ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2019Digitale Medizin: Widerstand der IT-Hersteller
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Die Überschrift zu Ihrem Artikel „Ärzte müssen eingebunden werden“ klingt für mich wie blanker Hohn. Ich habe vor etwa 15 Jahren als Chefarzt einer mittelgroßen Inneren Abteilung angesichts riesiger Berge von unerledigten Arztbriefen und massiven Informationsdefiziten zusammen mit meinem Sohn (Arzt und Diplom-Informatiker) und einem genialen Programmierer aus purer Not heraus begonnen, eine aus der Sicht des Arztes praktikable Dokumentations-Software (epa-software) zu entwickeln, die den Kolleginnen und Kollegen zu jeder Zeit ermöglicht, einen vollständigen Überblick über den Behandlungsablauf zu gewinnen, die Codierung zu übernehmen und den Arztbrief bei der Entlassung druckreif erstellen zu können (siehe u. a. Deutsches Ärzteblatt 20/2005).

Dieses ist uns gelungen. In mehreren Krankenhäusern ist diese Software als Subsystem mit Schnittstelle zum KIS und PACS mit höchster Effizienz und Zuverlässigkeit über fast zwölf Jahre angewandt worden, in einem Haus abteilungsübergreifend auf über 200 Arbeitsplätzen. Die Ärzte haben diese Software geliebt, ein Haus benutzt es trotz Aufgabe unserer Geschäftstätigkeiten nach wie vor. Allerdings wurde die Software – bis auf eine Ausnahme – nach unseren Präsentationen auf massiven Druck der Ärzte gegen den Willen der jeweiligen IT-Abteilung eingeführt. ... Ansonsten gab es nur massiven Widerstand vonseiten der IT-Abteilungen und der KIS-Hersteller – egal, ob Weltkonzerne oder mittelständische Unternehmen. Die Abwehrschlacht der Unternehmen ging so weit, dass für eine Anbindung an das KIS durch eine simple HL7-Schnittstelle 100 000 € verlangt wurden. ... Die Gründe für die Ablehnung? Immer wieder hörte man sowohl von den Softwarekonzernen als auch von den IT-Abteilungen, das könne doch ihr eigenes System auch oder viel besser. Die Arroganz der IT-Konzerne und vieler Mitarbeiter in den Krankenhäusern ist nicht zu übertreffen. Das, wie der Artikel eindrücklich beschreibt, eine Software nur aus dem Erleben eines Arztes mit Unterstützung kongenialer Mitarbeiter sinnvoll erschaffen werden kann (das ist wirklich ein außerordentlich kreativer Prozess), ist dieser Branche nicht zu vermitteln. Ärzte werden nicht gebraucht, so der Tenor, das können wir selbst viel besser. Angebote meinerseits, angesichts meiner intensiven Beschäftigung mit diesem Thema kostenfrei beratend tätig zu sein, wurden nicht einmal beantwortet. ...

Dr. med. H. W. Sudholt, 97877 Wertheim

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