ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2019Darmkrebs: Patienten haben vermehrt Bakterien, die Karzinogene produzieren

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Darmkrebs: Patienten haben vermehrt Bakterien, die Karzinogene produzieren

Dtsch Arztebl 2019; 116(16): A-800 / B-659 / C-647

Meyer, Rüdiger

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Foto: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com
Foto: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com

Darmkrebspatienten haben teilweise andere Bakterien im Darm als gesunde Menschen. Die genetische Signatur der Darmflora könnte nach einer Studie in Nature Medicine im Prinzip zur Früherkennung eingesetzt werden. Ein Team um Georg Zeller vom EMBL („European Molecular Biology Laboratory“) in Heidelberg hat jetzt das Metagenom in Stuhlproben von 768 Menschen (sowohl mit Darmkrebs als auch Gesunde) aus China, Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Österreich und den USA untersucht.

Die Forscher entdeckten eine „genetische Signatur“, mit der sich die Darmflora von Krebspatienten und Gesunden gut unterscheiden ließ. Die Grenzwertoptimierungskurve (AUROC), die Sensitivität und Spezifität kombiniert, erreichte einen Wert von 0,80 (0,5 ist Zufall, 1,0 Gewissheit). Die Metagenom-Analyse der Bakterien könnte sich laut den Forschern mit gängigen Stuhltests auf okkultes Blut messen lassen. Ein klinischer Einsatz dürfte allerdings an den Kosten scheitern. Außerdem steht mit der Koloskopie eine effektivere Vorsorge zur Verfügung. Funktionelle Analysen ergaben, dass im Darm der Krebspatienten vermehrt Bakterien vorhanden waren, die Gene für den Abbau von Proteinen und Muzinen bilden. Gene, die Kohlenhydrate abbauen, waren dagegen seltener vorhanden als bei gesunden Menschen.

Eine begleitende Metagenom-Analyse der Universität von São Paulo zeigt, dass die Darmbakterien vermehrt Moleküle produzieren, die für die Krebsentstehung verantwortlich sein könnten. So ist das Fusobacterium nucleatum bei Darmkrebspatienten häufiger im Kolon vorhanden. Eine weitere Entdeckung war das vermehrte Vorkommen des Gens cutC.

Fazit: Die Heidelberger Forscher vermuten, dass es durch die veränderte Darmflora zur vermehrten Bildung von sekundären Gallensäuren kommt, die als krebserzeugend angesehen werden. Die Veränderungen der Darmflora könnten die Folge einer fettreichen und fleischlastigen Ernährung sein. Beweisen lasse sich dies in der Studie aber nicht. Es bleibe im Umkehrschluss möglich, dass der Darmkrebs selbst für die Veränderung der Darmflora verantwortlich sei, auch wenn dies als weniger wahrscheinlich angesehen wird. Rüdiger Meyer

  1. Wirbel J, et al.: Meta-analysis of fecal metagenomes reveals global microbial signatures that are specific for colorectal cancer. Nature Medicine 2019; 25: 679–689.
  2. Thomas A M, et al.: Metagenomic analysis of colorectal cancer datasets identifies cross-cohort microbial diagnostic signatures and a link with choline degradation. Nature Medicine 2019; 25: 667–678.

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