ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenKardiologie 1/2019Biologika: Gegen Haut- und Koronarplaques

Supplement: Perspektiven der Kardiologie

Biologika: Gegen Haut- und Koronarplaques

Dtsch Arztebl 2019; 116(15): [28]; DOI: 10.3238/PersKardio.2019.04.12.04

Lenzen-Schulte, Martina

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Bei Patienten mit Schuppenflechte ist nicht nur die Haut befallen, sondern das kardiovaskuläre Risiko erhöht. Der Frage, ob eine effektive Biologika-Therapie auch darauf günstige Auswirkungen haben könnte, ging jetzt eine prospektive Beobachtungsstudie nach.

Schuppende, gerötete und verdickte Plaques der Haut sind charakteristisch für eine Psoriasis. Aber die ganz anders gearteten Koronarplaques sind für diese Patienten weitaus gefährlicher. Foto: Science Photo Library Marazzi, Dr. P
Schuppende, gerötete und verdickte Plaques der Haut sind charakteristisch für eine Psoriasis. Aber die ganz anders gearteten Koronarplaques sind für diese Patienten weitaus gefährlicher. Foto: Science Photo Library Marazzi, Dr. P

Bei Psoriasis-Patienten leidet nicht nur die Haut, sondern auch das Herz. Eine antiinflammatorische Therapie der Hautplaques mittels Biologika könnte sich auf die Koronarplaques ebenfalls günstig auswirken, wie Beobachtungen aus den USA nun erkennen lassen.

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Seit einigen Jahren mehren sich die wissenschaftlichen Studien, die die Schuppenflechte als eigenständigen kardiovaskulären Risikofaktor sehen. Kürzlich erst hat eine japanische Arbeitsgruppe erneut zeigen können, dass die Erkrankung nicht nur mit arteriellen Plaques assoziiert ist, sondern dass auch das Risiko für einen Myokardinfarkt signifikant erhöht ist – und zwar unabhängig von anderen Risikofaktoren (1).

Da Biologika einerseits als Entzündungshemmer zur Therapie der Psoriasis eingesetzt werden und sich das Biologikum Canakinumab zudem als sekundär präventiv bei Patienten nach Myokardinfarkt erwiesen hat, stellen sich immer mehr Forscher die Frage, ob man so nicht bei der Psoriasis 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen könnte.

Dass dies nicht unplausibel ist, geht jetzt aus einer Analyse der Arbeitsgruppe um Dr. Nehal N. Mehta hervor, dem Leiter der Abteilung für Entzündungs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen am National Heart, Lung and Blood Institute in Bethesda, Maryland. Die Forscher haben von insgesamt 290 Patienten schließlich 121, die noch kein Biologikum erhalten hatten, ein Jahr lang beobachtet. Das Durchschnittsalter lag bei 50,5 Jahren, 58 % waren männlich, 32 erhielten eine topische Therapie, 89 wurden mit Biologika behandelt. Dazu zählten die TNF-a-Hemmer Adalimumab und Etanecerpt, der Interleukin-(IL-)12/23-Inhibitor Ustekinumab sowie die IL-17-Inhibitoren Secukinumab und Ixekizumab. Ziel war es, die Plaquebildung in den Koronararterien mittels Koronar-CT-Angiografie zu Beginn und am Ende des Beobachtungszeitraums zu beurteilen.

IL-17-Blockade besonders effektiv

Bei den Patienten mit schwerer Psoriasis ging der Befall mit nicht kalkhaltigen koronaren Plaques um 8 % zurück. Auch die Zusammensetzung der Plaques veränderte sich zum Besseren, sodass sie weniger gefährlich waren. Unter den topisch behandelten Patienten nahm die koronare Plaquebelastung hingegen während derselben Zeit um 2 % zu (2). Der aktuellen Studie zufolge erzielte eine Anti-IL-17-Therapie den besten Effekt. Dazu würde als Erklärung passen, dass IL 17 unter anderem die vaskuläre Steifheit und die Adhäsion von Monozyten an die Gefäßwand fördert, so die Begründung der Autoren. Es lohne sich ihrer Ansicht nach, die IL-17-Blockade auch bei Koronarkranken weiterzuverfolgen.

