ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2019Depression einer Psychotherapeutin: Sachlich, sehr persönlich und berührend

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Depression einer Psychotherapeutin: Sachlich, sehr persönlich und berührend

PP 18, Ausgabe April 2019, Seite 182

Janssen-Faller, Friederike

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Das Buch beschreibt das Krankheitsbild der Depression aus zwei Perspektiven. Als Psychotherapeutin klärt die Autorin Nora-Marie Ellermeyer im ersten Teil des Buches kompakt und fundiert über Burn-out und Depression auf. Im zweiten Teil berichtet sie selbst als Betroffene eindrücklich und ergreifend von ihrer Depression und macht so deutlich, was die Erkrankung für denjenigen, der sie durchlebt, bedeutet. Diese Doppelperspektive macht das Buch zu einem besonderen und außergewöhnlichen Lese- und Erfahrungsmoment.

Im ersten Teil trägt die Autorin die wichtigsten Informationen zum Thema Burn-out und Depression zusammen. Dabei werden Entstehung, Symptomatik und Verlauf der Erkrankung beschrieben, ergänzt durch die Frage, wie der Wunsch nach „Selbstoptimierung“ auch die Gefahr der „Selbstausbeutung“ beinhaltet und damit auch die Entstehung von psychischen Erschöpfungszuständen begünstigt. Außerdem legt die Autorin ein besonderes Augenmerk auf die Beschreibung der Psychotherapie als Zugang zur Behandlung psychischer Krisen. Aus der Perspektive einer psychodynamischen Orientierung ermutigt das Buch, psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen und stellt dar, was Patienten im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung erwarten können.

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Sehr persönlich und berührend schildert die Autorin im zweiten Teil die Geschichte ihres eigenen Erschöpfungszusammenbruchs und einer monatelang anhaltenden depressiven Symptomatik. Mit Mitte 30 wird sie durch die Depression aus einem bis dahin von Tatendrang und Energie dominierten Leben herausgerissen und glaubt, ihr altes Leben als niedergelassene Psychotherapeutin und Mutter nie wieder so aufnehmen zu können, wie zuvor. Der Leser wird mit hineingenommen in die verzweifelten Gefühle der Depression aber auch in den Prozess der Reflexion, der zu einer Stabilisierung führt. Das Thema Verlust und Trauer spielt dabei neben dem Aspekt der Erschöpfung und Selbstüberforderung eine zentrale Rolle. So wird deutlich, wie Vergangenheit und Gegenwart sich in der Symptomatik treffen und nach einer sinnvollen Einordnung und einem Verständnis der Erkrankung verlangen, um sie in das eigene Selbstverständnis integrieren zu können. Der Leser wird mitgenommen in die Reflexionen und Gedanken, die der Autorin helfen, die Erkrankung zu verstehen und zu integrieren.

Ein Kapitel des Buches widmet Nora-Marie Ellermeyer dem Aspekt, wie es ist, als Psychotherapeutin selbst an einer Depression zu erkranken. Wie gehen wir als Psychotherapeuten damit um, wenn wir selbst erkranken und wie ist es, selbst Patientin zu werden. Dieses Kapitel kann für ein Thema sensibilisieren, mit dem die Literatur sich bisher wenig beschäftigt hat: Was bedeutet das Betroffensein von psychischer Erkrankung für unseren eigenen Berufsstand und welche Herausforderungen bringt diese Doppelrolle mit sich?

Die Lektüre des Buches ist informativ und fundiert, wie es von einem guten Sachbuch erwartet werden darf, gleichzeitig ist es aufgrund des besonderen sprachlichen Stils und der persönlichen Geschichte der Autorin ergreifend und spannend wie ein guter Roman. Friederike Janssen-Faller

Nora-Marie Ellermeyer: Lebensnebel. Wie ich als Psychotherapeutin Burn-out und Depression durchstand. Patmos Verlag, Ostfildern 2018, 180 Seiten, gebunden, 20,00 Euro

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