ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2019Spitzenverband Fachärzte Deutschlands: Leistungen werden anerkannt

POLITIK

Spitzenverband Fachärzte Deutschlands: Leistungen werden anerkannt

Dtsch Arztebl 2019; 116(15): A-722 / B-592 / C-580

Osterloh, Falk

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Auf dem fünften Fachärztetag waren sich die Diskutanten einig: Die Selbstverwaltung ist ein hohes Gut, das erhalten werden muss. Im gerade verabschiedeten Gesetz könne man sehen, wie weit Politik den Ärzten entgegenkomme, so Minister Jens Spahn. Das löste Kritik, aber auch Lob aus.

„Das TSVG ist ein Einstieg in die Entbudgetierung für einen größeren Teil der Fachärzte.“ Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des Spitzenverbandes der Fachärzte. Foto: SpiFa/Andreas Schoelzel
„Das TSVG ist ein Einstieg in die Entbudgetierung für einen größeren Teil der Fachärzte.“ Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des Spitzenverbandes der Fachärzte. Foto: SpiFa/Andreas Schoelzel

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat sich erneut zur Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitssystem und zur Freiberuflichkeit der Ärzteschaft bekannt. „Ich weiß, dass das große Versprechen des Gesundheitswesens, 82 Millionen Menschen unabhängig von ihrem Einkommen Zugang zur medizinisch notwendigen Versorgung zu ermöglichen, nur mithilfe der Ärztinnen und Ärzte sowie der anderen Gesundheitsberufe zu erfüllen ist“, sagte er auf dem SpiFa-Fachärztetag Anfang April in Berlin.

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Dazu gehöre auch das Thema Freiberuflichkeit. „Wir wollen die Freiberuflichkeit der Ärzte in keiner Weise tangieren.“ Gleichzeitig begebe man sich mit der Entscheidung, Vertragsarzt zu werden, aber in das Regelwerk, das notwendig sei, um das große Versprechen des Gesundheitswesens umzusetzen. Dazu gehörten auch Pflichten.

Als Beispiel dafür, dass die Politik der Ärzteschaft entgegenkomme, nannte er das Thema Regresse im Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG). „Wir haben die Nachforderungsfrist auf zwei Jahre halbiert, wir haben die Zufälligkeitsprüfung abgeschafft, und es gibt keine Durchschnittswertsprüfungen mehr in Regionen mit einer Unterversorgung“, erklärte Spahn.

„Ich bin dankbar dafür, dass es die Selbstverwaltung in Deutschland gibt“, fasste Spahn zusammen. „Ein System wie in Großbritannien, in dem fast alle Ärzte in der Versorgung Staatsangestellte sind, ist nicht meine Vorstellung.“ Zudem haben die Entscheidungen der Selbstverwaltung eine höhere Akzeptanz und eine größere Praxisnähe, so Spahn. „Wenn die Selbstverwaltung aber, wie bei der Digitalisierung, über einen Zeitraum von 15 Jahren nicht in der Lage ist zu liefern, darf man als Politik auch schon einmal eingreifen.“

Lob und Tadel gab es für das TSVG vom Vorstandsvorsitzenden des Spitzenverbandes Fachärzte (SpiFa), Dr. med. Dirk Heinrich. „Das TSVG ist in dreierlei Hinsicht ein Paradigmenwechsel“, sagte er. „Erstens erkennt es die Leistungen von Fachärzten in der Grundversorgung an und fördert diese. Zweitens erkennt es den Zusammenhang von Leistung und Vergütung an. Und drittens sieht das Gesetz, dass Budgets keine Lösung, sondern ein Problem darstellen. Es ist ein Einstieg in die Entbudgetierung für einen größeren Teil der Fachärzte. Das sollten wir auch einmal anerkennen.“ Zugleich reihe sich das TSVG jedoch in eine lange Reihe von Gesetzen ein, die die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen einschränkten. „Dabei trägt die Selbstverwaltung einen entscheidenden Anteil daran, dass wir eines der besten Gesundheitssysteme der Welt haben.“

Dass die ambulante Versorgung in Deutschland sich verändern wird, darüber waren sich die Experten bei einer Podiumsdiskussion einig. „Viele junge Ärztinnen und Ärzte möchten anders arbeiten als die Generation vor ihnen“, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Sabine Dittmar. „Sie möchten die Verantwortung als Unternehmer nicht übernehmen.“

Die Sprecherin für Gesund­heits­förder­ung der Grünen-Fraktion, Kirsten Kappert-Gonther, stimmte ihr zu. „Ich glaube, dass die von einem Arzt alleine betriebene Vertragsarztpraxis kein Auslaufmodell ist, aber dass sich die Situation ändert – weil sich die Bedürfnisse der Ärzte ändern“, sagte die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie.

Für die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Christine Aschenberg-Dugnus, stellte sich die Frage, warum viele Mediziner lieber angestellt arbeiten wollen. Das liege an den Rahmenbedingungen der selbstständigen Arbeit: an den Budgets, den Plausibilitätsprüfungen, den Regressen.

SpiFa-Vorsitzender Heinrich wies darauf hin, dass es für Umfragen unter jungen Ärzten keine Vergleichswerte aus der Vergangenheit gebe, er hätte sich damals auch gegen eine Niederlassung ausgesprochen. „Aber nach zwölf Jahren Arbeit im Krankenhaus wurde es dann doch interessant für mich. Und heute finde ich es klasse.“ Falk Osterloh

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