ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/201934. Deutscher Psychotherapeutentag: Zufrieden mit der Arbeit des Vorstands der Bundeskammer

POLITIK

34. Deutscher Psychotherapeutentag: Zufrieden mit der Arbeit des Vorstands der Bundeskammer

PP 18, Ausgabe April 2019, Seite 151

Bühring, Petra

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Die Delegierten befassten sich erneut mit der Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung, die kurz vor dem Abschluss steht. Im Mittelpunkt der beiden Tage bei der gastgebenden Landeskammer Rheinland-Pfalz standen die Wahlen des Vorstands der Bundes­psycho­therapeuten­kammer.

Der frisch gewählte Vorstand der Bundes­psycho­therapeuten­kammer: Nikolaus Melcop, Michaela Willhauck- Fojkar, Dietrich Munz, Andrea Benecke und Wolfgang Schreck (von links nach rechts). Fotos: BPtK
Der frisch gewählte Vorstand der Bundes­psycho­therapeuten­kammer: Nikolaus Melcop, Michaela Willhauck- Fojkar, Dietrich Munz, Andrea Benecke und Wolfgang Schreck (von links nach rechts). Fotos: BPtK

Koblenz ist eine schöne Stadt und eine der ältesten noch dazu. Touristen werden von jeher angezogen durch die romantische Altstadt und durch das Deutsche Eck, wo die Mosel in den Rhein mündet und Kaiser Wilhelm der I. als monumentales Reiterstandbild an die Deutsche Reichsgründung von 1871 erinnert. Koblenz ist zwar nicht die Hauptstadt des Landes der gastgebenden Psychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz, aber verfügt mit der Rhein-Mosel-Halle im Gegensatz zu Mainz über einen Veranstaltungsort, in den alle Delegierten des 34. Deutschen Psychotherapeutentags (DPT) und auch die Gäste mühelos passten.

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Errungenschaften des Psychotherapeutengesetzes

In einer sehr engagierten Rede stellte Sabine Maur, die Präsidentin der Landeskammer, zunächst drei zentrale Errungenschaften des Psychotherapeutengesetzes von 1999 heraus: Das nun 20 Jahre aktive Gesetz habe einen eigenen Heilberuf geschaffen, die psychotherapeutische Behandlung im Sozialrecht verankert und die Versorgung psychisch Kranker dadurch maßgeblich verbessert: Diese könnten sich auf die Qualifikation von Psychotherapeuten heute unbedingt verlassen. „Wir sind in der Versorgung unentbehrlich“, betonte sie. „Allein in Rheinland-Pfalz werden 80 Prozent der ambulanten Psychotherapie durch Psychologische Psychotherapeuten erbracht und sogar mehr als 95 Prozent der psychisch kranken Heranwachsenden von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten versorgt.“ Die Hälfte der Psychotherapeuten in dem Bundesland sei in psychiatrischen Kliniken, Rehakliniken und komplementären Einrichtungen tätig. „Während es Fachärztemangel in der psychiatrischen Akutversorgung gibt, haben wir keinen Mangel an Nachwuchs“, betonte die Kammerpräsidentin. „Deshalb brauchen wir endlich verfassungskonforme Honorare und ein Ende des Einklagens. Wir brauchen die Möglichkeit, Leitungsfunktionen in Kliniken zu übernehmen und wir brauchen mehr Psychotherapie in der Psychiatrie.“ Schließlich habe Psychotherapie den höchsten Leitlinienempfehlungsgrad für nahezu alle psychischen Störungen. Für die Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) forderte Maur ein Ende der prekären Beschäftigungsverhältnisse in ihrem Praxisjahr in Kliniken. Für psychisch kranke Patienten mit komplexem Behandlungsbedarf hält sie eine verbesserte koordinierte, berufsgruppenübergreifende Versorgung für notwendig, mit der psychotherapeutischen Sprechstunde als erster Anlaufstelle. „Wir werden unsere Rolle als qualifizierter Heilberuf für psychisch Kranke weiter ausbauen“, sagte die Kammerpräsentin kämpferisch und weiter: „Der Schängel* spuckt vor die Füße – wir sollten allen, die psychisch kranke Menschen herabwürdigen und diskriminieren auch vor die Füße spucken.“ Mancher allzu neugierige Besucher sei schon von dem Bengel auf dem Brunnen in der Koblenzer Altstadt getroffen worden. Abschließend betonte Maur die gute Zusammenarbeit der Kammer mit der Rheinland-pfälzischen Ge­sund­heits­mi­nis­terin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD).

