ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2019Digitale Medizin: Analoge Medizin
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Na also, nun kommt aus den USA die Erkenntnis: EDV führt bei Ärzten zu Burnout. Ist ja auch logisch: Medizin ist nun mal analog. Mediziner denken folglich mehrheitlich auch so. EDV wird aber von Informatikern entwickelt, und die ticken digital. Den Unterschied kann man mühelos beobachten, wenn das eigene Kind am elterlichen PC/Smartphone ein „unlösbares“ Problem seufzend mit wenigen Klicks wegzaubert, aber keinen Hosenknopf mehr annähen kann.

Hinzu kommt, dass anwenderfreundliche Programme in der Medizin ein Fremdwort sind: trotz hoher Monatskosten eben zuwenig Anwender,und dann gibt es eben Steinzeit-Programmierungen. Fuzzy logic, Spracherkennung, autokorrektive Mechanismen, Systeme, die trotz Anwendungsfehler funktionieren? Fehlanzeige! Vielmehr sture Programme, die bei kleinsten Fehlern den Dienst verweigern. Besonders z. B. bei den KV-Programmen und ELSTER.

Cui bono? EDV nutzt eher den Überwachern,Verwaltern und Controllern (die wiederum digital gepolt sind), der Mediziner kann mit einer Handakte aus Papier meist mehr anfangen: strukturierte individuelle Gestaltung,Wichtiges mit Edding hervorgehoben, schnell niedergeschrieben mit kleiner ergänzender Zeichnung, übersichtlich ohne großes Herumgescrolle. Immer verfügbar, transportabel, billig und datenschutzsicher. Ganz zu schweigen davon, was passiert, wenn das System abstürzt oder der Strom ausfällt.

Anzeige

Und trotzdem lässt es sich die Ärzteschaft gefallen, dass ihr nun der TI-Rollout unter Sanktionsandrohung aufs Auge gedrückt wird. Wieder mal: Überschütte die Ärzte mit unnützem Zeug, dann sind sie beschäftigt und mucken nicht auf. Funktioniert seit Jahr(zehnt?)en verblüffend gut. Ich bin mal gespannt, wann die Kollegen das endlich mal durchschauen.

Dr. med. Rupert Holderied, 85540 Haar

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige