Infrastruktur, Qualitätsmanagement-Anforderungen und unzähligen Budgetierungen. Wir sind Hausärzte mit viel Fleiß und Disziplin, aber auch großer Berufsfreude und Engagement für unsere Patienten und aus tiefer Überzeugung – wie fast alle unserer niedergelassenen Kollegen. Wir starten jeden Morgen um 7.45 Uhr und die Praxis schließt nicht vor 18.00 Uhr – von einer 25-Stunden-Woche können wir nur träumen. ... Wir meinen, dass wir wohl insgesamt sehr zufriedene Patienten haben, besonders im Hinblick auf die Terminpolitik unserer Praxis. Wir meinen, dass wir einen guten Job machen.

Was wir von der Politik nicht brauchen, sind direktive, quasi planwirtschaftliche Eingriffe in unser Terminsystem. ... Wir haben seit vielen Jahren mit unserem erfahrenen Team ein sehr gut funktionierendes Terminsystem implementiert, welches ausdrücklich die Versorgung akuter Notfälle einschließt und die Wartezeiten sehr kurzhält (Patientenzufriedenheit siehe Anlage). Eine „offene“ Sprechstunde wäre komplett kontraproduktiv und würde auch keine zusätzliche Arztzeit generieren – wir müssten dann an anderer Stelle wichtige Sprechstunden-Zeit kürzen, wie zum Beispiel Check-up-Termine, Krebsvorsorgeuntersuchungen, Hausbesuche bei alten, chronisch Kranken.

Anzeige

Die Organisation von Sprechstundenterminen über Terminservicestellen kann auch nur den Mangel an Ärzten und Sprechzeiten verwalten und keine zusätzlichen Zeiten aus dem Nichts hervorzaubern. Ein verrostetes, altes Auto, welches man weiß lackiert, ist ein weiß lackiertes, verrostetes, altes Auto, aber niemals ein Neuwagen!

Was wir von der Politik brauchen ist echte Unterstützung der wohnortnahen haus- und fachärztlichen Versorgung. Dies beginnt mit Hinhören direkt bei uns Leistungserbringern (auch mal abseits der Kakophonie der Lobbyisten-Einflüsterer), angesichts des mittlerweile bedrohlichen strukturellen Hausärztemangels, bundesweit, wie auch bei uns im Stadtteil, mehr Studienplätze in der Humanmedizin (Ländersache, ist klar, aber es gibt ja auch CDU-regierte Länder); Steigerung der Attraktivität der Allgemeinmedizin für junge Ärzte, Entbürokratisierung und, ja, auch bessere finanzielle Ausstattung des Hausarztes.

Die aktuelle Gesetzesplanung wird bei uns niedergelassenen Haus- und Fachärzten zu noch mehr Frust führen. Ärzte stehen im Moment nicht sehr hoch im Kurs und „Ärzte-Bashing“ ist in Politik und Medien derzeit sehr beliebt. Dennoch möchte ganz sicher auch ein Minister Spahn seine nächsten Angehörigen beim Haus- und/oder Facharzt im Stadtteil medizinisch weiterhin bestens versorgt wissen.

Dr. med. Aldona Buchwald-Pospiech, Dr. med. Thomas Pospiech, 28277 Bremen

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige