ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2019Verdacht auf Lungenembolie in der Schwangerschaft: Adaptierter YEARS-Algorithmus hilft, unnötige CT-Untersuchungen zu vermeiden

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Verdacht auf Lungenembolie in der Schwangerschaft: Adaptierter YEARS-Algorithmus hilft, unnötige CT-Untersuchungen zu vermeiden

Dtsch Arztebl 2019; 116(15): A-740 / B-610 / C-599

Meyer, Rüdiger

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: luna/stock.adobe.com
Foto: luna/stock.adobe.com

Lungenembolien sind die häufigste Todesursache von Schwangeren. Entsprechend niedrig ist die Verdachtsschwelle, bei der eine Diagnostik veranlasst wird. Und so liegt nur bei circa 5 % aller Frauen, bei denen wegen eines klinischen Verdachts eine Computertomografie (CT) erfolgt, tatsächlich eine Lungenembolie vor. Das CT belastet Mutter und Kind, auch wegen des Kontrastmittels. Außerdem sind CTs mit einem gewissen Strahlenrisiko assoziiert, vor allem im 1. Trimenon der Schwangerschaft.

Ein niederländisches Team hatte vor wenigen Jahren den sogenannten YEARS-Algorithmus entwickelt. Er soll bei klinischem Verdacht auf Lungenembolie durch ein abgestuftes Vorgehen helfen, unnötige Diagnostik zu vermeiden (1). Das Ergebnis eines D-Dimer-Tests – er weist Fibrinspaltprodukte im Blut nach – wird mit 3 klinischen Kriterien kombiniert: Anzeichen einer tiefen Venenthrombose (DVT), Hämoptyse und der klinische Eindruck, dass die Lungenembolie die wahrscheinlichste Erklärung für die Symptome ist. Wenn eine dieser 3 Bedingungen erfüllt ist, wird nach den YEARS-Kriterien ab einer D-Dimer-Konzentration von 500 ng/mL eine CT-Diagnostik empfohlen. Ist keines der Kriterien vorhanden, sollte erst ab einer D-Dimer-Konzentration von 1 000 ng/mL ein CT erfolgen. Der YEARS-Algorithmus konnte bei erwachsenen Patienten circa die Hälfte aller CT-Untersuchungen vermeiden, ohne das Embolierisiko zu erhöhen (1).

Nun hat das Team den YEARS-Algorithmus in einer prospektiven Studie bei Schwangeren untersucht (2). Dabei wurden die Kriterien leicht verändert: Bei einem klinischen Verdacht auf DVT erfolgte ein Kompressionsultraschall am betroffenen Bein, um bei positivem Befund eine Behandlung mit Antikoagulanzien zu beginnen.

Der modifizierte YEARS-Algorithmus wurde an 18 Kliniken bei 510 Frauen mit klinischem Verdacht auf eine Lungenembolie angewendet. 20 Frauen (4 %) hatten schon zu Studienbeginn eine Lungenembolie. Bei 195 Frauen wurde im weiteren Verlauf auf ein Lungen-CT verzichtet. Primärer Endpunkt war das Auftreten einer DVT innerhalb von 3 Monaten, sekundärer Endpunkt eine Lugenembolie.

Diese trat bei keiner Frau auf, bei der auf ein CT verzichtet worden war. Bei einer Teilnehmerin aus dieser Gruppe kam es zu einer DVT in der Vena poplitea, diagnostiziert am 90. Tag. Der adaptierte YEARS-Algorithmus führte also dazu, dass 39 % der Schwangeren ein CT erspart blieb, ohne erhöhtes Risiko. Der Vorteil des Algorithmus war im 1. Trimenon am größten: Bei 65 % wurde eine CT-Untersuchung vermieden. Im 2. Trimenon lag die Rate bei 46 % und im dritten Trimenon bei 32 %.

Fazit: Bei Schwangeren kann eine Lungenembolie mithilfe des adaptierten YEARS-Algorithmus sicher ausgeschlossen werden. Das Vorgehen reduziert unnötige CTs je nach Trimester um 32–65 %. Rüdiger Meyer

  1. van der Hulle T, Cheung WY, Kooij S, et al.: Simplified diagnostic management of suspected pulmonary embolism (the YEARS study): a prospective, multicentre, cohort study. Lancet 2017; 390: 289–97.
  2. van der Pol LM, Tromeur C, Bistervels IM, et al.: Pregnancy-adapted YEARS algorithm for diagnosis of suspected pulmonary embolism. N Engl J Med 2019; 380: 1139–49.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema