ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2019Gesundheitswesen wird für Investoren immer attraktiver

ÄRZTESTELLEN: Kurz notiert

Gesundheitswesen wird für Investoren immer attraktiver

Dtsch Arztebl 2019; 116(15): [4]

Glöser, Sabine

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Foto: ktasimar/stock.adobe.com
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Für kapitalstarke private Finanzinvestoren ist der deutsche Gesundheitsmarkt inzwischen die wichtigste Zielbranche. Seit dem Jahr 2013 haben sie hierzulande bereits 130 Krankenhäuser, Arztpraxen, Pflegeheime und -dienste übernommen; 60 Prozent davon allein in den letzten zwei Jahren. Zumindest sind das die Ergebnisse einer Studie des Instituts Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule.

„Die Dynamik hat insbesondere in den letzten Jahren zugenommen“, sagte Dr. Sebastian Merkel vom IAT. Wirtschaftlich interessant für die Investoren sind demnach vor allem Pflegeheime und Pflegedienste. In diesem Marktsegment entfielen bereits relevante Marktanteile auf die sogenannten Private Equity-geführten Unternehmen. „Für die Beschäftigten sind der Wechsel des Eigentümers und die möglichen Folgen häufig nicht transparent“, sagte Arbeitsforscherin Michaela Evans vom IAT. Gerade in der Altenpflege sei es problematisch, wenn Unternehmen bei Personal und Lohn Spielräume nutzen und die ohnehin knappen Ressourcen als Renditen ins Ausland abfließen würden.

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Weiterer Trend: Derzeit nehmen die Investoren offenbar verstärkt Facharztpraxen der Zahnmedizin, Radiologie und Augenheilkunde ins Visier. Bislang hätten Private Equity-Gesellschaften erst etwas mehr als 30 Medizinische Versorgungszentren übernommen. Doch entfielen 80 Prozent davon auf das Jahr 2017 und das erste Halbjahr 2018.

Einen Grund für die regen Übernahme-Aktivitäten sieht das IAT in dem großen Kapitalangebot der Gesellschaften, dem immer weniger erwerbbare Unternehmen gegenüberstünden. Vor allem kapitalkräftige, fonds-basierte Private Equity-Gesellschaften aus europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten investierten auf dem deutschen Gesundheitsmarkt. Zwei Drittel dieser Fonds hatten ihren rechtlichen Sitz in einem Offshore-Finanzzentrum, insbesondere auf den Cayman Islands und auf Guernsey. Dorthin, heißt es in der Studie weiter, würden dann die im deutschen Gesundheitssektor erzielten Gewinne fließen. sg

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