ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2019Panikstörung: Wirksame Intervention von Hausärzten

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Panikstörung: Wirksame Intervention von Hausärzten

PP 18, Ausgabe April 2019, Seite 179

DS

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Hausärzte können Patienten mit Panikstörung niederschwellig und effektiv mit einem Therapieprogramm, das Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie enthält, behandeln. Das zeigen die Ergebnisse einer randomisierten kontrollierten Studie, die Jochen Gensichen und Co-Autoren in der Ausgabe 10/2019 des Deutschen Ärzteblattes präsentieren. Ziel der Studie war, die Effekte eines individuell anpassbaren, praxisteamunterstützten Übungsprogramms bei Patienten mit Panikstörung in der Primärversorgung zu beurteilen.

Die Panikstörung mit/ohne Agoraphobie ist ein in Hausarztpraxen häufig anzutreffendes Krankheitsbild. Da es in Deutschland mehrere Monate dauern kann, einen Therapieplatz zu bekommen, sind die Hausärzte die ersten und oft auch einzigen Ansprechpartner. Die Intervention zur Behandlung der Panikstörung wurde als ambulantes Case Management durchgeführt. Patienten in der Interventionsgruppe erhielten ein Therapiebegleitbuch, das Informationen zu Psychoedukation und Übungsdurchführung sowie Expositionsprotokollbögen enthielt. In einem 23-wöchigen Zeitraum waren vier strukturierte Arzttermine vorgesehen. Ab dem zweiten Arzttermin sollten die Patienten mindestens zweimal wöchentlich selbstständig Expositionsübungen durchführen. Um in regelmäßigen Abständen aktuelle Angstsymptome zu messen und die Therapieadhärenz zu stärken, begleiteten Medizinische Fachangestellte die Patienten mit einem checklistengestützten Telefonmonitoring. Die Medizinischen Fachangestellten fungierten im Grunde als „verlängerter Arm“ der Hausärzte.

Durch das praxisteamunterstützte Übungsprogramm kam es bei Patienten mit Panikstörung zu einem stärkeren Rückgang der Angstsymptome als bei einer Routinebehandlung. Die Effekte blieben über zwölf Monate hinweg stabil. In der Interventionsgruppe gab es deutlich weniger Panikattacken; auch zum Vermeidungsverhalten und zur Depressivität fielen die Werte nach sechs Monaten deutlich besser aus. Das Fazit der Autoren lautet: Hausärzte und Medizinische Fachangestellte können gemeinsam erfolgreich mit Elementen der kognitiven Verhaltenstherapie und kontinuierlichem Case Management eingreifen, wenn Patienten mit Panikstörung in die Praxis kommen. DS

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Gensichen Jochen, Hiller Thomas S, Breitbart, Jörg, et al.: Patienten mit Panikstörung in der Primärversorgung. Effekte eines Praxisteam-unterstützten Übungsprogramms. Eine Cluster-randomisierte Studie. Dtsch Ärztebl Int 2019; 116 (10): 159–66; DOI: 10.3238/arztebl.2019.0159.

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