Bedeutung der Psychotherapie wird weiter wachsen

„Die psychische Gesundheit ist für uns ein wichtiges politisches Handlungsfeld“, erklärte die Ministerin in ihrer Begrüßungsrede. „Die Nachfrage nach Psychotherapie wird weiter zunehmen, ihre Bedeutung weiter wachsen“, betonte Bätzing-Lichtenthäler. Grund für den zunehmenden Behandlungsbedarf seien unter anderem Stress und Überforderung am Arbeitsplatz, Einsamkeit, aber auch die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen, die mehr Menschen den Gang zum Psychotherapeuten erleichtere. „Wir brauchen eine strukturelle Weiterentwicklung der Versorgung psychisch Kranker, evidenzbasierte Praxisleitlinien müssen umgesetzt werden – das gilt vor allem auch für schwer erkrankte Patienten“, sagte sie. Die Bedeutung der Psychotherapie wachse auch in Rehakliniken, in der Jugendhilfe und in Behinderteneinrichtungen. „Wir erleben eine Verknappung gerade im ärztlichen Bereich – das muss aufgefangen werden“, sagte die Ministerin. Die Landesregierung begrüße deshalb eine Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung und wolle sich auch im Bundesrat für den Gesetzentwurf aus dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium einsetzen.

„Wir brauchen Leitungsfunktionen in Kliniken und wir brauchen mehr Psychotherapie in der Psychiatrie.“ Sabine Maur, Präsidentin der Landeskammer Rheinland-Pfalz
„Wir brauchen Leitungsfunktionen in Kliniken und wir brauchen mehr Psychotherapie in der Psychiatrie.“ Sabine Maur, Präsidentin der Landeskammer Rheinland-Pfalz

Der Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer Dr. rer. nat. Dietrich Munz ging im Bericht des Vorstands zuerst auf ein wichtiges gesellschaftspolitisches Thema ein: den zunehmenden Populismus in Deutschland. Die aktuelle Bertelsmannstudie „Populismus 2018“ habe festgestellt, dass breite Teile der Bevölkerung Positionen gegen das Establishment sowie demokratische politische Prozesse und für Volkssouveränität und vermeintlich einfache Lösungen einnehmen. „Das Leugnen der Pluralität ist eine Gefahr“, betonte Munz. „Man muss den Parteien auch vertrauen, die Verachtung gegenüber den Regierenden ist ein Vehikel des Populismus und bedroht die Demokratie – dagegen müssen wir uns wehren.“ Für komplexe Systeme brauche man geregelte Verfahren und gewählte Vertreter mit Sachkompetenz. „Es ist eine Negation der Wirklichkeit, dass einer weiß, was gut ist für alle“, sagte Munz.

In diesem Zusammenhang äußerte der BPtK-Präsident die Sorge, dass Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn manchmal „das Geschäft der Populisten“ bediene. Änderungsanträge seien beispielsweise im Rahmen des parlamentarischen Verfahrens zum Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) häufig am späten Abend oder kurz vor Ende der Sitzungen erst vorgelegt worden. Dann sei keine Zeit für Abwägungen mehr möglich gewesen, bedauerte Munz. Auch die Initiative, den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) durch Rechtsverordnungen aus dem BMG in seine Schranken weisen zu wollen, kritisierte der BPtK-Präsident: „Wir haben im G-BA gut koordinierte Entscheidungsprozesse. Die komplexen Prüfprozesse, auch wenn sie manchmal lange dauern, können nicht durch Rechtsverordnungen ersetzt werden.“ Erst wenn die Bänke im G-BA gar nicht zu Lösungen kommen, sollte der Gesetzgeber aktiv werden, forderte Munz.

„Wir brauchen eine strukturelle Weiterentwicklung der Versorgung psychisch Kranker, evidenzbasierte Praxisleitlinien müssen umgesetzt werden“ Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Ge­sund­heits­mi­nis­terin von
„Wir brauchen eine strukturelle Weiterentwicklung der Versorgung psychisch Kranker, evidenzbasierte Praxisleitlinien müssen umgesetzt werden“ Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Ge­sund­heits­mi­nis­terin von

Erfreut zeigte sich der Präsident, dass der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter auf die Proteste zu dem umstrittenen Passus im TSVG einer „gestuften und gesteuerten Versorgung“ vor einer psychotherapeutischen Behandlung in § 92 SGB V reagiert hat und dieser gestrichen wurde. „In vielen Gesprächen haben wir darum geworben, dass es sich lohnt, das Problem näher zu betrachten – und der Minister hat zugehört,“ berichtete Munz. Als Zusatz ist ein veränderter Passus jetzt im Entwurf zum Psycho­therapeuten­ausbildungs­reform­gesetz zu finden: Der Gesetzgeber will nun den G-BA beauftragen, die Voraussetzungen für eine ambulante multiprofessionelle Versorgung zu schaffen (siehe auch Kasten „Berufsgruppenübergreifende koordinierte Zusammenarbeit“, Seite 156). Es müsse nur noch deutlicher werden, dass es vornehmlich um Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen gehe, betonte Munz. In einer Resolution sprachen sich die Delegierten entsprechend dafür aus, die „multiprofessionelle Versorgung psychisch Kranker mit komplexem Behandlungsbedarf zu fördern“ (siehe Kasten „Resolutionen“).

Ausbildung: große Fortschritte im Gesetzgebungsprozess

Beim Tagesordnungspunkt Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung gab es diesmal große Fortschritte im Gesetzgebungsprozess zu verzeichnen. Am 27. Februar legte der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter den Kabinettsentwurf vor. Am 12. April wird der Entwurf voraussichtlich im Bundesrat diskutiert. Mit einer ersten Lesung im Bundestag kann zwischen Anfang und Mitte Mai gerechnet werden, mit einer zweiten Lesung Anfang Juni, sodass das Gesetz voraussichtlich noch vor der Sommerpause verabschiedet werden kann. Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) lehnt die Ausbildungsreform grundsätzlich ab. Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der BÄK, befürchtet „eine weitgehende Ausgliederung der Behandlung von psychisch Kranken aus dem medizinischen Versorgungssystem“. Die Reform bedrohe eine somatische wie psychische Aspekte integrierende Versorgung und gehe damit zulasten der Patienten.

Der Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer Munz machte vor den Delegierten deutlich, dass „einige Reaktionen der Ärzteschaft den Rahmen dessen verlassen haben, den ich mir für eine Kooperation wünsche“. Mit dem Gesetzentwurf zur Ausbildungsreform würden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Psychotherapeuten künftig nach dem Studium und der Approbation in der Weiterbildung ein geregeltes Einkommen erzielen könnten, betonte Munz und das sei sein sehr wichtiger Schritt. Sie seien dann bereits in ihrem Beruf approbiert und könnten sozial­ver­sicherungs­pflichtig beschäftigt werden. Die BPtK unterstützt den vorliegenden Gesetzentwurf, weil damit „der Sonderweg der bisherigen Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung beendet wird“, so Munz. „Die Reform ist ein Plus für die Patienten, weil Psychotherapeuten noch besser auf das immer größere Spektrum psychischer Erkrankungen vorbereitet werden, die psychotherapeutisch behandelt werden können“, ergänzte er. Der Präsident sieht jedoch noch zusätzlichen Finanzierungsbedarf bei der ambulanten Weiterbildung. Änderungsbedarf sieht er auch bei der Definition der Berufsausübung (§ 1, Abs. 2 Psychotherapeutengesetz). Diese Legaldefinition sei in der vorliegenden Formulierung „ein nicht akzeptabler Eingriff in die Berufshoheit“ (siehe Seite 156). Statt eines Konsiliarberichts, wie im Kabinettsentwurf weiterhin vorgesehen, fordert die BPtK ein Überweisungsrecht zu Fachärzten, um somatische Beschwerden im Behandlungsprozess abklären lassen zu können und nicht nur zu Beginn der Therapie. Diese Forderung fand großen Zuspruch bei den Delegierten, die Kritik am Konsiliarbericht übten. „Viele Ärzte treffen keine qualifizierten Aussagen in diesem Bericht, eine Überweisungsregelung finde ich viel sinnvoller“, sagte beispielsweise Bernhard Moors aus Nordrhein-Westfalen. Auch Anke Pielsticker, Bayern, sprach sich für eine fließende Kooperation mit den Ärzten im Rahmen eines Überweisungsverfahrens aus.

Zu würdigen ist nach Ansicht der BPtK, dass mit dem Gesetzentwurf die Weiterbildungsambulanzen der Institute in § 117 SGB V ermächtigt werden. „Das ist gut, aber noch nicht ausreichend“, sagte Peter Lehndorfer für den Vorstand. Damit würden zwar die Behandlungsleistungen von der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) finanziert, nicht aber die spezifischen psychotherapeutischen Inhalte der Weiterbildung, wie Supervision, Selbsterfahrung und Theorievermittlung. „Es bedarf eines Zuschusses zum Gehalt der Psychotherapeuten in Weiterbildung (PiW)“, erklärte Lehndorfer. Vorstellbar sei, dass dieser Zuschuss von der GKV komme, gegebenenfalls unter Beteiligung der KBV, der Deutschen Rentenversicherung, aus dem Gesundheitsfonds, oder aus einer noch zu errichtenden Stiftung. Wichtig seien angemessene Rahmenbedingungen für PiW während der ambulanten Weiterbildung und Planungssicherheit für die Institute. In einer Resolution forderte der 34. DPT deshalb eine Weiterbildung ohne Selbstbeteiligung durch die angehenden Psychotherapeuten. Dafür sei ein gesetzlich geregelter Zuschuss notwendig, der PiW ein Einkommen in Höhe des Tarifgehalts in Krankenhäusern sichert.

Vertreter(in) der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten im BPtK-Vorstand: Peter Lehndorfer geht nach vier Amtsperioden in den Ruhestand. Michaela Willhauck-Fojkar setzte sich gegen zwei Mitbewerberinnen durch.
Vertreter(in) der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten im BPtK-Vorstand: Peter Lehndorfer geht nach vier Amtsperioden in den Ruhestand. Michaela Willhauck-Fojkar setzte sich gegen zwei Mitbewerberinnen durch.

BPtK-Präsident Dietrich Munz in seinem Amt bestätigt

Schließlich bestimmten die Vorstandswahlen den weiteren Verlauf des 34. DPT. Am 17. Mai endet die Legislaturperiode des aktuellen Vorstands der Bundes­psycho­therapeuten­kammer. Der amtierende Präsident Dietrich Munz wurde von den Delegierten in seinem Amt bestätigt. Der 67-Jährige promovierte Physiker und Psychologische Psychotherapeut setzte sich mit 95 zu 37 Stimmen gegen die einzige Gegenkandidatin Dagmar Schulz durch. Die Psychologische Psychotherapeutin aus Schleswig-Holstein kandidierte überraschend. „Einige könnten mir meine Kandidatur als Unverschämtheit auslegen“, sagte sie zu Beginn ihrer Vorstellung. „Aber ich möchte, dass wir nicht nur reaktiv und defensiv reagieren. Man hat immer eine Wahl.“ Die 54-Jährige wollte sich dafür einsetzen, kritische Konzepte in Bezug auf die Digitalisierung zu entwickeln sowie sich für mehr Einbezug der jüngeren und der angestellten Psychotherapeuten engagieren.

„Es ist mir weiterhin eine Ehre und Freude, die Psychotherapeuten repräsentieren zu dürfen“, sagte der alte und neue Präsident. Munz ist seit 2006 Präsident der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg und war von 2006 bis 2014 Vizepräsident der BPtK. Der Psychoanalytiker ist auch nach seiner Berentung noch im Minijob an der Sonnenbergklinik in Stuttgart tätig. „Ich freue mich, die Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung weiter voranbringen zu können und auch auf die Herausforderungen, die dies noch mit sich bringen wird“, betonte er. „Ein großer Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind“, zitierte er den französischen Politiker Aristide Briand.

Ebenfalls in seinem Amt als Vizepräsident bestätigt wurde Dr. phil. Nikolaus Melcop. Der seit 2003 amtierende Präsident der Landespsychotherapeutenkammer Bayern erhielt 116 von 137 Stimmen. Melcop ist als Psychologischer Psychotherapeut in Landshut niedergelassen. Er ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT) und der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung (DPtV). Als einen Schwerpunkt, für den er sich besonders einsetzen will, stellte er die Digitalisierung heraus. „In Zeiten des Überwachungskapitalismus müssen wir in diesem Bereich aktiv sein“, sagte er.

Mit großer Mehrheit zur zweiten Vizepräsidentin gewählt wurde Dr. phil. Andrea Benecke, die bisher das Amt der Beisitzerin im BPtK-Vorstand innehatte. Die Vizepräsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz ist unter anderem Leiterin der Ausbildungsambulanz für Psychologische Psychotherapie an der Universität Mainz. Sie ist Mitglied der DGVT und der DPTV, der Deutschen Diabetes Gesellschaft und der Deutschen Adipositas Gesellschaft. Ihre Schwerpunkte im BPtK-Vorstand sind die Weiterbildung sowie die Gleichstellung von Frauen. Sie setzt sich unter anderem für Mentoring-Programme ein, um Frauen in der Berufspolitik zu fördern.

Spannend war die Wahl zur Vertreterin der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten beziehungsweise Beisitzerin im BPtK-Vorstand. Der seit 16 Jahren amtierende Peter Lehndorfer wollte nicht erneut kandidieren, sondern geht in den Ruhestand. „Er hat nicht nur die Arbeit der BPtK von Anfang an mitgeprägt, sondern sich wie kein anderer mit großer Expertise für die Belange psychisch kranker Kinder eingesetzt“, erklärte Präsident Munz. „Wir zollen dir Respekt für diese Entscheidung und bedauern sie sehr, lieber Peter“, sagte er. Lehndorfer wurde mit sehr großem Applaus verabschiedet. Er bleibt für die bayerische Landespsychotherapeutenkammer weiterhin Mitglied des DPT.

Einsatz für berufsübergreifende Versorgungskonzepte

Mit 83 von 135 Stimmen setzte sich bei den Wahlen dann Michaela Willhauck-Fojkar, niedergelassene Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin aus Mannheim, gegen Bettina Meisel von der Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und Ariadne Sartorius vom Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten durch. Willhauck-Fojkar arbeitet gemeinsam mit ihrem Mann, einem Kinder- und Jugendpsychiater, in einer Praxis. Sie ist Mitglied der DPtV, Mitglied der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der KBV sowie des Beratenden Fachausschusses Psychotherapie. Im Rahmen der KBV-Vertragswerkstatt war sie an dem berufsübergreifenden Versorgungskonzept für Kinder mit komplexen psychischen Störungen beteiligt. Sie betonte, die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten gerade auch im Hinblick auf die Herausforderungen der Zukunft gut vertreten zu wollen: „Ich will in die großen Schuhe von Peter Lehndorfer hineinwachsen“, sagte sie.

Zum zweiten Beisitzer wurde erneut Wolfgang Schreck gewählt. Der Psychologische Psychotherapeut ist seit 2014 Vorstandsmitglied der Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen sowie der DGVT. Der Leiter der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern der Stadt Gelsenkirchen hat maßgeblich auch die angestellten Psychotherapeuten im Blick. Petra Bühring

* Der Schängel ist eine Bronzefigur auf einem Brunnen in der Koblenzer Altstadt, die einen Jungen darstellt. Alle zwei Minuten speit die Figur einen sprühenden Wasserstrahl mehrere Meter weit über das Brunnenbecken hinaus.

Resolutionen des 34. Deutschen Psychotherapeutentags

  • „Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten unter fairen Bedingungen für die Versorgung qualifizieren“: Der Gesetzentwurf zur Reform der Ausbildung wird begrüßt, aber eine umfassendere Finanzierung der ambulanten Weiterbildungskosten angemahnt.
  • „Multiprofessionelle Versorgung psychisch kranker Menschen mit komplexem Behandlungsbedarf fördern“: Den Einbezug des G-BA, der mit der Entwicklung eines Konzepts beauftragt wird, begrüßen die Delegierten ausdrücklich. Zeit dafür sollte das Gremium bis mindestens Ende 2021 erhalten. Der Gesetzgeber sollte vorsehen, dass notwendige Koordinationsleistungen vergütet werden.
  • „Kinderrechte gehören ins Grundgesetz!“
  • „Videobehandlung patientenorientiert in die psychotherapeutische Versorgung integrieren!“: Verwiesen wird auf einen zurückliegenden Beschluss des DPT, wonach mindestens Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung in unmittelbarem Kontakt vor einer Videobehandlung erfolgen müssen. Parallelstrukturen der Krankenkassen in Form von Videobehandlungszentren kritisieren die Delegierten. Der Patientenschutz dürfe durch eine Videobehandlung an keiner Stelle eingeschränkt werden.
  • „Psychotherapeutische Versorgung in psychiatrischen Kliniken verbessern! Die Personalmindeststandards sind überfällig!“
  • „Psychotherapeuten müssen dem öffentlichen Dienst erhalten bleiben! Die Einordnung von Psychotherapeuten in die Tarifverträge des öffentlichen Dienstes ist nicht akzeptabel!“
  • „Gutachten durch Psychologische Psychotherapeuten und Kinder und Jugendlichenpsychotherapeuten in aufenthaltsrechtlichen Verfahren anerkennen!“

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