ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2019Rechtsreport: Haftung eines Durchgangsarztes

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Rechtsreport: Haftung eines Durchgangsarztes

Dtsch Arztebl 2019; 116(15): A-754 / B-618 / C-606

Berner, Barbara

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Ein Durchgangsarzt, der nach einem Arbeitsunfall, bei dem das Unfallopfer mit dem Fuß auf dem Boden aufprallte, zunächst nur ein Umknicktrauma diagnostiziert, muss eine weitere Abklärung veranlassen, wenn er von einer erheblichen Erkrankung des Verletzten erfährt. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Köln entschieden. Im vorliegenden Fall knickte ein Arbeitnehmer, der unter Diabetes mellitus und Adipositas permagna litt, nach einem Sprung von einem Schlepper mit dem linken Fuß um. Am Folgetag suchte er den Durchgangsarzt auf, der eine Röntgenaufnahme des oberen Sprunggelenks veranlasste und eine Verstauchung und Zerrung sowie eine Spontanruptur von nicht näher bezeichneten Sehnen nach ICD10 M66.57 diagnostizierte. Er verordnete einen Kompressionsverband, eine Aircast-Schiene sowie das Kühlen des verletzten Fußes. In der Folgezeit suchte der Verletzte den Durchgangsarzt regelmäßig zur Nachkontrolle auf. Bei einer davon unabhängigen stationären Behandlung im Krankenhaus wurde ein Charcot-Fuß sowie eine proximale Mittelfußfraktur am 5. Mittelfußknochen diagnostiziert. In der Folge kam es zu einer weiteren stationären Behandlung, bei der dem Patienten zur Behebung eines Spitzfußes die Achillessehne verlängert und eine Flex-Cast-Schiene angelegt wurde. Der Patient verklagte den Durchgangsarzt auf Schadensersatz und Schmerzensgeld, dem das Gericht nach §§ 280 Abs. 1, 630 a, 823 Abs. 1, 249, 253 Abs. 2 BGB stattgab.

Der Durchgangsarzt habe es unterlassen, seine ursprüngliche Diagnose kritisch zu hinterfragen, nachdem er von der diabetischen Grunderkrankung und einer darauf beruhenden Polyneuropathie des Unfallopfers erfahren habe. Er hätte nach Meinung des Gerichts eine mögliche Mitbeteiligung des 5. Mittelfußknochens in Erwägung ziehen und eine erweiterte Diagnostik des Fußes veranlassen müssen. Für das Versäumnis hinreichender Diagnostik hafte der Durchgangsarzt und nicht die Berufsgenossenschaft. Der Fehler sei dem Bereich privatrechtlichen Handelns des Arztes zuzurechnen, der die weitere Behandlung des Klägers übernommen habe, was nicht dem Bereich hoheitlichen Handelns zuzuordnen sei. Die Nichterhebung zweifelsfrei gebotener Befunde stelle einen Verstoß gegen fachärztlichen Standard dar. Weil der Patient in seinen Aktivitäten drastisch eingeschränkt ist, hält das Gericht ein Schmerzensgeld von 50 000 Euro für angemessen.

OLG Köln, Urteil vom 9. Januar 2019, Az.: 5 U 13/17 RAin Barbara Berner

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