ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2019Haftungsansprüche: Klarheit schaffen
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Immer wieder wird erwähnt, das der Arzt 30 Jahre für sein Tun hafte, die Patientendaten aber nach zehn Jahren gelöscht werden müssen beziehungsweise dürfen. Die Haftung gehe sogar auf seine Erben über. Wann werden unsere Standesvertreter gegen diesen Haftungsirrsinn angehen?

Wenn die Akten trotz der Zehn-Jahres-Frist noch gespeichert sein sollten, dürften sie wegen der ständigen Veränderungen der Dateiformate gar nicht mehr lesbar sein. Der ärztliche „Täter“ wird wahrscheinlich nicht mehr am Leben sein. Die Behandlungsmethoden dürften sich in dem langen (bis 30 Jahre) Zeitraum völlig geändert haben, was damals richtig war, ist zum Zeitpunkt der Klageerhebung falsch. Wo bestehen Zusammenhänge zwischen damaliger Behandlung und aktuellem Leidensbefund? Über welche Komplikationsmöglichkeit aus neuer Sicht hätte der Patient damals aufgeklärt werden müssen?

Wie soll dann möglichen Forderungen aus Falschbehandlung begegnet werden, wenn Rechtsanwälte von dieser Klagemöglichkeit 30 Jahre nach der angeblichen „Fehlbehandlung“ seriell Gebrauch machen, wie wir es jetzt gerade beim Datenschutz erleben? Wer könnte mit welchen Mitteln die Enkel oder Urenkel des Arztes gegen möglicherweise horrende Schadensforderungen verteidigen. Wie und wo sollen die Patientendaten- und -akten datenschutzgesichert aufbewahrt werden? Wer übernimmt dafür die Haftung?

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Fragen über Fragen türmen sich hier auf, wer schafft Klarheit? Sollten die Angehörigen eines Arztes grundsätzlich auf ihr Erbe verzichten? Hier ist eine Gesetzesänderung des Haftungsirrsinns erforderlich. Wer in unserem Staate haftet sonst noch über einen derart langen Zeitraum? Richter und Rechtsanwälte ganz sicher nicht.

Dr. med. Fritz Gorzny, 56179 Valendar

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