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Dtsch Arztebl 2019; 116(16): A-802

EB; SH; BV; kw

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Irreversible Nebenwirkungen unter Fluorchinolonen – Bei einer Behandlung mit Chinolon- und Fluorchinolonhaltigen Antibiotika können die Lebensqualität beeinträchtigende, lang anhaltende und möglicherweise irreversible Nebenwirkungen auftreten, die den Bewegungsapparat (z. B. Tendinitis, Sehnenruptur, Myalgie, Arthralgie) sowie das periphere und zentrale Nervensystem (z. B. periphere Neuropathie, Schlaflosigkeit, Depression) betreffen. In Deutschland zugelassen sind nur die Fluorchinolone Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) empfiehlt Fluorchinolone nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Bewertung im Einzelfall einzusetzen. Nicht angewendet werden sollen sie

  • zur Behandlung von nichtbakteriellen (z. B. chronische, nichtbakterielle Prostatitis) und selbstlimitierenden Infektionen (z. B. Pharyngitis, Tonsillitis, akute Bronchitis),
  • bei leichten bis mittelschweren Infektionen (z. B. unkomplizierte Zystitis, Exazerbation einer chronischen Bronchitis und chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, akute bakterielle Rhinosinusitis, akute Otitis media), außer wenn andere Antibiotika ungeeignet sind,
  • zur Prävention von Reisediarrhoe oder rezidivierenden Infektionen der unteren Harnwege und
  • bei Patienten, die zuvor unter einem Chinolon- oder Fluorchinolon-Antibiotikum schwerwiegende Nebenwirkungen hatten.

Bei älteren Menschen, eingeschränkter Nierenfunktion, nach Organtransplantation und bei gleichzeitiger Behandlung mit Kortikosteroiden ist Vorsicht geboten, da das Risiko einer Fluorchinolon-induzierten Tendinitis und Sehnenruptur erhöht sein kann. Die gleichzeitige Anwendung von Kortikosteroiden und Fluorchinolonen sollte vermieden werden. EB

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Quelle: Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) Drug Safety Mail 17–2019

Tranylcypromin bei therapieresistenter Depression – Patienten mit einer therapieresistenten Depression (TRD) werden häufig erfolglos mit Präparaten aus der gleichen Substanzklasse behandelt – trotz einer großen Auswahl an Antidepressiva und vielfältigen Kombinations- und Augmentationsmöglichkeiten. Tranylcypromin (TCP) gilt in der Depressionstherapie als letzte Option - nicht aufgrund mangelnder Wirksamkeit, sondern da ein Risiko für Interaktionen mit tyraminreichen Lebensmitteln besteht. Verzichtet der Patient aber auf diese Lebensmittel, wird die Therapie in der Regel gut vertragen. Und ein aktueller Review (Psychopharmakotherapie 2019, 26: 24–38) zeigt, dass auch für TCP-Non-Responder (42 %) noch die Chance auf eine Spätremission besteht. Ausgewertet wurden insgesamt 93 Therapien von TCP-Non-Respondern in kontrollierten und unkontrollierten klinischen Studien sowie Fallberichten. Bei 51,6 % der Therapien konnte im Verlauf ein Ansprechen erzielt werden – überwiegend (75 %) durch TCP-Augmentationen/-Kombinationen. Diese Ergebnisse sprechen für einen früheren Einsatz des Antidepressivums und gegen die Einstufung als „Ultima Ratio“. sh

Quelle: Pressemitteilung der Aristo Pharma GmbH vom 22. März 2019

MS: Aubagio® beweist sich unter realen Bedingungen – Die Daten der klinischen Zulassungsstudien für orales Teriflunomid (Aubagio®, Sanofi Genzyme) haben sich unter Real-World-Bedingungen bestätigt. Teriflunomid wurde z. B. in einer prospektiven, multizentrischen und industrieunabhängigen Beobachtungsstudie über 12 Monate mit Dimethylfumarat (DMF) verglichen. Dabei zeigte sich bei beiden Substanzen eine vergleichbare Wirksamkeit. Die Verträglichkeit von Teriflunomid war jedoch signifikant besser: 12,0 % der mit Teriflunomid Behandelten hätten von unerwünschten Wirkungen berichtet, in der DMF-Gruppe seien es hingegen 26,5 % gewesen, berichtete Dr. med. Stefan Ries, Erbach. Aus den Phase-II-Studien sowie den Zulassungsstudien TEMSO, TOWER und TENERE einschließlich deren Extensionsstudien stehen gepoolte Daten zur Therapie mit Teriflunomid über 12 Jahre zur Verfügung. Die jährlichen Schubraten lagen zwischen 0,321 in Jahr 1 und 0,080 in Jahr 12; der Anteil schubfreier Patienten blieb über diese Zeit stabil (0,80 im letzten Beobachtungsjahr). Der entzündungshemmende Immunmodulator Teriflunomid, der selektiv und reversibel auf aktivierte T- und B-Zellen wirkt, ist seit 2013 in der EU zur Behandlung erwachsener Patienten mit schubförmig remittierender Multipler Sklerose zugelassen. bv

Quelle: Pressekonferenz „Konsistente Daten auch im Alltag – die MS-Therapie mit Teriflunomid“, Köln, 7. März 2019; Veranstalter Sanofi Genzyme

Begleittherapie mit Soledum®forte reduziert COPD-Exazerbationen – Rezidivierende Exazerbationen bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) treten vornehmlich in den Wintermonaten auf. Ein wichtiger Trigger ist nicht abhustbares, visköses Bronchialsekret. Die Elimination des Sekrets ist daher für COPD-Patienten von großer klinischer und prognostischer Bedeutung. Der Naturstoff 1,8-Cineol, ein Monoterpen aus dem Eukalyptusblatt, fördert die mukoziliäre Clearance, wirkt sekretolytisch und besitzt ausgeprägte entzündungshemmende Eigenschaften. In einer Multicenterstudie erhielten die Studienteilnehmer als Begleittherapie in den 6 Wintermonaten entweder 3-mal täglich 200 mg Cineol (Soledum® forte, Cassella-med) oder ein Placebo. Die Studienergebnisse bestätigten, dass die Begleittherapie mit Cineol bei COPD-Patienten signifikant die Anzahl, Dauer und Schwere von Exazerbationen reduziert. Darüber hinaus verbesserten sich Lungenfunktion, Dyspnoe und Lebensqualität signifikant. kw

Quelle: Symposium „Das Leben zu genießen macht mich nicht mehr atemlos – Umgang mit Exazerbationen bei COPD-Patienten“, DGP-Jahrestagung, 14. März 2019, München, Veranstalter: Cassella-med

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