ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2000Arzneimittel: Hausärzte fordern bessere Grundlagen

POLITIK: Aktuell

Arzneimittel: Hausärzte fordern bessere Grundlagen

Dtsch Arztebl 2000; 97(1-2): A-22 / B-19 / C-19

Clade, Harald

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LNSLNS BDA: Leitfunktion bei der Arzneimittelverordnung
Die Tatsache, dass Anfang Dezember 1999 neun von 23 Kassenärztlichen Vereinigungen das Arzneimittelbudget für 1999 bereits ausgeschöpft hatten, hat den BDA Hausärzteverband (Köln) veranlasst, auf die wichtige Koordinations- und Steuerungsfunktion der hausärztlich tätigen Ärzte auch bei den veranlassten Leistungen und Verordnungen hinzuweisen. Die 50 000 Ärzte, die dem hausärztlichen Sektor zuzurechnen sind, würden über rund 75 Prozent aller Arzneimittelverordnungen entscheiden - sowohl was die Qualität als auch die Quantität betrifft. Wegen der anhaltenden Kostendämpfungsmaßnahmen und der sektoralen Budgets seien die hausärztlich tätigen Ärzte durch die Arznei- und Heilmittelbudgets existenziell betroffen. Die Kollektivhaftung aller Vertragsärzte, Arzneimittelrichtlinien und Regresse bedrohten und sanktionierten das hausärztliche Verordnungsverhalten besonders stark. Die Hausärzte dürften aber nicht wegen der ihnen vom Gesetz eingeräumten Steuerungs- und Lotsenfunktion in der Betreuung chronisch Kranker, bei der Langzeittherapie und in ärztlichen Praxisnetzen gegenüber anderen Arztgruppen benachteiligt oder "bestraft" werden.
Der Bundesvorsitzende des BDA, Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Kossow, Achim/Niedersachsen, wies anlässlich eines Pressegesprächs in Düsseldorf darauf hin, dass gerade die Hausärzte eine Parallel- und Mehrfachverordnung innerhalb der verschiedenen Arztgruppen vermeiden könnten, mithin auch den Krankenkassen Ausgaben ersparen würden. Künftig müsse vermieden werden, dass insbesondere die Arzneimittelverordnungen und die diagnostischen sowie therapeutischen Maßnahmen unabgestimmt erfolgen, auch wenn die freie Arztwahl gemäß § 76 SGB V garantiert sei. Eine Umprogrammierung der Chipkarte könne die Vielfach- und Parallelverordnungen einschränken und eine "Laufschiene" für Kassenpatienten aufzeigen.
Aus der Sicht des BDA müssten die Vorschriften des Sozialrechts für die Arzneimittelrichtlinien und die Arzneimittelfestbeträge an das Europarecht angepasst werden. Unverträglichkeiten mit dem deutschen Recht dürften keinesfalls das Regress-Risiko der Ärzte erhöhen. Der BDA lehnt eine Positivliste ab, weil hierfür die epidemiologischen Grundlagen in Deutschland fehlten. Erkenntnisse aus dem Ausland könnten nicht ohne weiteres auf inländische Verhältnisse übertragen werden. Der BDA macht sich stattdessen stark für die Ausweitung einer klaren Definition jener Präparate, die auf der Negativliste stehen. Deren Erweiterung könne per Erlass durch das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium umgesetzt werden. Eine entsprechende Ermächtigung sei auch durch höchstrichterliche Rechtsprechung abgesichert.
Prinzipiell sollte individuellen Arzneimittelrichtgrößen der Vorzug vor globalen oder sektoralen Budgets gegeben werden. Allerdings müssten diese praxisbezogen, ausreichend und bedarfsgerecht bemessen sein. Richtgrößen sollten zwischen Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen ausgehandelt werden. Diese müssten den unterschiedlichen Versorgungsbedarf je nach städtischen und ländlichen Gebieten entsprechend differenziert berücksichtigen. Dr. Harald Clade
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