ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2019Glioblastome: Leipziger Studie – Methadon bei Therapie von Hirntumoren unwirksam

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Glioblastome: Leipziger Studie – Methadon bei Therapie von Hirntumoren unwirksam

Dtsch Arztebl 2019; 116(16): A-800 / B-659 / C-647

Zylka-Menhorn, Vera

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: BillionPhotos.com/stock.adobe.com
Foto: BillionPhotos.com/stock.adobe.com

Methadon wurde vor einiger Zeit in der Laienpresse als möglicher Heilsbringer in der Krebstherapie gefeiert. Anlass waren Laborexperimente am Universitätsklinikum Ulm, wonach Methadon in Kombination mit einer Chemotherapie Glioblastomzellen abtötet. Wissenschaftler der Universitätsmedizin Leipzig konnten diesen Effekt in einer Laborstudie nicht bestätigen (1).

Für die Untersuchung legten die Forscher primäre Zellkulturen aus Glioblastomen an, die 6 Patienten entfernt worden waren. Zusätzlich wurden Kulturen von gesunden Zellen dieser Patienten angelegt, „um die Wirkung von Methadon auf beide Zelltypen zu vergleichen“, sagte Biochemiker Prof. Dr. Frank Gaunitz, Leiter der Forschungslabore der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Leipzig.

Die Tumor-Zellkulturen wurden mit der Standardtherapie von Glioblastomen behandelt: Bestrahlung und Chemotherapie. Zusätzlich versetzten die Forscher die Zellen mit Methadon in unterschiedlichen Konzentrationen. So konnten sie beobachten, ob das Opioid einen zusätzlichen Effekt hat und die Standardtherapie besser wirkt.

„Unsere Resultate zeigen, dass die Standardbehandlung wirksam ist, aber durch Methadon kein Zugewinn erzielt wird. Es dürfte auch nichts nützen, wenn ein Patient nur Methadon nimmt. Das würde erst in Konzentrationen wirken, die für den Körper tödlich sind“, fasst Gaunitz zusammen: „Zudem konnten wir die Arbeiten von anderen Forschergruppen bestätigen, dass manche Tumorzellen bei niedrigen Methadon-Konzentrationen sogar schneller wachsen.“

Fazit: Bereits 2018 hatten Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg publiziert, dass die meisten humanen Glioblastomzellen entgegen vorheriger Annahmen keine Andockstellen für Methadon besitzen (2). Ohne diese Opioid-Rezeptoren kann der Wirkstoff jedoch nicht in die Tumorzellen eindringen noch auf sie wirken.

Die jetzige Studie ist eine weitere Reaktion auf die öffentliche Debatte um Methadon in der Krebstherapie. Gaunitz rät Patienten mit Glioblastomenen von einer Selbstmedikation durch Methadon ab: Vorerkrankungen, etwa eine geschädigte Leber, könnten sogar zum Tod führen. Vera Zylka-Menhorn

  1. Oppermann H, Matusova M, Glasow A, et al.: d,l-Methadone does not improve radio- and chemotherapy in glioblastoma in vitro. Cancer Chemotherapy and Pharmacology. DOI: 10.1007/s00280-019-03816-3.
  2. Latzer P, Kessler T, Sahm F, et al.; Methadone does not increase toxicity of temozolomide in glioblastoma cells. Oncol Res Treat 2018; 41: 1–221.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen:

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema