ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2019Psychosexuelle Identitätsentwicklung: Heterogene Beiträge zu einer komplexen Thematik

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Psychosexuelle Identitätsentwicklung: Heterogene Beiträge zu einer komplexen Thematik

PP 18, Ausgabe April 2019, Seite 181

Zimmermann, Wolfram

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Beim Lesen des Titels aus diesem Verlag nahm ich an, dass es um in sich schlüssige und inhaltlich gut konzentrierte wissenschaftliche Beiträge zur psychosexuellen Identitätsentwicklung geht, bei denen ein mindestens genereller „roter Faden“ eines Gesamtkonzeptes erkennbar ist. Es liegt ein Sammelband zur Jahrestagung 2017 der Deutschen Gesellschaft für Individualpsychologie vor, dessen sehr heterogene Beiträge, bei aller Akzeptanz der Komplexität der Thematik, recht willkürlich aneinandergereiht erscheinen. Im Vorwort betont der Herausgeber zwar, dass es sich um Darstellungen handelt, die „ganz schön vertrackt und komplex und insofern dem Gegenstand angemessen …“ seien. Diese Aussage ist wörtlich zu nehmen.

Es geht im Grundanliegen darum, Probleme der eigenen psychosexuellen Identitätsentwicklung stets in kritischer Reflexion zum jeweiligen „bedeutsamen Anderen“, zu der gesellschaftlich-sozialen Bezogenheit, damit auch zu den unstrittigen elementaren frühen Bindungserfahrungen des Heranwachsenden zu sehen. Damit geht es auch um den inzwischen vielfältig erweiterten Diskurs über verschiedene „Spielarten persönlich-geschlechtlicher Identität“. Die inhaltlichen Betrachtungsebenen und Diktionen der einzelnen Beiträge wechseln sehr stark. Mal sind es gelungene klinisch relevante Fall- oder Identitätsentwicklungs-Darstellungen (zum Beispiel von Mergel-Hölz oder Heyder) oder die fundierten Betrachtungen zum Jugendalter „als Krise in der Identitätsentwicklung“ (Escher) beziehungsweise zum „Umgang mit der Liebe in der Psychoanalyse“ (Gehringer). Dann aber finden sich paradigmatische, in der Kürze viel zu gedrängte Beiträge, etwa zur „... neueste(n) Volte der ‚Transgenderwelle‘“ oder zur Identitätsentwicklung des österreichisch-amerikanischen Kabarettisten Georg Kreisler“. Den Gegenstand des Buches verfehlend ist die rein gesellschafts-politisch vordergründige Darstellung von Stöcker: „Wir sind wir und wen wir hassen“ (!). Hier findet eine unpassende Diskussion von Asylpolitik und Gewalt statt. Angesichts dieser Kritikpunkte kann der Sammelband Lesern nur eingeschränkt empfohlen werden. Wolfram Zimmermann

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Pit Wahl (Hrsg.): Wer bin ich und wen ich liebe – Identität – Liebe – Sexualität. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2018, 284 Seiten, 39 Abb., kartoniert, 45,00 Euro

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