Unklar ist indes, ob es sich um einen Effekt handelt, der für Biologika charakteristisch ist, oder ob womöglich eine erfolgreiche Psoriasistherapie als solche das kardiovaskuläre Risiko günstig beeinflussen könnte. Das lässt eine vorangegangene Studie derselben Arbeitsgruppe vermuten, die zeigte: Eine effektive Psoriasistherapie mindert im Bereich der Aorta die vaskuläre Entzündungsreaktion. Aber seinerzeit gelang dies auch mithilfe der topischen Therapie. Entscheidend für den vaskulären Therapieerfolg war vielmehr, dass sich der Schweregrad der Hautläsionen um mindestens 75 % besserte (3).

Ob andere systemische Therapien, die keine Biologika beinhalten, einen Nutzen haben, wird ebenfalls untersucht. Für die rheumatoide Arthritis – hier besteht ebenfalls ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko – konnte bereits gezeigt werden, dass sogenannte „disease-modifying antirheumatic drugs“ (DMARD) kardioprotektiv wirken (4). Im Hinblick auf die Psoriasis analysierte eine dänische Kohortenstudie diese Frage bei 6 902 Patienten im 5-Jahres-Follow-up sowohl für Biologika als auch für Methotrexat, Ciclosporin und andere Therapien. Hier konnte die Methotrexat-Therapie punkten und war mit einem signifikanten Rückgang kardiovaskulärer Ereignisse verbunden (5).

DOI: 10.3238/PersKardio.2019.04.12.04

Dr. med. Martina Lenzen-Schulte

Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit1519

1.
Shiba M, Kato T, Izumi T, et al.: Risk of myocardial infarction in patients with psoriasis: A cross-sectional patient-population study in a Japanese hospital. J Cardiol 2019; 73 (4): 276–9 CrossRef MEDLINE
2.
Elnabawi YA, Dey AK, Goyal A, et al.: Coronary artery plaque characteristics and treatment with biologic therapy in severe psoriasis: results from a prospective observational study. Cardiovasc Res 2019; 115 (4): 721–8 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.
Dey AK, Joshi AA, Chaturvedi A, et al.: Association Between Skin and Aortic Vascular Inflammation in Patients With Psoriasis: A Case-Cohort Study Using Positron Emission Tomography/Computed Tomography. JAMA Cardiol 2017; 2 (9): 1013–8 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.
Armstrong AW, et al.: Effects of biologic agents and other disease-modifying antirheumatic drugs on cardiovascular outcomes in psoriasis and psoriatic arthritis: a systematic review. Curr Pharm Des 2014; 20 (4): 500–12 CrossRef MEDLINE
5.
Ahlehoff O, Skov L, Gislason G, et al.: Cardiovascular outcomes and systemic anti-inflammatory drugs in patients with severe psoriasis: 5-year follow-up of a Danish nationwide cohort. J Eur Acad Dermatol Venereol 2015; 29 (6): 1128–34 CrossRef MEDLINE
1.Shiba M, Kato T, Izumi T, et al.: Risk of myocardial infarction in patients with psoriasis: A cross-sectional patient-population study in a Japanese hospital. J Cardiol 2019; 73 (4): 276–9 CrossRef MEDLINE
2.Elnabawi YA, Dey AK, Goyal A, et al.: Coronary artery plaque characteristics and treatment with biologic therapy in severe psoriasis: results from a prospective observational study. Cardiovasc Res 2019; 115 (4): 721–8 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.Dey AK, Joshi AA, Chaturvedi A, et al.: Association Between Skin and Aortic Vascular Inflammation in Patients With Psoriasis: A Case-Cohort Study Using Positron Emission Tomography/Computed Tomography. JAMA Cardiol 2017; 2 (9): 1013–8 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.Armstrong AW, et al.: Effects of biologic agents and other disease-modifying antirheumatic drugs on cardiovascular outcomes in psoriasis and psoriatic arthritis: a systematic review. Curr Pharm Des 2014; 20 (4): 500–12 CrossRef MEDLINE
5.Ahlehoff O, Skov L, Gislason G, et al.: Cardiovascular outcomes and systemic anti-inflammatory drugs in patients with severe psoriasis: 5-year follow-up of a Danish nationwide cohort. J Eur Acad Dermatol Venereol 2015; 29 (6): 1128–34 CrossRef MEDLINE

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