ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2019Brustimplantate: Behörden beurteilen Krebsgefahr unterschiedlich

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Brustimplantate: Behörden beurteilen Krebsgefahr unterschiedlich

Dtsch Arztebl 2019; 116(15): A-714 / B-586 / C-574

Maybaum, Thorsten; afp

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Das Verbot in Frankreich bezieht sich auf Implantate von Allergan, Arion, Sebbin, Nagor, Eurosilicone und Polytech. Foto: picture alliance
Das Verbot in Frankreich bezieht sich auf Implantate von Allergan, Arion, Sebbin, Nagor, Eurosilicone und Polytech. Foto: picture alliance

In Europa ist eine neue Debatte um einen möglichen Zusammenhang zwischen Brustimplantaten und der Entstehung eines anaplastischen großzelligen Lymphoms (ALCL) aufgeflammt. Hintergrund ist die Entscheidung Frankreichs, mehrere Modelle zu verbieten. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) spricht von einem Alleingang der Franzosen. Betroffen sind nach Angaben der französischen Gesundheitsbehörde ANSM die Produkte von sechs Herstellern, die ihre Implantate seit dem 5. April nicht mehr in Frankreich anbieten dürfen. Eine Empfehlung an Trägerinnen der betroffenen Produkte, ihre Implantate entfernen zu lassen, sprach die Behörde nicht aus. Mit dem Verbot zieht die Gesundheitsbehörde die Konsequenz aus einer „bedeutenden Zunahme“ der Fälle von ALCL im Zusammenhang mit Brustimplantaten (Brustimplantat-assoziierte ALCL (BIA-ALCL)) seit dem Jahr 2011. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hatte anlässlich der Vorstellung des geplantes Implantateregisters gesagt, dass Deutschland dem Beispiel Frankreichs „zum jetzigen Zeitpunkt“ nicht folgen und kein Verbot verhängen werde. Es bestünde der Verdacht, dass die Implantate Krebs erzeugen könnten, die genauen Ursachen seien aber noch nicht klar erforscht. Das BfArM wies darauf hin, dass man in Einklang mit der europäischen Stellungnahme einer Task-Force und in enger Abstimmung mit den anderen europäischen Behörden zum Ergebnis komme, dass derzeit eine informierte Entscheidung durch die Patientin gemeinsam mit dem behandelnden Arzt die „zu empfehlende Maßnahme“ sei. Weltweit sind bisher rund 800 Fälle bei etwa 35 Millionen Implantierten dokumentiert. In Deutschland wurden zwölf Fälle von BIA-ALCL gemeldet. may/afp

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