ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2019Haltbarkeit von Hüftendoprothesen: Drei Viertel der künstlichen Hüftgelenke halten 15 bis 20 Jahre

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Haltbarkeit von Hüftendoprothesen: Drei Viertel der künstlichen Hüftgelenke halten 15 bis 20 Jahre

Dtsch Arztebl 2019; 116(15): A-739 / B-609 / C-598

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: edwardolive/stock.adobe.com
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Für Patienten, bei denen die Implantation einer Hüftendoprothese erwogen wird, ist eine wesentliche Frage: Welche Haltbarkeit ist zu erwarten? Eine britische Arbeitsgruppe liefert mit einer Metaananylse von Fallserien und von nationalen Endoprothesen-Registern eine Basis, um die Haltbarkeit der Gelenke ohne Revision abzuschätzen. Indikation war für alle Teilnehmer eine Osteoarthritis.

Einschlusskriterium für die Fallserien war ein durchschnittliches oder medianes Follow-up von mindestens 15 Jahren. Kriterien für eine gute Qualität waren konsekutive Fälle, Verlust von < 20 % im Follow-up, multizentrische Daten und multivariable Analysen. Die Registerdaten stammten aus Australien, Dänemark, Finnland, Neuseeland, Norwegen und Schweden.

Aus 44 Fallserien lagen Daten von 13 212 Operationen vor, bei den Registern von 215 676 Implantationen. Die Fallserien ergaben Hüftendoprothesenstandzeiten von 85,7 % für 15 Jahre (95-%-Konfidenz-Intervall [95-%-KI] [85,0; 86,5]), 78,8 % der Hüftgelenke hielten 20 Jahre [77,8; 79,9] und 77,6 % hielten 25 Jahre lang [76,0; 79,2]. Aus der gepoolten Analyse der Registerdaten errechnete sich eine Haltbarkeit von 89,4 % für 15 Jahre [89,2; 89,6], von 70,2 % für 20 Jahre [69,7; 70,7] und 57,9 % für 25 Jahre [57,1; 58,7]. Allerdings lagen nur aus dem finnischen Register Daten für 20 und 25 Jahre vor.

Fazit: Die Haltbarkeit von Hüftendoprothesen sei nicht genau zu kalkulieren, aber circa drei Viertel halten 15–20 Jahre und mindestens die Hälfte 25 Jahre, so die Autoren. In Deutschland werden jährlich circa 219 000 Hüftendoprothesen implantiert (2) und es erfolgen circa 30 000 Revisionen (mit und ohne Wechsel der Prothesen).

„Die Studie belegt eine sehr gute Langzeitfunktion der Endoprothesen, eine der häufigsten Sorgen der Patienten vor einer Implantation“, kommentiert Prof. Dr. med. Peer Eysel, Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie Universitätsklinikum Köln. „Problematisch ist, dass die Daten für 20 und 25 Jahre lediglich aus einem Register stammen. Die heutigen Materialien und Implantationstechniken könnten noch eine längere Haltbarkeit erwarten lassen als vor 25 Jahren.“

Die in der Studie ermittelten Haltbarkeiten „sind beeindruckend“, meint auch Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Chefarzt Orthopädische Klinik Herzogin Elisabeth Hospital Braunschweig, Vorsitzender des Verbands Leitender Orthopäden und Unfallchirurgen und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik. Obwohl es für Deutschland kaum Daten über solch lange Zeiträume wie in der Metaanalyse gebe, sei die Größenordnung der Haltbarkeit vermutlich ähnlich. Trotz der Fortschritte bei Implantationsdesigns, Materialien und OP-Techniken ließen sich die Standzeiten der Endoprothesen vermutlich nicht mehr erheblich verlängern. Denn die Patienten seien heute deutlich aktiver als vor Jahrzehnten und beanspruchten die Implantate stärker. Der Body-Mass-Index nehme aber auch zu – ein weiterer Risikofaktor für die Implantatlockerung.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Evans JT, Evans JP, Walker RW, et al.: How long does a hip replacement last? A systematic review and meta-analysis of case series and national registry reports with more than 15 years of follow-up. Lancet 2019; 393: 647–54.
  2. Rothbauer F, Zerwes U, Bleß HH, et al.: Häufigkeit endoprothetischer Hüft- und Knieoperationen. In: Weißbuch Gelenkersatz. Versorgungssituation bei endoprothetischen Hüft- und Knieoperationen in Deutschland. Berlin, Heidelberg, New York 2017.

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