ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2019Methodische Mängel der Studie
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Aufgrund methodischer Mängel kann ich aus der Studie keine Anhaltspunkte für eine etwaige Wirksamkeit einer Blutegeltherapie ableiten.

Die Rahmenbedingungen der Studienarme wurden nicht ansatzweise vergleichbar gestaltet:

  • Nur Patienten der Blutegel-Therapiegruppe hatten laut „eMethodenteil“ bei der Behandlung einen intensiven, individuellen direkten Arztkontakt mit „sorgfältiger körperlicher Untersuchung“ und Beratung. Diese Teilnehmer konnten ihre Beschwerden ausführlich schildern und bekamen vom Arzt Rückmeldungen und damit Bestätigungen über Verhärtungen, Schwellungen, als „behandlungsbedürftig angesehene Areale“ und sogenannte „druckschmerzhafte Schmerz-Maximalpunkte“. In der Druckfassung lediglich als „lokale Applikation von Blutegeln“ erwähnt, ist damit neben dem individuellen ärztlichen Kontakt ein aufwendiges Verfahren mit Liegezeit, Verband, Verbandswechsel und Nachsorge verbunden.
  • Im Kontrollarm fand hingegen die zuvor bei 91 % der Teilnehmer erfolglos gebliebene Physiotherapie in Gruppen ohne beschriebenen Arztkontakt statt.

Rätselhaft bleiben zudem die nicht begründete Abweichung vom unter EudraCT 2011–004393–28 registrierten Studienprotokoll bei der Bestimmung des primären Zielparameters (Visite 1 nach 28 statt – wie eingereicht – nach sieben Tagen; siehe www.clinicaltrialsregister.eu) und die Aussage zum „Selektionsbias“ durch Rekrutierung „in einem tertiären Studienzentrum“.

Eine balancierte Methodik kann ich daher nicht erkennen, zumal die Anwerbung der Studienteilnehmer (wiederum ohne Erwähnung in der Publikation) mit dem Versprechen einer garantierten (geldwerten) Blutegeltherapie verbunden war, da „jeder Teilnehmer in jedem Fall eine kostenlose Blutegelbehandlung im Gegenwert von 100 Euro erhielt“ (2).

Allenfalls ist ableitbar, dass Befragungen von an der Blutegeltherapie interessierten Patienten, die der gewünschten Methode direkt zugewiesen wurden und individuellen Kontakt mit einem verständigen Arzt hatten, positiver ausfallen als bei noch in Physiotherapiegruppen darauf Wartenden.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0267a

Dr. med. Mechthild Waldeyer-Sauerland

Hamburg

Sauerland@hamburg.de

Interessenkonflikt

Die Autorin erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Hohmann CD, Stange R, Steckhan N, Robens S, Ostermann T, Paetow A, Michalsen A: The effectiveness of leech therapy in chronic low back pain—a randomized controlled trial. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 785–92 VOLLTEXT
2.
Immanuel Krankenhaus Berlin: Studien mit Patienten, die unter chronischen Rückenschmarzen leiden. www.naturheilkunde.immanuel.de/forschung/abgeschlossene-studien/blutegeltherapie-bei-rueckenschmerzen/ (last accessed on 6 March 2019).
1.Hohmann CD, Stange R, Steckhan N, Robens S, Ostermann T, Paetow A, Michalsen A: The effectiveness of leech therapy in chronic low back pain—a randomized controlled trial. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 785–92 VOLLTEXT
2.Immanuel Krankenhaus Berlin: Studien mit Patienten, die unter chronischen Rückenschmarzen leiden. www.naturheilkunde.immanuel.de/forschung/abgeschlossene-studien/blutegeltherapie-bei-rueckenschmerzen/ (last accessed on 6 March 2019).

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